Umweltschutz in Ostfriesland Landwirtschaft und Wiesenvögel, wie geht das zusammen?
„Sie sind Pioniere“, bescheinigte Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte den Ostfriesen. Genauer: Mehreren Akteuren, die versuchen, Umweltschutz und Landwirtschaft zusammenzubringen.
Hinte/Ostfriesland - Der Bereich um Emden entwickelt sich immer mehr zur Pionierlandschaft. Zumindest, was Landwirtschaft und Umweltschutz angeht. Beim Besuch von Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) in der Gemeinde Hinte wurde nun ein Projekt vorgestellt, das tatsächlich kurz vor dem Abschluss steht: die Naturschutzhöfe Ostfriesland.
Insgesamt sechs Höfe haben unter dieser Bezeichnung seit November 2020 untersucht, wie Naturschutz und Landwirtschaft zusammengehen können. Speziell ging es um die Frage nach Wiesenvogelschutz und landwirtschaftlicher Ertragsarbeit. Vorgestellt wurde das Projekt auch von einem der beteiligten Landwirte: Joachim Niemann aus Suurhusen.
Kooperation statt Gegeneinander
Das Hauptproblem: Die Bedürfnisse von Wiesenvögeln passen nicht immer mit den Bedürfnissen der Landwirtschaft zusammen. Die Naturschutzhöfe, alle mit anderen Schwerpunkten und Bedingungen, wollen zusammen mit dem Nabu, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und dem Landwirtschaftsministerium Niedersachsen hier Lösungen finden. Dafür wurden in den vergangenen drei Jahren, das Projekt läuft noch bis Dezember, die entsprechenden Daten gesammelt und Versuche unternommen, wie Naturschutz und Landwirtschaft zusammenpassen, ohne dass die Landwirtschaft sich nicht mehr rechnet und ohne dass der Umweltschutz zum Etikettenschwindel wird.
Die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Akteuren, die gerne als unvereinbare Gegenparts wahrgenommen werden: Das sei es, was dieses Projekt so besonders mache. So die einhellige Meinung der Anwesenden. Entstanden ist das Projekt derweil unter dem Dach der Ostfriesischen Landschaft, genauer: in der Arbeitsgruppe „Kooperation Landwirtschaft und Naturschutz in Ostfriesland.“
Lob von der Ministerin
Sich auf diese Art und Weise zusammenzusetzen und zu versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden, das sei vorbildlich, betonte Ministerin Staudte. „Sie sind hier Pioniere“, betonte die Ministerin. Es sei aber auch wichtig, die Ergebnisse in die Breite zu tragen. „Wir brauchen eine stärkere Transferkultur, so dass möglichst viele von diesem und anderen Pilotprojekten profitieren.“
Für Landwirt Joachim Niemann, dessen Familie seit 40 Jahren den Domänenhof betreibt, steht fest: „Wir müssen uns jetzt um Wiesenvögel kümmern.“ Das bedeute aber auch Änderungen für die Landwirte. Änderungen, die auch kompensiert werden müssen. Denn Wiesenvogelschutz bedeute auch mehr Arbeit für die Landwirte. Arbeit, die nicht allein durch die Erzeugerpreise beispielsweise bei der Milchviehhaltung aufgefangen werden können. Hier müsse die Gesellschaft einen Teil der Kosten schultern. Dies könne zum Beispiel auch über entsprechende Förderungen passieren. Diese Förderungen dürften aber nicht nur über wenige Jahre bestehen, sondern müssten langfristige Planungen ermöglichen. Auch eine Forderung, die sich aus dem Pilotprojekt ergeben habe, so der Tenor.
Neu am Projekt sei auch, dass erstmals eine gesamtbetriebliche Betrachtung mit Blick auf die Umstellung hin zu einer „natur- und umweltschutzzielfördernde Betriebsstruktur“ versucht wurde. So heißt es in der begleitenden Pressemitteilung der Ostfriesischen Landschaft. Das Projekt soll Blaupause, Inspiration und auch Handlungsperspektive für andere Landwirte sein. Niemann möchte den eingeschlagenen Weg, der unter anderem eine Neuaufteilung der Flächen beinhaltet, weiter einschlagen. „Wir müssen hier generationsübergreifend denken“, so der Landwirt. „Aber am Ende muss sich alles auch wirtschaftlich tragen.“