Sieg gegen Atlas Delmenhorst  2200 Zuschauer sehen in Emden Kickers’ Derbysieg – und Bierbecherwürfe

| | 08.10.2023 20:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mann des Tages: Nach seinem Treffer zum 2:0 ist Tido Steffens auch von Mitspieler Fabian Herbst nicht zu halten. Foto: Doden/Emden
Mann des Tages: Nach seinem Treffer zum 2:0 ist Tido Steffens auch von Mitspieler Fabian Herbst nicht zu halten. Foto: Doden/Emden
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Vor der größten Kulisse seit zwölf Jahren siegte Kickers verdient mit 2:0. Doppeltorschütze Tido Steffens traf einmal spektakulär. Weniger schön waren nach der Partie Bierbecherwürfe auf Atlas-Spieler.

Emden - Pascal Steinwender hat mit dem VfB Oldenburg, SC Paderborn oder VfB Lübeck von der 4. bis zur 2. Liga schon öfters vor mehr als 2000 Zuschauern spielen dürfen. Doch die 2204 Fans beim Emder 2:0-Derbysieg am Sonntag gegen Atlas Delmenhorst ließen auch den 27-Jährigen staunen. „Ich war schon überrascht, als ich gerade die Zuschauerzahl gehört habe. 2200 Zuschauer: Das ist schon eine Hausnummer für die Oberliga.“

Dutzende Polizisten waren rund um die Partie vorsorglich im Einsatz. Foto: Doden/Emden
Dutzende Polizisten waren rund um die Partie vorsorglich im Einsatz. Foto: Doden/Emden

Dass die Partien zwischen Emden und Delmenhorst besonders sind, zeigte schon das Drumherum. Dutzende Bereitschaftspolizisten in „Kampfmontur“ und einige Zivilbeamte waren rund um die Partie im Einsatz. Sie mussten „nur“ einige Minuten vor der Partie ausrücken, weil beim abgetrennten Gäste-Eingang sich aktive Fans beider Lager ein verbales Scharmützel geliefert hatten. Ansonsten gab es während der Partie ein paar gegenseitige Schmähgesänge.

Bierduschen für Atlas-Spieler

Nach dem Spiel bewarfen einige Emder Fans aus dem Fanblock jedoch die in die Kabine laufenden Gästespieler mit Bierbechern. Laut Delmenhorsts Sportlichem Leiter sei dies auch schon in der Halbzeitpause mit teils gefüllten Bierbechern passiert. „Rivalität und verbale Provokationen gehören dazu und muss man auch mal aushalten. Aber Bierduschen auf Spieler müssen echt nicht sein“, so Bastian Fuhrken auf Nachfrage. Ein Fan kletterte auch über den Zaun und musste zurückgehalten werden.

Tolle Kulisse und tolle Stimmung: So viele Zuschauer kamen zuletzt vor zwölf Jahren zu einem Pflichtspiel. Foto: Doden/Emden
Tolle Kulisse und tolle Stimmung: So viele Zuschauer kamen zuletzt vor zwölf Jahren zu einem Pflichtspiel. Foto: Doden/Emden

Ansonsten sorgten Stimmung – vor allem aus dem Emder Lager – und Kulisse für einen tollen Tag, der durch den Derbysieg erst seine besondere Wirkung entfalten konnte. Es war die größte Pflichtspielkulisse seit dem 30. Juli 2011, als 3000 Zuschauer zum DFB-Pokal-Spiel gegen den FSV Frankfurt kamen.

Akrobatisches Tor, provokanter Jubel

Nach dem schwachen Pokalauftritt in Delmenhorst (2:4) zeigte sich Kickers fünf Tage später stark verbessert. „Nach der Schlappe mussten wir ein anderes Gesicht zeigen – und das haben wir zum Glück getan“, sagte Matchwinner Tido Steffens. Der Kapitän traf zunächst kurz vor dem Halbzeitpfiff nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit und einer guten Chance für jedes Team spektakulär zum 1:0. Eine Steinwender-Flanke von links landete beim anderen Außenspieler Said Abbey auf rechts. Dessen Hereingabe landete dann über Umwege bei Tido Steffens, der aus kurzer Entfernung per Fallrückzieher traf.

Flug ins Glück: Tido Steffens ist zum Fallrückzieher abgehoben - und trifft. Foto: Doden/Emden
Flug ins Glück: Tido Steffens ist zum Fallrückzieher abgehoben - und trifft. Foto: Doden/Emden

Abbey wurde schon nach 19 Minuten für den verletzten Dennis Engel (muskuläre Probleme) eingewechselt. Mit Marvin Eilerts (Innenverteidiger) und Yanic Konda (Linksverteidiger) rückten auch zwei Spieler in die Startelf, die seit Wochen auf ihre Chance gewartet hatten. Der ordentliche Konda ließ sich nach dem 1:0 zu einem provozierenden Jubel vor der Atlas-Bank hinreißen.

Erst Rudelbildung, dann das 2:0

Emotional ging es auch in der 53. Minute zu. Nach einem Foul an Tido Steffens sagte der Ex-Delmenhorster Tobias Steffen dem Atlas-Übeltäter ein paar Worte – daraufhin stürmte Atlas-Keeper Damian Schobert 16 Meter Richtung der Szenerie. Es entstand eine Rudelbildung mit Gelb für Steffen und Schobert. Bei dem folgenden Freistoß hießen die Protagonisten Steffen und Steffens – Tobias flankte, Tido hechtete zum Flugkopfball: 2:0, das Ostfrieslandstadion bebte (54.). „Aufgrund der zweiten Halbzeit haben wir verdient verloren“, so Gäste-Trainer Dominik Schmidt. In der Folge hätte Kickers bei einigen Chancen das 3:0 erzielen müssen.

Andre Ndiaye (links) zeigte eine starke Leistung. Erst spielte er rechts offensiv, nach der Engel-Auswechslung Rechtsverteidiger. Foto: Doden/Emden
Andre Ndiaye (links) zeigte eine starke Leistung. Erst spielte er rechts offensiv, nach der Engel-Auswechslung Rechtsverteidiger. Foto: Doden/Emden

Weil das nicht fiel, musste Kickers in der Schlussphase noch einige Standards wegverteidigen. Das taten alle Emder leidenschaftlich, auch der kleinste: 1,70-Meter-Mittelfeldstratege Kai Kaissis. „Wir wollten viel mehr Emotionen auf den Platz bekommen als im Pokalspiel. Das war der Schlüssel.“

Spieldaten

Emden: Djokovic; Konda (66. Stöhr). Eilerts, Herbst, Engel (19. Abbey), Siderkiewicz, Kaissis, Steinwender (82. Schiller), Ndiaye, Steffen (77. Lameyer), Steffens (90. Visser).

Tore: 1:0, 2:0 Steffens (45./ 54.).

Das freute Stefan Emmerling. „Nun müssen wir noch Konstanz reinbekommen“, sagte der Trainer. Kurz zuvor hatte er einen der 2204 Fans auf dem Rasen herzlich und mit leuchtenden Augen auf den Arm genommen: Enkelin Mila.

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