Borkum, Küste und Binnenland Das bietet der Kreis Leer den Touristen – und das zahlen sie dafür
Mit Küste, Binnenland und Borkum ist der Kreis Leer interessant für Touristen. Ein Experte erklärt: Wie viel Geld bringt das und was muss besser werden?
Landkreis Leer - Eine Radtour am Deich, die Ruhe der Weite mit den Schwarzbunten, ein Fischbrötchen an der Küste oder Robbenbeobachten auf der Insel: Die Einheimischen kennen die Schönheit ihrer Heimat. Aber der Kreis Leer ist ebenso beliebt bei den Touristen. Wie genau es um die Branche steht, hat Moritz Sporer im Ausschuss für Wirtschaft, Handwerk, Tourismus und Digitalisierung des Kreises erklärt.
Was und warum
Darum geht es: Millionen lassen die Touristen im Kreis Leer.
Vor allem interessant für: die, die hier gern Urlaub machen und Einheimische
Deshalb berichten wir: Die Zahlen wurden vorgestellt. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Sporer ist Geschäftsführer und leitet die ökonomischen Analysen beim DWIF. Das steht für Deutsches wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr. „Der Name ist schon älter und das hört man auch“, sagt Sporer. Frisch sind aber die Zahlen, die er rund um die Tourismusbranche im Kreis mitgebracht hat.
Wie ist die allgemeine Lage?
Tourismus war nie eine einfache Branche, so Sporer. „Aber die Pandemie, der Ukrainekrieg, die Lieferkettenprobleme, der Energiepreis, die Inflation – in diesem Rahmen ist es noch herausfordernder geworden“, sagt er. Nach den empfindlichen Einbrüchen bei den Übernachtungszahlen 2020/21 hat sich die Lage wieder stabilisiert, liegen aber unter Vor-Pandemie-Niveau: „Es ist aber nicht nur die Frage, wie viele Urlauber kommen her, sondern die Wertschöpfung. Die Frage, was hat die Region davon“, so Sporer. Die Formel sei Auslastung mal Preis.
Wie viele Touristen kommen denn?
„Das Thema Tagesgäste wird immer etwas stiefmütterlich behandelt, das halte ich für falsch“, so Storer. Gastronomie, Museum, Schwimmbad: All diese Eintrittspreise flössen eben auch in die Region, nicht nur die der Übernachtungen. 4,4 Millionen Tagesreisen verzeichnete das Institut für den Kreis. „Die Definition des Tagesreiseverkehrs ist, dass man sein Wohnumfeld verlässt, über die Gemeindegrenze hinaus, aber nicht übernachtet.“ Dabei würden die Trips herausgerechnet, die rein geschäftlich sind. Also Berufspendler oder Handwerker, die nach Borkum reisen, erklärt Storer. „Wir haben alle Tagesreisen ausgeschlossen, die mit einer Regelmäßigkeit verbunden sind“, sagt er. Ergebnis: 4,4 Millionen Tagesreisen wurden gemacht.
Was geben sie aus?
Aber es gehe nicht nur um diese Zahl. „Der Tourismus ist eine Branche, in der die Arbeitsplätze nicht nach Asien oder sonstwohin ausgelagert werden können. Das ist ein Jobmotor vor Ort“, meint Storer. 9770 Leute im Kreis Leer mit der Insel Borkum lebten nach seinen Zahlen vom Tourismus. Tendenz sinkend.
Was muss sich ändern?
Insgesamt hat es weniger Übernachtungen gegeben, während die Umsätze fast gleich blieben. Nicht nur im Kreis Leer, dies sei ein deutschlandweiter Effekt. „Geben die Gäste mehr aus, weil sie mehr bekommen oder wurde einfach alles teurer? Wahrscheinlich Zweiteres“, sagt Storer. Dabei sei das Preis-Leistungsverhältnis nach Studien fast jedem Urlauber am wichtigsten, sagt er.
Dass die Zahl derer, die vom Tourismus leben können, sinke, sei ebenso eine Herausforderung, wie der Wandel in der Branche. „In zehn Jahren wird der Tourismus nicht mehr aussehen wie heute“, so Storer. Es gebe viele Veränderungen, beispielsweise der Outdoor-Bereich, der in den Pandemiejahren unheimlich angewachsen sei, der Klimawandel und insbesondere der Fachkräftemangel seien ebenso riesige Themen. „Tourismus ist kein Selbstläufer“, mahnt Storer.
In der Ausschusssitzung waren sich alle einig: Viel mehr Touristen müssen es gar nicht sein. Beispiele wie Greetsiel wurden häufiger genannt. Orte, in denen die Einheimischen unter den Massen an Touristen leiden. Unter anderem wurde auch schon beim Fischerort Ditzum diskutiert, wie man den vielen Campern Herr werden könnte, die gerade während der Pandemie Gefallen am Urlaub im Rheiderland gefunden haben. Gleichzeitig wurde im Ausschuss aber auch anerkannt, dass beispielsweise die Infrastruktur vom Tourismus profitieren könne. Storer hebt hervor: „Es geht nicht um mehr Touristen, es geht eher darum, die Qualität des Angebots zu steigern, so dass die Gäste gern mehr Geld in der Region lassen“, sagt er.