Thema im Rat Nordseehalle Emden – Umbau oder Schließung?
Das Dach der Nordseehalle ist marode. Schulen brauchen mehr Sporthallen-Kapazitäten. Jetzt entscheidet der Rat, ob die Stadt viele Millionen in den Umbau einer Multifunktionshalle stecken soll.
Emden - Wenn an diesem Mittwoch die Mitglieder des Verwaltungsausschusses in Emden über die neuen Pläne zur Umgestaltung der Nordseehalle in einen „multifunktionalen Treffpunkt“ entscheiden, stimmen sie nicht nur über eine weitere potenzielle Millioneninvestition der Stadt Emden und einen Förderantrag ab, sondern voraussichtlich auch über den generellen Fortbestand der Halle. Sollten die Pläne für eine Neuausrichtung keine Mehrheit finden, droht mittelfristig die Schließung. Das Dach ist marode.
Und das wird ohnehin teuer. Davor hatte die Stadtbaurätin bei einem Pressetermin zur Vorstellung der „Multifunktionshalle“ bereits gewarnt. Irina Krantz erklärte zwar, dass noch keine unmittelbare Gefahr bestünde, doch eine Sanierung sei dringend. Der Leim in den rund einem Dutzend Bindern löse sich auf, die das Dach – das eigentlich so alt noch nicht ist – tragen. Gleichzeitig fehle es im Kulturviertel an Hallenkapazitäten für den Schulsport der Gymnasien, auch der Bedarf für Breitensportler könne in der Stadt nicht mehr ausreichend gedeckt werden, hatte Krantz erläutert.
Eiszeit und mehr publikumswirksame Großveranstaltungen
Die Lösung für alle Probleme wird in den zunächst einmal grob mit dem 6B-Bleistift skizzierten Plänen für eine Nordseehalle mit Mehrfachfunktion gesehen: Sie zeigen Platz für Veranstaltungen, Seminare und Sport. Auch Sonderveranstaltungen wie die Eiszeit soll es weiter geben; möglicherweise auch noch mehr angesagte Events wie Bouldern (Klettern). Von ähnlichen Besucherkapazitäten wie jetzt war bei dem Pressetermin die Rede.
Der Sport würde damit allerdings erstmals als regelmäßiges Angebot einziehen. Eine variable Dreifachsporthalle ist geplant, die tagsüber von den umliegenden Schulen für den Sportunterricht belegt werden könnte.
Das Festspielhaus als Alternative?
Und daran stoßen sich offenbar Teile des Emder Rates. So führte beispielsweise der Ratsvorsitzende und Vorsitzende des Ausschusses für Kultur- und Erwachsenenbildung, Gregor Strelow (SPD), zuletzt im Rechnungsprüfungsausschuss, seine Zweifel aus. Er fürchtet um den Fortbestand der Halle für attraktive Großveranstaltungen, fragte außerdem an, welche Kapazitäten das Festspielhaus für die Kultur dann erübrigen könne.
Aber würde die Multifunktionshalle der Kultur überhaupt im Wege stehen? Klar sei, so entgegnete Stadtkämmerer Horst Jahnke, dass man „A-Künstler sowieso nicht nach Emden“ bekäme. Er geht im Übrigen davon aus, dass das Festspielhaus angesichts der Baukosten „mehr als eine Veranstaltung am Wochenende“ vertrage. Klar sei auch, dass bei Sport, Schulsport und Trendsport ein erhebliches Defizit in der Stadt bestünde. Er sprang der Stadtbaurätin deshalb zur Seite und betonte, dass man über das gemeinsame Thema nachdenken müsse. „Und es sind Strukturen, die hervorragend auf den Campus passen.“
7,5 Millionen Euro müsste die Stadt bezahlen
Es wären Strukturen, die außerdem, anders als eine reine Gebäude-Sanierung oder ein Sporthallenneubau, noch bezuschusst werden können. Auf 13,5 Millionen Euro wird der Nordseehallen-Umbau aktuell beziffert. 45 Prozent der Gesamtsumme sind förderfähig. Die Stadt müsste noch 7,5 Millionen Euro selbst beisteuern.
Die Stadtbaurätin war auf einen der raren Fördertöpfe aufmerksam geworden, der offenbar genau den Bedürfnissen in Emden entspricht und mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt. „Energetische Sanierung“ und „Sozialer Zusammenhalt“ sind die Stichworte für das Programm des Bundes. Binnen zwei Monaten musste die Stadt ihr Interesse mit der Ideen-Skizze für die Multifunktionshalle untermauern. Dann schon endete die Frist. Die Bewerbung ist draußen.
Verkürztes Entscheidungsverfahren aus Zeitnot
Die Zeit war allerdings zu kurz, um die Idee in sämtlichen betroffenen Ratsausschüssen zu behandeln. Sowohl im Kulturausschuss als auch der für Jugend, Schule und Sport und der Stadtentwicklungsausschuss wäre dieses Großprojekt zu diskutieren gewesen. Es wäre auch Gelegenheit gewesen, Überzeugungsarbeit für das Vorhaben zu leisten. Jetzt müssen die Fraktionsvertreter nach internen Partei-Absprachen im nicht öffentlichen Verwaltungsausschuss am Mittwoch entscheiden. Der endgültige Beschluss wird einen Tag später im Rat gefasst.
Ob sich die Entscheidung an den inhaltlichen Planungen für die Nordseehalle orientieren, oder ob letztlich auch und vor allem die Haushaltslage der Stadt im Vordergrund steht, wird sich zeigen. Fest steht auf jeden Fall, dass Emden bereits jetzt einige Millionen-Projekte zu stemmen hat, deren Fertigstellung noch nicht absehbar ist. Dazu gehören Straßenbaugroßprojekte wie die Trogstrecke und der Verkehrsversuch in der Neutorstraße, besagtes Festspielhaus am Wall und nicht zuletzt das Freibad in Borssum.
Anders als bei Letzterem soll die Nutzung der Nordseehalle zumindest in Teilbereichen auch während der Umbauzeit gewährleistet werden. Und auch der Fertigstellungstermin steht dort schon fest: 2028 muss das Projekt schlussabgerechnet werden, um die volle Förderung zu bekommen.