Radfahren im Kreis Leer Pendler mögen frische Luft und ärgern sich über Ampeln
Mit dem Fahrrad zur Arbeit, das ist im Landkreis Leer für viele Alltag. Was erlebt man so unterwegs? Wir haben drei Radpendler gefragt.
Leer - Täglich mit dem Fahrrad zur Arbeitsstätte und zurück, das ist gut für die eigene Gesundheit und die Umwelt. Der Landkreis Leer arbeitet an der Verbesserung des Radwegenetzes, aber bis zur Umsetzung wird es noch dauern. Wie sieht der Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad heute aus? Wir haben mit denen gesprochen, die es praktizieren.
Was und warum
Darum geht es: Welche Erfahrungen machen eigentlich Pendler mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit?
Vor allem interessant für: Menschen, die gerne Fahrrad fahren
Deshalb berichten wir: Die Aktion Stadtradeln läuft, und der Kreistag beschließt in Kürze das neue Radverkehrskonzept für den Landkreis Leer. Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de
Kurzstrecke durch Warsingsfehn
Der Arbeitsweg ist für Timo Pistoor, Sozialdezernent bei der Gemeinde Moormerland, nur zwei Kilometer lang. Ideal, um das mit dem Fahrrad zurückzulegen. „Weil ich mittags nach Hause fahre, lege ich die Strecke meistens viermal am Tag zurück“, sagt Pistoor. Als er die Stelle bei der Gemeinde angetreten hat, wurde der Zweitwagen der Familie verkauft, das Hauptauto nutze jetzt seine Frau, sagt er.
Obwohl der Weg so kurz ist, habe er immer Regenzeug dabei und trägt „immer wasserfeste Schuhe“, sagt Pistoor. Seit einiger Zeit gehört ein Helm immer zu seiner Kleidung. „Auslöser war ein tödlicher Unfall im Kreisverkehr direkt vorm Rathaus“, sagt Pistoor. Denn ganz ungefährlich sei sein Arbeitsweg nicht: „Man wird an Kreuzungen von Autofahrern häufig übersehen.“ Was ihn ebenfalls ärgert: Dass Kraftfahrer den Sicherheitsabstand nicht einhalten.
In Moormerland sind die meisten Gehwege für Radfahrer freigegeben. Was das bedeutet, sei offenbar vielen nicht klar: „Man muss eigentlich auf der Straße fahren“, sagt Pistoor. Auf dem Gehweg gelte für Radfahrer Schrittgeschwindigkeit. Wo es die Verkehrslage zulässt, fährt Pistoor auf der Straße. „Aber ich werde häufig angehupt“, erzählt er, „dabei erschrickt man sich zu Tode“.
Trotzdem nutze er fast immer die Straßen, bis auf eine Ausnahme: die Königsstraße. „Die ist einfach zu stark befahren.“ Er wünscht sich deshalb, dass an der Straße eine Benutzungspflicht für den Geh- und Radweg kommt, damit Radfahrer sicherer unterwegs wären.
Mit Fahrrad zum und im Dienst
„Nur Positives“ kann Harald de Buhr über das Pendeln mit dem Fahrrad sagen. Täglich lege er auf zwei Rädern die Strecke zwischen Rhauderfehn und Leer zurück, eine Strecke etwa elf Kilometer. „Ich habe eine schöne Route durch den Hammrich gefunden“, sagt der Kontaktbereichsbeamte der Polizeiinspektion Leer/Emden. Diesen Weg lege er entspannt zurück und erfreue sich dabei an der Natur.
Er tritt selbst in die Pedale, ohne zusätzlichen Antrieb. Im Dienst ist das anders: Da habe ihm sein Dienstherr ein Pedelec verordnet, sagt de Buhr: „Aber privat möchte ich dabei bleiben, mit eigener Kraft zu fahren, so lange es geht.“ Der Grund dafür ist nicht nur Freude an der Bewegung, sondern auch ein Umweltaspekt: „Mit einem Pedelec braucht man wieder zusätzlich Energie, obwohl es auch ohne Antrieb geht.“ Das Dienstpedelec gefalle ihm zwar, habe diese Meinung aber nicht ändern können.
