Tücken von Erhebungen IHK-Umfrage allenfalls ein Stimmungsbild, mehr nicht
Die IHK präsentierte eine „Standortzufriedenheitsanalyse“ aus einer Umfrage unter Emder Unternehmen. Der Ausschuss analysierte aber eher die Umfrage.
Emden - Da hatten sich die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses aber mehr versprochen: „Auswertung der Standortzufriedenheitsanalyse für Emden“ durch die Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK) stand am Donnerstagabend ganz oben auf der Agenda. Doch was folgte, war allenfalls ein „Stimmungsbild“, wie es die Referentin Anke Hölscher selbst nannte.
Was und warum
Darum geht es: Es geht um eine Umfrage der IHK zur Standortanalyse in Emden.
Vor allem interessant für: Alle Unternehmen in Emden und aus dem Kammerbezirk.
Deshalb berichten wir: Für die wirtschaftliche und allgemeine Entwicklung einer Stadt spielt die Standortzufriedenheit von Unternehmen eine gewichtige Rolle. Die Autorin erreichen Sie unter: s.schuurman@zgo.de
Wer vorher genauer auf die Tagesordnung geschaut hatte, durfte ohnehin wohl nicht mehr erwarten. Zumindest auf der Vorlage war genauer beschrieben, was Inhalt des Vortrags werden würde. Die IHK hatte mit technischer Unterstützung der Hochschule Emden/Leer zwischen April und Mai dieses Jahres eine Online-Befragung mit dem Fokus auf die besagte Standortzufriedenheit im gesamten Kammerbezirk durchgeführt. Dies vor dem Hintergrund des Strukturwandels in Ostfriesland.
Nur 51 Unternehmen dabei
Allein in Emden wurden dafür nach Angaben der IHK 2000 Unternehmen angeschrieben und eingeladen, sich zu beteiligen. 23.000 Unternehmen, kleine und größere, waren es im gesamten Kammerbezirk. In Emden nahmen die Einladung allerdings nur 51 Unternehmen an. Insgesamt lag der Rücklauf bei unter einem Prozent. Was kann dabei herauskommen, wenn kaum einer mitmacht?
Von einer repräsentativen Umfrage kann jedenfalls keine Rede sein. Und auch Anke Hölscher warnte in diesem Zusammenhang vor einer Überbewertung. Im Eiltempo nannte sie in ihrer Präsentation dennoch einige Beispiele dafür, wo die 51 Emder Unternehmen in ihrer Bewertung von jenen aus dem übrigen Kammerbezirk abwichen oder auch übereinstimmten. Die ganz großen Überraschungen blieben dabei aus.
Schlechte Noten für die Innenstadt
„Sehr unzufrieden“ sind diese demnach beim Thema innerstädtischer Verkehr. Auch die Parksituation wurde bemängelt. Zu wenige Diskotheken hieß es bei einer Schlagwortsammlung. Und wenig überraschend: Es gab keine guten Noten für die Innenstadt. Nur in Wittmund sei die Bewertung für die Einkaufsmöglichkeiten ähnlich schlecht beurteilt worden.
Die verkehrliche Anbindung Emdens durch die Autobahn, die Bahn und den übrigen ÖPNV wurde dagegen wieder besser bewertet als in übrigen Bezirken (anderswo gibt es nicht einmal einen Bahnhof). Auch bei den Kosten für Gewerbeflächen schnitt Emden besser ab als andere ostfriesische und emsländische Städte. Wohlgemerkt unter den 51 Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben. Bewertungen zu Ausbildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten wurden gleich gar nicht abgegeben. Viel mehr hatte Anke Hölscher nicht zu berichten.
Umfrage infrage gestellt
Länger als die Präsentation dauerte dann hingegen die Diskussion darüber. Bernd Renken (Grüne feat. Urmel) fragte, wo denn jetzt die Stärken und Schwächen Emdens im Verhältnis der Städte in der Region seien. „Mein Wunsch wäre es, dies deutlicher herauszuarbeiten.“ Probleme, dieser Schnell-Präsentation zu folgen, räumte Maria Winter (SPD) ein. „Die IHK hat jetzt die Umfrage gemacht – aber was macht man jetzt damit?“ Und Hillgriet Eilers erklärte: „Ich bin überzeugt, dass wir bei einer Umfrage hier in dieser Runde zu den gleichen Ergebnissen gekommen wären.“
Differenzierter betrachtete Martje Merten den Wert der IHK-Umfrage. Die Geschäftsführerin der städtischen Tochter Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing hatte schon vor dem Referat auf gewisse Chancen der Umfrage verwiesen und gesagt, dass sie „ein bisschen ein Gradmesser“ sein könne. Und Rückschlüsse bewertete sie aus den Antworten auch deutlich positiver. „Wenn da ein ‚eher zufrieden‘ angekreuzt ist, ist das für mich immer noch ein ‚zufrieden‘“, sagte Martje Merten.
Wiederholung ist möglich
Dass eine allgemeine Unzufriedenheit zum Thema Innenstadt herauskam, verwundert Martje Merten jedoch nicht. „Der Zustand der Innenstadt entspricht noch nicht unserer Idealvorstellung.“ Aber auch ihr fehle bei der anonymen Umfrage die Verbindung zu den teilnehmenden Unternehmen. Vermutlich werde die Innenstadt bei Handel und Gastronomie gewichtiger bewertet als von einem Industriebetrieb. Und aus welchen Bereichen kommen jetzt die 51 ausgefüllten Fragebögen? Eine der Fragen, die an diesem Abend offen blieben.
Die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Umfrage, bei der kaum jemand mitmacht, wurde allerdings erst gar nicht offen gestellt. Dafür gab es Nachbesserungsvorschläge. Hillgriet Eilers etwa fragte nach Handlungsempfehlungen aus den Ergebnissen seitens der IHK. Solche „großen Rückschlüsse“ werde es aber erst geben, wenn Vergleichswerte vorliegen, erklärte Anke Hölscher. Und so soll die Umfrage in etwa zwei Jahren wiederholt werden. Möglichst mit mehr Teilnehmern. Eine Einladung zur Wiedervorstellung der „Umfrage Standortzufriedenheitsanalyse“ im Wirtschaftsausschuss 2025 sprach der Ausschussvorsitzende Reinhard Hegewald deshalb schon einmal aus.