Anwohner fordern Gegenmaßnahmen  Raser gefährden an vielen Orten der Region Kinder

|
Von Vera Vogt
| 27.09.2023 10:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Auf der Straße zu quatschen, kann gefährlich werden, wenn es Raser gibt. Foto: Pixabay
Auf der Straße zu quatschen, kann gefährlich werden, wenn es Raser gibt. Foto: Pixabay
Artikel teilen:

Es wird gerast, obwohl Schrittgeschwindigkeit angesagt ist: In Weener gibt es Ärger. Was lässt sich in verkehrsberuhigten Bereichen machen?

Weener - Raser gefährden die Kinder und das, obwohl Schrittgeschwindigkeit angesagt wäre: Mit dieser Nachricht haben sich Anwohner an die Stadt Weener gewandt. Hartmut Timmer hatte stellvertretend in einer Ausschusssitzung eine Unterschriftenliste bei Bürgermeister Heiko Abbas und Günter Geerdes abgegeben.

Was und warum

Darum geht es: In verkehrsberuhigten Zonen wird gerast, sagen Anwohner: Sie fordern Maßnahmen.

Vor allem interessant für: diejenigen, die genug haben von Rasern

Deshalb berichten wir: Es wurde eine Unterschriftenliste abgegeben. Außerdem wird in den sozialen Medien diskutiert.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Das sagen die Anwohner

„Wir hatten Siedlungsfest und die Anwohner des Meedenweg, der Dollartstraße und Weidenwegs sind alle der Meinung, dass sich etwas ändern muss“, so Timmer. Er berichtet von „Raserei“ in den Straßen, von „aufheulenden Motoren“ und „Überholmanövern“. „Die Straßen laden, so wie sie jetzt sind, geradezu dazu ein, zu schnell zu fahren“, meint er. Die Anwohner forderten deswegen die Stadt Weener auf, etwas zu unternehmen.

Kinder auf dem Rad leben in mancher Siedlung gefährlich. Foto: Pixabay
Kinder auf dem Rad leben in mancher Siedlung gefährlich. Foto: Pixabay
Wer sich an die Geschwindigkeit halte – der Meedenweg zum Beispiel ist seit 2020 eine verkehrsberuhigte Zone, hier gilt Schrittgeschwindigkeit – werde angehupt und bedrängt. „Auch mein Sohn wurde schon angehupt, als er auf der Straße mit seinem Kettcar fuhr“, erklärt Timmer. Die Blitzer, die aufgestellt würden, hätten keinen Effekt: „Die Leute wissen schon, wo sie stehen, fahren langsam an ihnen vorbei und gehen dann wieder aufs Gas“, so Timmer.

Auch in den sozialen Medien ist das Raser-Thema aktuell. Dort geht es unter anderem um die Meentelandstraße, ein Bulli des Bauhofes Weener sei dort durchgerast, obwohl Tempo 30 gelte. „Wann wird endlich Mal gehandelt? Kontrolliert? Wenn was passiert? Wenn meine Kinder die auf dem Fußweg zur Schule zu schaden kommen?“, schreibt die Verfasserin und wendet sich ebenfalls direkt an den Bürgermeister.

Das sagt der Bürgermeister

Dieser stand bereits in der Ausschusssitzung, in der die Unterschriften übergeben worden ist, Rede und Antwort und wiederholt das auch in den sozialen Medien. Er schreibt: „Um eines ganz klar zu sagen: Verantwortlich dafür, wie schnell jemand in seinem Auto fährt, ist derjenige, der hinter dem Steuer sitzt – nicht jemand, der im Stadtrat sitzt oder in der Verwaltung arbeitet.“ Das Problem mit Personen, die sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, gebe es in ganz vielen Straßen: „Pannebaker Straße, Kleidobben, Dollartstraße, Meedenweg (hierzu wurde vorige Woche sogar eine Unterschriften-Liste übergeben), Jelsgaste, Beschotenweg“, zählt Abbas auf. Die Liste ließe sich noch weiter fortführen.

