Angenommener Waldbrand in Hesel 160 Einsatzkräfte üben den Ernstfall am Boden und in der Luft
Am Wochenende tobte ein „Waldbrand“ in Hesel – zumindest war das die angenommene Lage bei einer großangelegten Übung der Kreisbereitschaften der Feuerwehr. Die Polizei unterstützte aus der Luft.
Hesel/Wittmund/Emden - Der Hubschrauber der Polizei schwebt über einem Feld in der Nähe des Heseler Waldes. Auf den Kufen des Hubschraubers steht ein Polizist, schaut nach unten, beobachtet genau, was unter ihm geschieht. Denn ein paar Meter unter dem Helikopter kauern am Boden mehrere Feuerwehrleute. Sie befüllen einen großen „Wassersack“, der unter dem Hubschrauber hängt. Kaum ist der Sack befüllt, startet der Hubschrauber wieder durch und fliegt in Richtung Heseler Wald.
Entlang der Flugroute unter ihm immer wieder Feuerwehrleute und Einsatzfahrzeuge. Der Polizist steht weiter auf den Kufen, er muss die kostbare Fracht im Auge behalten. Über einem Teil des Heseler Waldes lässt die Hubschrauberbesatzung ihre Fracht ab. Hunderte Liter Wasser regnen herunter.
Einsatzübung der Kreisbereitschaften
Im Ernstfall würde das herabregnende Wasser dabei helfen, einen Waldbrand einzudämmen. Doch was am Wochenende in Hesel passierte, war zum Glück kein Ernstfall, sondern eine Übung. Allerdings eine besondere, denn: Die Kreisfeuerwehrbereitschaft Wittmund, die entsprechende Bereitschaft der kreisfreien Stadt Emden und die Polizei haben erstmals in dieser Zusammensetzung miteinander geübt. Zwei Tage ging die Übung, von Samstagfrüh bis Sonntagmittag.
Die sogenannten Kreisbereitschaften bestehen aus verschiedenen Fahrzeugen der freiwilligen Feuerwehren im jeweiligen Landkreis. Sie werden bei Großschadenslagen in anderen Landkreisen alarmiert, um die dortigen Feuerwehren zu unterstützen. Dass die Kreisbereitschaften aus Emden und Wittmund im Landkreis Leer im Einsatz sind, könnte also tatsächlich passieren. „Die Einsatzbereitschaft im abordnenden Landkreis bleibt dabei aber immer bestehen.“
40 Fahrzeuge und 160 Einsatzkräfte
Das betonte am Samstag vor Ort Oliver Hemken, Pressesprecher der Wittmunder Kreisbereitschaft. So konnten die tatsächlich parallel stattfinden Einsätze in Emden und Wittmund ohne Probleme bewältigt werden, obwohl insgesamt rund 160 Einsatzkräfte in Hesel bei der Übung waren.
Die 40 Feuerwehr-Fahrzeuge, die zum Teil hin und her pendelten, sorgten bei vielen Menschen für fragende Gesichter. Die Übung war so angelegt, dass sie möglichst nah an einen echten Einsatz heranreichte. Das bedeutete auch den Einsatz von Blaulicht und Martinshorn, wenn benötigt. Das bedeutete aber auch eine riesengroße Logistik und anstrengende Arbeiten für die Einsatzkräfte.
Standardisierte Abläufe helfen im Ernstfall
So wurden nicht nur verschiedene Lösch- und Einsatztaktiken erprobt, auch musste tatsächlich Wasser auf die Schläuche. Eine Herausforderung bei einem großen Gebiet wie dem Heseler Wald. Was das in der Praxis bedeutete, konnte man zum Beispiel an der Oldenburger Straße beobachten. Während die Einsatzkräfte im Wald ihr Wasser zum Teil aus dem Silbersee bekamen, waren am Waldrand auf der Straße mehrere Fahrzeuge verteilt. Deren Wassertanks mussten im Pendelverkehr von anderen Tanklöschfahrzeugen befüllt werden. Nur bei der Einsatzkleidung gab es eine Besonderheit: Aufgrund der hohen Temperaturen musste, anders als beim richtigen Einsatz, nicht die komplette Schutzausrüstung getragen werden.
Der Umstand, dass dies so reibungslos klappte, obwohl auch Ausfälle der Technik simuliert wurden: standardisierte Einsatzregeln. Jede Feuerwehr weiß, was sie zu tun hat. So ist es auch kein Problem, wenn man plötzlich mit anderen Wehren zusammenarbeiten muss. Gerade bei großen Einsätzen, bei denen auch ortsfremde Feuerwehren im Einsatz sind, sind diese standardisierten Vorgehensweisen von immenser Bedeutung. Zur Übung gehörte auch, dass über Nacht gearbeitet wird. Neben der notwendigen Infrastruktur für die Löscharbeiten mussten also auch Zelte zur Übernachtung aufgebaut werden. Und auch die Verpflegung musste sichergestellt werden.
2022 mehr als 2000 Waldbrände in Deutschland
Geübt werden muss natürlich dennoch. Gerade auch die Einbeziehung der Polizei, die im Ernstfall ihre Hubschrauber zu improvisierten Löschhubschraubern machen kann, war dabei für alle Seiten neu. Auch die zuständige Revierförsterei sah sich die Übung an und ist an den Erfahrungen der Einsatzkräfte interessiert. Denn auch die Beschaffenheit der Wege oder die Genauigkeit des vorhandenen Kartenmaterials bestimmt über einen erfolgreichen Einsatz mit.
Immer häufiger auftretende Trockenphasen und zunehmende Hitze im Sommer machen Waldbrände immer wahrscheinlicher. Denn eine achtlos weggeworfene Zigarette oder andere Zündquellen können dann verheerende Wirkungen haben. „Insgesamt verzeichnet die Waldbrand-Statistik für das Jahr 2022 2.397 Waldbrände (Vorjahr: 548 Brände), betroffen war eine Fläche von mehr als 3.000 Hektar. Die verbrannte Fläche entspricht damit in etwa der ostfriesischen Insel Borkum“, berichtete der NDR Anfang September mit Blick auf das gesamte Bundesgebiet. In Niedersachsen wurden im vergangenen Jahr rund 50 Hektar Wald Opfer von Bränden.