DFB plant Reform  Das ändert sich ab 2024 im Jugendfußball

| | 25.10.2023 17:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die F-Junioren sollen ab Sommer 2024 nicht mehr auf zwei Meter große Jugendtore spielen. Entweder sollen diese mit Bannern verkleinert werden oder die Kinderfußball-Spielformen auf Minitore ausgespielt werden. Foto: Imago
Die F-Junioren sollen ab Sommer 2024 nicht mehr auf zwei Meter große Jugendtore spielen. Entweder sollen diese mit Bannern verkleinert werden oder die Kinderfußball-Spielformen auf Minitore ausgespielt werden. Foto: Imago
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DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke hat die Pläne für den Nachwuchsfußball von der G- bis zur E-Jugend bereits heftig kritisiert. Doch was ändert sich in den Altersklassen? Ein Überblick.

Ostfriesland - Mit einem Auftritt bei einem Unternehmertag sorgte Hans-Joachim Watzke vor einigen Wochen für Aufsehen bei vielen deutschen Fußballfans, Trainern und Eltern. Zur geplanten DFB-Reform des Nachwuchsfußballs von der G-Jugend bis einschließlich zur E-Jugend ab Sommer 2024 sagte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund (seit 1995) und Vizepräsident des DFB (seit 2002) in Essen: „Wenn du als Sechs-, Acht- oder Neunjähriger nie das Gefühl hast, was es ist zu verlieren, dann wirst du auch nie die große Kraft finden, um auch mal zu gewinnen.“

Bereits in den Wochen zuvor hatten Fußballgrößen wie Köln-Trainer Steffen Baumgart oder 1996-Europameister Thomas Hellmer ähnliche Kritik geäußert. Besonders die Watzke-Kritik erhielt Gegenwind vom DFB, Verbänden und einigen Vereinen. Wir schauen uns die Fakten an: Was wird ab Sommer 2024 bei den jüngsten Kickern anders?

Die Vorgeschichte

Vor einigen Jahren begann beim DFB in Frankfurt die Arbeit an der Reform. Die Idee: Mehr Kinder sollen mehr Ballkontakte und Spielzeit sammeln, um so mehr Spieler und Spielerinnen langfristig für den Sport zu begeistern. Als Lösung entschied sich der DFB, das vom früheren Hockeyspieler und Nationaltrainer (Deutschland, Spanien) Horst Wein einst in den 80er Jahren in Spanien für den Fußball entwickelte Kleinfeldspiel Funino bundesweit umzusetzen. Unter anderem aus rechtlichen Gründen heißt die Spielform in Deutschland Kinderfußball. In Deutschland fand Wein mit seiner Kleinspielfeldidee viele Jahrzehnte kaum Gehör – das hat sich nach seinem Tod 2016 geändert.

In vielen Pilotphasen wurde das Spielkonzept mit kleineren Teams (drei gegen drei) in einem kleineren Feld (25 Meter x 20 Meter) auf vier Mini-Tore (2 x 1,2 m) vom DFB in seinen Landesverbänden – auch in Niedersachsen – erprobt und als alltagstauglich für die G- und F-Junioren befunden. In den unteren Jahrgängen wurde bis dahin auch immer im Sieben gegen Sieben in einem ca. 40 Meter mal 35 Meter großen Feld auf ein Jugendtore (5 x 2 Meter) gespielt.

Reform ab Sommer 2024

G-Junioren

Bei den G-Junioren, wo es ohnehin keinen Punktspielbetrieb gibt, sollen Kinderfußball-Festivals stattfinden. Dabei wird im Zwei gegen Zwei im 16 x 20 Meter großen Feld oder im Drei gegen Drei im 25 x 20 Meter großen Feld auf vier Minitore gespielt – ohne Torwart. Die Auswechslungen laufen nach einem festen Muster, die Spielzeit pro Partie beträgt fünf bis sieben Minuten. Bei einem Festival werden etliche Minispielfelder auf einem Sportplatz aufgebaut, es gibt mehrere Spielrunden mit etlichen Teams und festen Pausen. Nach einem Sieg rückt ein Team ein Feld nach oben, bei einer Niederlage eines zurück. So sollen im Laufe eines Kinderfußballfestivals möglichst gleichstarke Mannschaften gegeneinander antreten. Dies wird bereits diese Saison schon in Ostfriesland praktiziert.