Wenn Kinder auf der Straße spielen könnten, werden mancherorts solche Schilder aufgestellt. Foto: Pixabay
Wenn Kinder auf der Straße spielen könnten, werden mancherorts solche Schilder aufgestellt. Foto: Pixabay
Natürlich versuche die Stadt Weener, die schlimmsten Auswüchse im Verkehr in den Griff zu bekommen. „Darum haben wir zum Beispiel vor einiger Zeit die Pannebakerstraße zur Tempo-30-Strecke gemacht. Unsere Möglichkeiten sind aber insgesamt begrenzt – wir können die Straßen nicht umbauen, dazu fehlt uns das Geld. Wir haben selbst keine Blitzer, das machen Landkreis und Polizei.“

Sollte einer der Mitarbeiter mit einem Bauhof-Fahrzeug wirklich zu schnell durchgefahren sein, „werde ich die Kollegen darauf ebenfalls noch einmal hinweisen, damit wir mit gutem Beispiel vorangehen“, kündigt der Bürgermeister an. „Außerdem kann die Stadt Weener noch einmal an den Landkreis und die Polizei herantreten, damit dort in der nächsten Zeit wieder geblitzt wird.“ Über weitere Maßnahmen müssten man zunächst mit dem Landkreis Leer sprechen, dieser sei auch für die Stadt Weener die Verkehrsanordnungsbehörde. Welche Möglichkeiten, den Verkehr auf der Meentelandstraße einzuschränken oder zu behindern sinnvoll seien, könne man aber noch nicht sagen.

Das sagt die Polizei

Viele Beschwerden sind bei der Polizei von Weener in Sachen Meedenweg und die Siedlung drumherum nicht eingegangen, sagt Polizeisprecherin Svenia Temmen auf Nachfrage. „Im Herbst 2021 wurde die Graf-Edzard-Straße saniert und viele Verkehrsteilnehmer – auch Anwohner aus der Siedlung – nutzten den Straßenverlauf Dollartstraße/Meedenweg als Umleitungsstrecke.“ Nur in dieser Phase hätten sich vereinzelt Bürger an die Polizei Weener gewandt, ansonsten seien dort keine Hinweise eingegangen.

Das sagt der Kreis

Regelmäßig misst der Landkreis Leer im Meedenweg die Geschwindigkeit. Die Messungen zeigen: Jeder vierte Verkehrsteilnehmer überschreite die Schrittgeschwindigkeit in einem Maß, das die von unserer Verkehrsbehörde eingeräumten Toleranzen übersteigt, erklärt Maike Kuch, Sprecherin des Landkreises Leer. Noch mehr Autofahrer fahren schneller als Schritttempo, liegen aber noch innerhalb der Toleranz.

„Für uns ist daher eindeutig: Im Meedenweg werden wir mit unserer kommunalen Verkehrsüberwachung auch in Zukunft Geschwindigkeitsmessungen durchführen“, sagt Kuch. Das sei es aber auch, was der Landkreis als Möglichkeit beitragen könne. „Bauliche Veränderungen oder Ähnliches müssten seitens der Stadt angegangen werden.“

Das sind die Möglichkeiten

Anwohner Hartmut Timmer hatte die Idee, die Geschwindigkeitsbegrenzung auf dem Boden aufzubringen. „Das kostet nicht viel. Sonst mache ich das auch selber, wenn ich darf“, bot er in der Ausschusssitzung an. So einfach ist es nach Ansicht des Landkreises Leer allerdings nicht: Weil man die Km/h-Zahl nicht genau angeben könne. „Über die Höhe wird immer wieder vor Gericht gestritten. Denn eine Definition, was genau Schrittgeschwindigkeit ist, gibt es im rechtlichen Sinn nicht“, so Kuch.

Die Schrittgeschwindigkeit sei nicht in der Straßenverkehrsordnung festgelegt beziehungsweise es ist dazu kein Wert oder keine Höhe angegeben. Gerichte gingen meist von fünf bis 15 Kilometer in der Stunde aus. „Eine mögliche Erklärung, warum es unterschiedlich gehandhabt wird: Die Schrittgeschwindigkeit gilt ja auch für Radfahrer“, so Kuch. Und weil die beim Fahren im verkehrsberuhigten Bereich „nicht umkippen“ sollen, haben manche Gerichte dann wohl für Geschwindigkeiten bis zu 15 km/h entschieden, andere nicht.

In den 1980er Jahren, als das Schild für die verkehrsberuhigte Zone eingeführt wurde, habe man mit allerhand verschiedenen zusätzlichen Hinweisen gearbeitet, um für die Autos deutlich zu machen, was es bedeutet, sagt Kuch: „Es wurde viel ausprobiert, Schilder darunter gehängt oder eben eine Zahl auf den Boden gemalt“, sagt sie. Vereinzelt sind noch Zahlen auf den Straßen zu sehen, wie im Horstweg in Leer. Mittlerweile handhabe man das anders, weil klar sein sollte – allein durch die Fahrschule – dass man langsam fahren müsse.

Ähnliche Artikel