Entwicklung von Greetsiel Breite Front gegen geplante Ferienwohnungen im Seniorenhuus
Gunnar Sander, Miteigentümer des ehemaligen Altenheims Seniorenhuus in Greetsiel, zeigt sich gesprächsbereit. Eine andere Möglichkeit als Ferienwohnungen anzubieten, sehe er aber aktuell nicht.
Greetsiel - Auf der einen Seite ein Unternehmer, der keine Verluste mit seinem Gebäude im Greetsieler Ortskern machen will, auf der anderen Seite viele Greetsieler, die ganz genaue Vorstellungen davon haben, was der Unternehmer nicht mit dem Gebäude machen sollte. Am Montagabend gab es im Fischerdorf eine Informationsveranstaltung zur geplanten Umnutzung des ehemaligen Seniorenhuus zu einer Anlage mit Ferienwohnungen.
Was und warum
Darum geht es: Der Besitzer des ehemaligen Seniorenhuus in Greetsiel würde das Gebäude auch an die Gemeinde verkaufen, wenn diese dort beispielsweise selbst ein Altenheim betreiben wollen würde.
Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für die Entwicklung Greetsiels und die Möglichkeiten der Altenpflege in der Krummhörn interessieren.
Deshalb berichten wir: Am Montagabend gab es eine Informationsveranstaltung zum Thema Seniorenhuus. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
Gunnar Sander, einer der Eigentümer des ehemaligen Pflegeheims, war klar, dass er an diesem Abend auf dem heißen Stuhl sitzt. „Ich werde wahrscheinlich keine Freude verbreiten“, sagte der Unternehmer aus Emsdetten.
Sander: „Ein wirtschaftlicher Betrieb ist nicht möglich“
Sander machte, wie auch schon zuvor im Gespräch mit dieser Zeitung, deutlich, dass er bislang keine Möglichkeit sehe, das Seniorenhuus weiter zu betreiben. Gleichzeitig machte er deutlich, dass noch im vergangenen Jahr tatsächlich eine Sanierung geplant gewesen sei. Eine Aussage, die ihm viele der anwesenden Greetsieler und Krummhörner nicht glaubten. Schon länger hält sich die Ansicht, dass die Umwandlung des Seniorenheims in Ferienwohnungen von Anfang an geplant gewesen sei.
Annahmen, die Sander immer wieder verneint. Es sei vielmehr so gewesen, dass sich aufgrund des schlechten vor allem technischen Zustandes des Gebäudes und den Preissteigerungen im Baubereich eine Sanierung nicht lohnen würde. Zu groß die Kosten – und zu gering war die Auslastung des Seniorenhuus. Gerade einmal zur Hälfte sei das Haus zuletzt besetzt gewesen. Mangelnde Nachfrage und hohe Investitionskosten: „Ein wirtschaftlicher Betrieb ist da nicht möglich“, so Sander. Die Quadratmeterpreise würden sich angesichts der aktuellen Kosten zwischen 15 und 17 Euro bewegen – kalt wohlgemerkt. Die notwendigen Investitionskosten hätten sich zwischen Beginn und Absage der Planungen nahezu verdoppelt.
Heinenberg: „Wir müssen reglementieren“
„Mir ist irgendwann nichts anderes mehr eingefallen, als Ferienwohnungen zu bauen und die dann zu verkaufen“, beschrieb Sander dann den aktuellen Plan. Das Banner, mit dem Ferienwohnungen angeboten werden, sei vor allem der Versuch gewesen, das Interesse zu überprüfen. Rund 20 Interessenten hätten sich schon gemeldet, um sich über den möglichen Kauf einer der Ferienwohnungen zu informieren. Über einen Erstentwurf eines Architekten hinaus sei das Vorhaben aber noch nicht weiter geplant. Sander sei weiterhin für Alternativen offen.
Ferienwohnungen sind genau das, was viele Greetsieler, aber auch die Touristik nicht wollen. „Wir müssen reglementieren, wir wollen keinen Wildwuchs an Ferienwohnungen“, sagte der Krummhörner Touristiker Heinrich Heinenberg. Ferienwohnungen gebe es genug, es müssten andere Lücken geschlossen werden. Bed and Breakfast oder Hostels nannte Heinenberg als Beispiel.
Jacobsen: „Wir werden alles tun, um diese Sache zu verhindern“
Sander zeigte sich grundsätzlich offen für Alternativen. Er habe nicht damit gerechnet, dass es bei Ferienwohnungen so viel Gegenwind gibt. Er würde auch verkaufen, beispielsweise an die Gemeinde, wenn er zumindest den Kaufpreis des Gebäudes im einstelligen Millionenbereich wieder reinbekommen würde. Schnell kam am Abend auch der Wunsch auf, dass die Gemeinde als Betreiber des Altenheimes einspringt.
Alfred Jacobsen, Fraktionsvorsitzender der SPD im Gemeinderat, Heinz Richter als Vertreter der Krummhörner Senioren und Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) sprachen sich allesamt für einen Verbleib einer Altenpflegeeinrichtung in Greetsiel aus. Jacobsen ging so weit, dass man alle legalen Mittel zur Verhinderung der Ferienwohnungen ausschöpfen wolle. „Wir werden alles tun, um diese Sache zu verhindern“, so Jacobsen.
Looden: „Das ist nicht unsere Kernkompetenz“
Looden tat sich vor allem mit der Idee, dass die Gemeinde als Betreiberin einspringt, schwer. „Das ist nicht unsere Kernkompetenz“, betonte sie. Sander, der bei der vermeintlich einfachen Lösung des gemeindeeigenen Altenheimes öfters schmunzeln musste, betonte: „Unterschätzen Sie nicht, was es bedeutet, so eine Einrichtung zu führen.“ Gänzlich ausschließen konnte Looden ein gemeindeeigenes Altenheim aber nicht. Dies sei schlussendlich auch eine Entscheidung der Politik.
Nun sollen weitere Gespräche geführt werden. Doch die Zeit drängt. „Wir können das Haus nicht dauerhaft leerstehen lassen. Sonst gehen wir in die Insolvenz“, so Sander. Man sei zwar offen für andere Lösungen, „aber wir können jetzt nicht zwei bis drei Jahre diskutieren“, so Sander. „Selbst ein Jahr können wir nicht darstellen.“ In ein paar Monaten müsste eine planbare Lösung her.
Die Greetsieler, die sich jüngst trafen, um einen Protest gegen die Planungen zu organisieren, wollen sich diese Woche erneut treffen. Man schließe eine Mahnwache oder anderen Protest weiterhin nicht aus, so Alfred Jacobsen. „An der Situation hat sich ja nichts geändert.“