Prozess nach Kneipenschlägerei Auricher Messerstecher erneut vor Gericht
Ein Mann verletzte im Juni 2022 einen 34-Jährigen schwer mit einem Messer. Bereits Monate vorher soll er in eine Kneipenschlägerei verwickelt gewesen sein. Damals packte er jedoch kein Messer aus.
Aurich - Weil ein 44-jähriger Mann aus Eritrea im Juni vorigen Jahres einen 34 Jahre alten Landsmann in einer Sports-Bar an der Auricher Ostertorkreuzung mit einem Messer niedergestochen und schwer verletzt haben soll, muss er sich in einem Schwurgerichtsprozess vor dem Auricher Landgericht verantworten. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob diese Tat juristisch als schwere oder gefährliche Körperverletzung oder auch als versuchter Mord einzuordnen und zu bestrafen sein könnte.
Nun war der Mann, der unter in seiner Heimat erlittenen Kriegstraumata leiden soll, bereits zuvor in derselben Kneipe auffällig geworden: Am 29. Januar vergangenen Jahres soll er gegen 3.50 Uhr einem 30-jährigen Auricher in einer Sports-Bar von hinten eine zerbrochene Flasche ins Gesicht gerammt haben. Und um diese Tat ging es am dritten Verhandlungstag im Strafprozess gegen den Eritreer. Drei Zeugen waren dafür geladen. Denn: Anders als bei der Messerattacke, existiert von diesem Vorfall keine Videoaufnahme, sagte der Vorsitzende Richter Björn Raap.
Streit um einen Glücksspielautomaten
An der Entstehung des Konflikts in dieser Nacht in der Sports-Bar war der 44-jährige übereinstimmenden Zeugenaussagen zufolge unbeteiligt. Grundsätzlich seien Gruppen verschiedener Nationalitäten – unter anderem aus Eritrea, Syrien, Afghanistan und Kurdistan – in der Kneipe aufeinandergetroffen, hieß es. Und Auslöser der im Fokus stehenden Schlägerei war offenbar ein Streit über einen Glücksspielautomaten. „Ich wollte an dem Automaten spielen“, sagte der Bruder des Opfers vor Gericht. Er sei von einer schwarzen Person jedoch davon abgehalten worden. Der „Tumult“ ging dann los, als der 27-jährige Kurde sich schließlich doch vor den Automaten setzte. „Lächerlich“, wie er auch vor Gericht befand.
Danach wurde es anscheinend laut in der Sportsbar. So laut, dass ein Zeuge den Lärm von draußen bemerkte und reinkam, „um zu schlichten“, wie ein 29-jährige Syrer sagte. Auch ein afghanischer Zeuge gab an: „Ich habe versucht die Leute auseinanderzuhalten.“
„Es ist ja keiner gestorben“
Der Streit sollte laut Zeugenaussagen nach draußen verlagert und dort beruhigt werden. Die Situation eskalierte aber noch bevor die Streithähne die Tür erreichten. Es kam zum Gerangel. Der Syrer schlug einen Kaffeebecher auf den Kopf eines Anderen. Er erhielt dafür bereits in einem gesonderten Verfahren eine Bewährungsstrafe. Wer ansonsten wen bedroht oder umzingelt hat in dem Tumult, blieb vor Gericht undurchsichtig. Die Schlichtversuche seien wahrscheinlich untereinander falsch verstanden worden, resümierte Raap, warum die Situation weiter eskaliert sei. – Hier spielte dann auch der angeklagte Eritreer eine Rolle und mischte mit. Er soll einen Kurden mit einer zerschlagenen Flasche im Gesicht verletzt haben. Der 44-Jährige betonte immer wieder: „Erst ist eine Flasche in meine Richtung geflogen. Danach bin ich umzingelt worden und musste mich verteidigen.“ Ob und wie der Angeklagte die Flasche zerschlug oder wie er sein Opfer angriff, hatte indes keiner der Zeugen gesehen – auch nicht der Bruder des Geschädigten. Dieser habe die aufgerissene Wange seines Bruders gesehen und dann die Flasche in der Nähe des Angeklagten. Er sagte: „Wenn einer von uns angegriffen wird, dann halten wir Kurden alle zusammen.“ Der 27-Jährige ergänzte, dass er das Ganze auch hätte abhaken wollen, „denn es ist ja keiner gestorben“.
Der Prozess wird am 25. September um 9 Uhr fortgesetzt, kündigte Richter Björn Raap an. Dann solle auch das Urteil fallen.