Emden plant groß im Kulturviertel  Nordseehalle soll für 13,5 Millionen Euro umgebaut werden

| | 18.09.2023 18:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Könnte bald zu einem multifunktionalen Zentrum umgebaut werden, in dem Kulturveranstaltungen und Breiten- und Schulsport stattfinden: die Nordseehalle. Foto: Ortgies
Könnte bald zu einem multifunktionalen Zentrum umgebaut werden, in dem Kulturveranstaltungen und Breiten- und Schulsport stattfinden: die Nordseehalle. Foto: Ortgies
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Die Emder Nordseehalle soll völlig neu konzipiert werden. Dort soll es künftig Schulsport und Kultur geben. Voraussetzung: Der Bund schießt jede Menge Geld zu.

Emden - Die Stadt Emden will viele Fliegen mit einer Klappe schlagen und die Nordseehalle zu einem „multifunktionalen Treffpunkt“ umbauen. Durch eine Neustrukturierung soll die Halle zu einem „modernen Zentrum für Sport-, Kultur- und Freizeitveranstaltungen“ werden, in dem künftig diverse Sportarten und -formate sowie kulturelle Veranstaltungen unter einem Dach laufen können, vor allem aber auch der Schulsport einziehen kann. Die Nordseehalle würde damit zu einer in der gesamten Region „bislang einmaligen, sozialen und öffentlichen Einrichtung“, heißt es. Das Projektvolumen beläuft sich auf 13,5 Millionen Euro, von denen sechs Millionen Euro aus einem neuen Bundesprogramm finanziert werden könnten.

Anlass für das große Umbauvorhaben seien zum einen zu geringe Hallen-Kapazitäten für den Schul- und Breitensport im gesamten Stadtgebiet. Zum anderen würden jetzt bekannt gewordene Schäden im Dachbereich zu einer umfangreichen Sanierung zwingen, wie Stadtbaurätin Irina Krantz in einem Pressegespräch anlässlich der umfangreichen Pläne erläuterte. Insbesondere die Leimbinder der 51 Jahre alten Halle müssten bald „statisch ertüchtigt“ werden. „Wir laufen sonst auf eine Situation zu, in der wir die Nordseehalle vom Netz nehmen müssen.“

Stadt hat die Bewerbung fix eingereicht

Und da kommt das Programm des Bundes offenbar gerade zur rechten Zeit, in dem die Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur gefördert werden können. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf „Energetische Sanierung“ und „Sozialer Zusammenhalt“. Vor zwei Monaten wurde das Programm aufgelegt, schon am vergangenen Freitag endete die Bewerbungsfrist für das so genannte Interessenbekundungsverfahren.

Die Stadt Emden hat mit einer ersten Projektskizze diesen Termin gehalten, die Zustimmung des Rates vorausgesetzt. Denn der Verwaltungsausschuss wird erst am 4. Oktober, der Rat am 5. Oktober über das Vorhaben entscheiden. Sollte die Zusage des Bundes kommen, wird die Stadt Emden mindestens 7,5 Millionen Euro selbst beisteuern müssen. 45 Prozent der Gesamtsumme sind förderfähig. „Das Programm gibt uns die Chance, den Standort zukunftsfähig zu machen“, sagte Krantz.

Geld und Platz für Neubau fehlen

In Zeiten leerer Haushaltskassen ist das Millionen-Volumen nicht unerheblich, wie die Stadtbaurätin einräumte. „Ich weiß, dass wir einen großen Schluck aus der Pulle nehmen, aber ein Sporthallen-Neubau auf der grünen Wiese wäre erheblich teurer, die Flächen im Kulturviertel sind schon ausgequetscht, und es gibt zurzeit kein Neubauförderprogramm.“

Die Stadtbaurätin wirbt vehement für das Projekt. Seit längerem sei man am Standort Kulturzentrum dran, um es weiterzuentwickeln, auch ausgehend vom Defizit im Sportbereich. In einem ersten Aufschlag sei die Erweiterung der Halle am Johannes-Althusius-Gymnasium untersucht worden. Das Defizit sei aber noch größer. Morgens seien die Hallen von Grundschülern besetzt, nachmittags für ältere Schüler, für den Breitensport bleibe kaum etwas übrig. Durch den Umbau der Nordseehalle würde gleich eine Dreifachsporthalle geschaffen.

Mehr Bewegungsanreize in der Stadt schaffen

Zudem habe sich der Stellenwert für den Sportunterricht zuletzt durch die Corona-Pandemie erhöht. Man wolle generell mehr Angebote in der Stadt für Bewegung schaffen, so Krantz. Bei der Planung sei deshalb nicht nur der Fachbereich Jugend, Schule und Sport einbezogen gewesen, sondern auch der Fachdienst Gemeinwesen. Man habe ein gemeinsames, integratives Konzept entwickelt.

So würden auch neue Möglichkeiten im Sport geschaffen, es gebe Seminarräume für Trainer- und Schiedsrichterlehrgänge neben der Hallenkapazität. Trendsportarten wie Bouldern (Klettern) oder Trampolinspringen könnten einziehen und für mehr Anziehungskraft sorgen. Außerdem gebe es ausreichend Raum für Kulturevents aller Art, wie gewohnt für Messen, Kongresse, Veranstaltungen. „Wir könnten die Halle auch für neue Wettbewerbe für alle nutzen, für noch mehr Ideen als die Eiszeit“, sagte Krantz.

Auch Randsportarten brauchen Platz

Für Jörg Christians, Leiter des Fachdienstes Jugend, Schule und Sport, sind ohnehin „das Wichtigste die Kapazitäten für Breiten- und Schulsport.“ Er verwies nochmals auf den Sportentwicklungsplan von 2022, der die Defizite auflistet.

Auf eine Ausweitung der Hallen-Kapazitäten für die Vereine freut sich auch Stadtsportvorsitzender Peter Bartsch. Er erläuterte im Pressegespräch, dass selbst Vereine wie die Miami-Tigers Raum für Football bräuchten, auch die Boxer bräuchten bald ein neues Domizil, wenn die Emsschulen-Sporthalle abgerissen werde. Er wünscht sich allerdings „noch eine Spitzenmannschaft im Ballsport, die dann 14-tägig die neue Halle füllt.“

Vom Antrag bis zur Fertigstellung 2028

Noch liegen die Pläne allerdings nur in der Projektskizzierung vor. Die Prüfung soll laut Krantz bis Ende des Jahres abgeschlossen sein, mit dem Bescheid werde Anfang 2024 gerechnet. Der detaillierte Förderantrag werde bei Zuschlag ausgearbeitet. Vor 2025 sei mit einer Bautätigkeit nicht zu rechnen. Und auch bis 2028 - dann muss das Projekt fertig und schlussabgerechnet sein - soll die Nordseehalle zumindest in Teilbereichen weiter nutzbar bleiben.

Und auch wenn die Skizze nur grob geplant ist, stehen einige bauplanerische Eckpunkte fest. Der vordere Seminarraum- und Umkleidebereich soll KfW 40-Standard erreichen, also energetisch gedämmt wie ein Passivhaus, die Halle selbst zumindest KfW-70 erreichen. Auf dem gesamten Dach ist Photovoltaik geplant, die Wärmeversorgung soll übers Wärmversorgungsnetz im Kulturviertel erfolgen. Dort sind auch das Johannes-Althusius-Gymnasium, das Max-Windmüller-Gymnasium und das Festspielhaus am Wall angeschlossen.

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