Projekt in Emder Innenstadt Gute Gespräche, aber noch kein Durchbruch beim Apollo
Wenn Denkmalschutz, hohe Baupreise und Zinsen im Weg stehen, werden Bauprojekte wie das „Teeater“ möglicherweise zu Luftschlössern. Stadt und Investoren halten dennoch an Plänen fürs Apollo fest.
Emden – Es tut sich etwas beim Apollo, obwohl optisch wenig davon erkennbar ist. Immerhin: das viele Unkraut um das Gebäude aus den 1930er Jahren ist inzwischen entfernt worden, die Anlage etwas ansehnlicher geworden. Allerdings kann von einem Durchbruch bei den Verhandlungen zwischen Investoren und Behörden für das „Teeater“, dem Prestige-Projekt in prominenter Innenstadt-Lage, trotzdem noch keine Rede sein kann. Der Zeitplan für eine Realisierung ist noch völlig offen, selbst wenn sich Stadt und Projektplaner verhalten optimistisch geben. Aufgeben will noch niemand.
Was und warum
Darum geht es: Die Nutzung des ehemaligen Apollo-Filmtheaters in Emden.
Vor allem interessant für: alle, die sich für die expressionistische Architektur, den Denkmalschutz und für Stadtentwicklung interessieren.
Deshalb berichten wir: Nach dem Bieterverfahren durch die Stadt Emden sollte das Apollo zu einem Multifunktionsgebäude umgebaut werden. Passiert ist seit zwei Jahren aber wenig. Die Autorin erreichen Sie unter: s.schuurman@zgo.de
Die Stadt als Eigentümerin will möglichst bald verkaufen, will den städtebaulichen Abschluss mit der Betreibergesellschaft nun zügig erreichen. So äußerte sich Stadtbaurätin Irina Krantz im jüngsten Ratsausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt sogar vergleichsweise sehr optimistisch: „Ich hoffe, dass wir jetzt zeitnah den Vertrag schließen können.“ Ihre Hoffnung bezieht sich auf das jüngste Gespräch aller Beteiligten. Vor gut zwei Wochen sei dieses „sehr positiv“ verlaufen.
Mehr Freiheiten und Möglichkeiten gefordert
Auch Udo Fuhrmann bestätigte diese Einschätzung. Er ist geschäftsführender Gesellschafter von pro.ces, des Entwicklungs-Konsortiums aus Emder Baufirmen, das 2021 den Bieter-Wettbewerb gewonnen hatte. Fuhrmann spricht gegenüber dieser Zeitung wie auch Irina Krantz von einem „konstruktiven Gespräch“. Gleichzeitig fordert er jetzt aber auch „mehr Freiheiten und Möglichkeiten“ bei der Umsetzung des Projekts ein. „Wir haben seit der Ausschreibung unfassbar viel Arbeit in das Projekt gesteckt. Solange wir aber keinen Konsens zwischen Wirtschaftlichkeit und Machbarkeit hinbekommen, gibt es auch keine zeitnahe Lösung.“
Ein großer Hemmschuh ist nach wie vor der Denkmalschutz. Das war schon vor ziemlich genau einem Jahr so, als der von pro.ces mit der Planung des „Teeaters“ beauftragte Architekt Arne Wollers eine erste aufwendige Anpassung des Ursprungs-Konzepts im Ratsausschuss vorgestellt hatte. Das Teeater-Projekt erscheint in der Bau-Visualisierung seither gradliniger. Aufgrund denkmalschutzrechtlicher Einwände mussten einige Abstriche beispielsweise bei den Studentenwohnungen im rückwärtigen Haupthaus gemacht werden. Seither habe es viele weitere Einwendungen gegeben, heißt es.
Denkmalschutz tut auch gut
Der städtische Fachbereichsleiter für Stadtplanung und Umwelt, Rainer Kinzel, sieht im Denkmalschutz dagegen „kein Hindernis, nur eine Herausforderung“, wie er vergangene Woche im Ausschuss betonte. „Gute Architekten können damit umgehen.“
Auch Architekt Arne Wollers hatte im September 2022 bei der Ratsvorstellung noch betont, dass der „Denkmalschutz einem Projekt auch guttun kann“. Doch inzwischen zieht sich das Projekt weiter in die Länge, das Architekturbüro awp ist sogar jetzt damit beauftragt, alles nochmals in Hinblick auf die Statik zu überprüfen, sagte Fuhrmann. Das Gebäude sei nach 15 Jahren Leerstand in einem „katastrophalem Zustand“. Vor allem im hinteren Bereich sei die Substanz „schwierig“.
Kompliziert wie Tetres-Spielen
Selbst wenn der Denkmalschutz jetzt also das Okay für alle geplanten Um- und Aufbauten gäbe, sei es fraglich, ob die letzten Planungen überhaupt noch umsetzbar sind. Sollten dabei noch weitere Abstriche nötig seien, als sie der Denkmalschutz ohnehin schon vorgibt, stelle sich die Frage der Wirtschaftlichkeit umso mehr.
Fest stehe zwar längst, dass mit dem Apollo „kein Reibach“ gemacht werden könne. Aber ein Minus dürfe das als „maßgebendes Leuchtturmprojekt“ angekündigte Gebäude mit einer Kombination aus Gastronomie (vorne) und Wohnungen (hinten) eben auch nicht werden. Fuhrmann: „Kein Mensch baut, wenn es sich nicht rechnet.“ Hohe Baupreise und die hohe Zinslage erschweren die Umsetzung außerdem massiv.
Zusammengefasst klingt die Situation beinahe aussichtslos. „Es ist ein bisschen wie Tetres-Spielen“, beschreibt hingegen Fuhrmann die Lage. Stimmen Bauplan und Denkmalschutz-Auflagen endlich überein, passt es vielleicht mit der Umsetzung aufgrund der Statik nicht. Wird das ins Lot gebracht, geht die Rechnung vielleicht nicht mehr auf. Irgendwann passt es dann aber doch? Fuhrmann hält deshalb weiter an dem Projekt fest: „Ich glaube daran, dass es klappt. Noch passen die Dinge aber nicht zusammen.“