Ein Helm dagegen sei für ihn selbstverständlich, obwohl der Polizist sich grundsätzlich sicher fühlt. Sein Tipp ist, nicht den kürzesten Weg durch stark befahrene Straßen zu nehmen, sondern eine Nebenstrecke zu wählen, selbst wenn das einen kleinen Umweg bedeute. Viel Zeit verliere man nicht. In der Stadt sei man meistens schneller als der Autoverkehr. Kritik hat de Buhr kaum, nur manche Ampelschaltungen nerven ihn: „Da haben immer noch die Kraftfahrzeuge Vorrang.“
Sein Eindruck ist, dass mehr Arbeitnehmer auf das Fahrrad umsteigen. Zumindest auf seinem Weg begegne er anderen Pendlern. „Man kennt sich und grüßt sich morgens“, sagt de Buhr. Aber während früher fast alle in Richtung Leer gefahren seien, kämen ihm inzwischen auch Radfahrer entgegen, die dann wohl auf dem Fehn arbeiten. Er selbst sei schon als Schüler immer mit dem Rad gefahren statt mit dem Bus. Aber zum Berufspendler sei er an seiner ersten Arbeitsstelle ausgerechnet in der Hauptstadt gekommen: „In der Autostadt Berlin habe ich das Fahrradfahren wiederentdeckt“, sagt de Buhr.
Im Hammrich von Utopien träumen
Von zu Hause bis zur Ledabrücke fährt Andreas Meinders nur durch den Hammrich. Sein Weg von Schatteburg bis zu seinem Arbeitsplatz in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Orgadata ist pro Strecke etwa elf Kilometer lang. Die fährt er inzwischen mit einem E-Bike, weil sein Arbeitgeber ein Leasing anbietet. „Es ist doch eine schöne Sache“, sagt Meinders, der vorher ohne Zusatzantrieb in die Pedale getreten ist.
Während die Fahrt durch den Hammrich problemlos verläuft, kommt Meinders auf der Ledabrücke in den dichteren Stadtverkehr. „Viele halten den Sicherheitsabstand nicht ein“, ärgert er sich. Außerdem sei die Ampelschaltung an der Kreuzung Papenburger Straße/Südring eine Katastrophe. Da könnte für Fahrradfahrer viel verbessert werden, findet Meinders. Als Kreistagsmitglied (Fraktion Moin) habe er den Vorschlag unterbreitet, beim Neubau der Ledabrücke die alte Brücke für Radfahrer und Fußgänger stehen zu lassen.
Aber das wurde abgelehnt. „Mit der neuen Brücke sollen aber wohl die Radwege besser werden“, hofft Meinders. Streng genommen müssen Radfahrer auf der Ledabrücke auf der Fahrbahn fahren, denn die Seitenstreifen sind nur Gehweg. „Wenn man sich daran hält, kann man was erleben“, berichtet er. Hupen, Schneiden, aus geöffnetem Fenster anschreien – solche Reaktionen habe er dabei erlebt. Deshalb fahre er nun wieder auf dem Gehweg.
Für Meinders gibt es noch vieles, was den Weg zur Arbeit auf dem Rad angenehmer machen könnte. „Ich habe immer Regenzeug dabei, aber wenn es schüttet, kommt man da so schnell gar nicht rein“, sagt er. Es gebe unterwegs nur wenige Gelegenheiten, sich unterzustellen. „Wie wäre es mit einem überdachten Radweg, in den oben Photovoltaik eingebaut wird?“, fragt er sich, fügt aber hinzu: „Das bleibt bei uns wohl Utopie.“ Dabei könnte der erzeugte Strom gleich zum Laden für E-Bikes genommen werden. Die Niederlande seien ein Stück weiter, „warten wir ab, was bei uns noch kommt“.