Protest bahnt sich an  In Greetsiel regt sich Unmut über Ferienwohnungspläne – Investor reagiert

| | 16.08.2023 17:32 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bis November vergangenen Jahres wohnten hier noch Senioren. Jetzt überlegt der Besitzer des Gebäudes, wie es weitergehen kann. Die Idee, dort Ferienwohnungen einzurichten, stößt in Greetsiel auf Widerstand. Foto: Wagenaar
Bis November vergangenen Jahres wohnten hier noch Senioren. Jetzt überlegt der Besitzer des Gebäudes, wie es weitergehen kann. Die Idee, dort Ferienwohnungen einzurichten, stößt in Greetsiel auf Widerstand. Foto: Wagenaar
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In einem ehemaligen Alten- und Pflegeheim in Greetsiel sollen laut eines Plakats Ferienwohnungen entstehen. Das sorgt für Unmut im Dorf. Nun hat sich der Investor geäußert.

Greetsiel - Eigentlich sollte es nur ein Treffen der Vereinsvorsitzenden und des Vorstands der Greetsieler Dorfgemeinschaft sein. Doch das Wort machte die Runde und mehr Menschen als erwartet kamen am Dienstagabend ins Gemeindehaus in Greetsiel. Sie alle einte: Sie wollen etwas tun dagegen, dass das Seniorenhuus zu einer Anlage mit Ferienwohnungen umgewandelt wird.

Was und warum

Darum geht es: Der Besitzer des Seniorenhuus in Greetsiel will das Gespräch suchen.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für die Weiterentwicklung des Ortes Greetsiel interessieren.

Deshalb berichten wir: Aufgrund der aktuellen Diskussion in Greetsiel haben wir mit dem Investor gesprochen.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Wahrscheinlich wird es Protest, eine Kundgebung, Mahnwache oder Ähnliches geben. Darauf verständigte man sich gleich vor Ort. Wann, das wird jetzt geklärt. Diskussion und Beteiligung zeigten: Es herrscht Unmut. Unmut darüber, wie sich Greetsiel entwickelt. Und auch Unmut darüber, dass den Menschen eine Möglichkeit genommen wird, auch im Alter noch in ihrem Ort zu bleiben.

Ein Plakat ist Grund für die Aufregung

Im März gab die Firma Sander Pflege aus Emsdetten bekannt, dass das Seniorenhuus seine Pforten nicht mehr für ältere Menschen öffnen wird. Zuvor war nur von einer umfangreichen Sanierung die Rede. Die früheren Bewohner wurden daher bereits im November vergangenen Jahres anderweitig untergebracht. Als Grund für die Planänderung wurden steigende Kosten genannt.

Seitdem befürchteten viele Greetsieler, was ein jüngst aufgehängtes Plakat nun ankündigt: Am äußerst attraktiven Standort in direkter Nähe zum Nationalparkhaus kündigt der Investor die Einrichtung von 32 Ferienwohnungen unterschiedlicher Größe an. Der Investor ist IKP-Bauinvest in Emsdetten. Geschäftsführer ist Gunnar Sander, der an gleicher Adresse noch eine weitere Firma betreibt: Sander Pflege – bisheriger Betreiber des Seniorenhuus‘. Wie er gegenüber dieser Zeitung jetzt betont, kann von einem konkreten Vorhaben aber nicht die Rede sein.

Investor ist „überrascht von den Reaktionen“

Als die Diskussion losging, war Sander im Urlaub. Am Mittwoch sprach er mit dieser Zeitung – und zeigte sich überrascht von den Reaktionen. „Damit hatten wir nicht gerechnet“, sagt er. Darüber hinaus wehrt er sich gegen die Unterstellung, dass der Bau von Ferienwohnungen von vorneherein geplant gewesen sei. „Wir haben lange nach Alternativen gesucht“, betont Sander.

Im Gespräch zeichnet er die Entwicklung aus seiner Sicht nach. Das fast 30 Jahre alte Gebäude sei „dringend“ sanierungsbedürftig gewesen, um den Betrieb eines Seniorenheims auf Dauer aufrechterhalten zu können. Eine Kernsanierung sei die einzige Möglichkeit gewesen. Nach dieser Entscheidung und dem Auszug der Bewohner habe sich allerdings gezeigt, dass das Vorhaben aufgrund von Kostensteigerungen nicht mehr durchführbar sei.

Planungen gehen über Grobentwurf noch nicht hinaus

Hätte man das Vorhaben dennoch durchgezogen, „wären wir der teuerste Anbieter im ganzen Kreis gewesen“, so Sander. Auch, da das Seniorenhuus schon zuvor nur knapp zur Hälfte besetzt war, habe man darauf verzichtet. „Wir haben dann versucht, einen anderen Träger zu gewinnen“, so Sander. Also das Seniorenhuus jemand anderem überlassen. Es habe sich aber kein Interessent gefunden, auch andere Möglichkeiten der Weiternutzung hätten sich nicht als umsetzbar herausgestellt. Da schon zuvor die Nachfrage nach Plätzen nicht überbordend gewesen sei und auch andere Träger kein Interesse an dem Objekt gezeigt hätten, müsse man sich auch fragen, was das über den Standort und vor allem die aktuelle Situation aussage, so Sander.

Daraufhin sei dann irgendwann die Idee entstanden, den Marktwert für Ferienwohnungen zu testen. Die Gemeinde wurde davon, das bestätigte auch Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos), in Kenntnis gesetzt. „Es gibt eine reine Entwurfszeichnung und das Plakat“, sagt Sander. Eine Bauvoranfrage gebe es auch, aber die sei schon älter. „Wir wollten mit dem Plakat einfach testen, ob da Interesse besteht, ob das eine Möglichkeit ist“, sagt er.

Angesichts der nun aufkommenden Diskussionen und der für die Emsdetter Firma unerwarteten Reaktionen will Sander das Gespräch suchen. „Wir müssen jetzt sehen, dass wir mit allen Beteiligten an einen Tisch kommen“, sagt er. Man sei weiterhin für andere Möglichkeiten offen. „Ich versperre mich nicht vor wirtschaftlichen Lösungen“, sagt Sander. Es sei auch das erste Mal, dass man überhaupt über den Bau von Ferienwohnungen nachdenke. Auch eine Veräußerung des Gebäudes sei weiterhin möglich. „Wir sind da offen“, betont Sander. Nur müsse man auch die eigenen wirtschaftlichen Verpflichtungen dabei im Auge haben.

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