F-Junioren

Bei den F-Junioren soll ab Sommer 2024 ebenfalls das Festival-Format den Alltag bestimmen. Dabei kann entweder im Drei gegen Drei wie bei den G-Junioren – oder Vier gegen Vier oder Fünf gegen Fünf auf vier Minitore in einem dann größeren Feld (40 x 25 Meter) gespielt werden. Möglich ist auch ein Fünf gegen Fünf auf höhenreduzierte Jugendtore (1,65 Meter statt zwei Meter hoch). Die Verkleinerung kann zum Beispiel durch Banner gelingen.

In Ostfriesland gehören die Kinderfußball-Festivals auf Minitore in kleineren Teams bei den G- und F-Junioren schon zum Alltag. Foto: Doden/Emden
In Ostfriesland gehören die Kinderfußball-Festivals auf Minitore in kleineren Teams bei den G- und F-Junioren schon zum Alltag. Foto: Doden/Emden
Die letzte Spielform kommt dem bisherigen 7:7 auf zwei normale Jugendtore am nächsten. Das bisherige und seit Jahrzehnten praktizierte Spielformat ist dann im offiziellen DFB-Spielbetrieb bei den F-Junioren nicht mehr vorgesehen. Dieses wird in Niedersachsen schon seit vielen Jahren als sogenannte Fair-Play-Liga ausgetragen. Die Ergebnisse von den 2 x 20 Minuten langen Spielen werden nicht veröffentlicht und gewertet, keine Tabellen geführt, keine Meister gekürt. Anders ist es bei eigenständigen Pokalturnieren von Vereinen, die auch weiterhin möglich sind.

Im Fußballkreis Ostfriesland wurden vergangene Saison und werden auch diese all die genannten Spielformen angeboten.

E-Junioren

Die allergrößte Veränderung könnte es bei den E-Junioren geben, wo bisher im Sieben gegen Sieben auf zwei Jugendtore gespielt wurde. Es gibt auch einen großen Ligabetrieb mit veröffentlichten Ergebnisse, Tabellen und Meisterschaften.

Die DFB-Reform sieht ab 2024 ein 5:5/4:4 auf vier Minitore oder abgehängte Jugendtore wie bei den F-Junioren in Festival-Form vor – oder weiterhin ein 7:7 bzw. 6:6 auf Jugendtore. Als Turnierform oder im Ligaspielbetrieb. Theoretisch könnte der Punktspielbetrieb wie bisher also weiter Bestand haben.

Der DFB überlässt die Entscheidung seinen Landesverbänden, wie Markus Schenke bestätigt. Der Vorsitzende des Verbandsjugendausschusses des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) hatte vor wenigen Wochen alle Kreis-Jugendobmänner in Niedersachsen für einen Demotag mit mehreren Hundert Jugendfußballern auf die NFV-Sportplätze in Barsinghausen eingeladen. „Wir haben noch mal alle künftigen möglichen Spielformen einen Tag lang demonstriert, damit alle nochmals einen Eindruck bekommen.“

Ende März/Anfang April würden die Funktionäre zusammenkommen und einen Vorschlag erarbeiten, was auch bei der E-Jugend künftig in Niedersachsen möglich ist. Wird dieser vom NFV-Vorstand abgesegnet, wandert er in die verbindliche Spielordnung. „Wir nehmen die Kreise und die Basis bei dieser Entscheidung bewusst mit“, so Markus Schenke.

Fazit

Die Nachwuchsreform wurde in einigen Landesverbänden bei den G- und F-Junioren schon eingeleitet, ist ab Sommer verbindlich. Die Umstellung ist teilweise keine große mehr. Die größte Veränderung könnte es bei den E-Junioren (Neun- bis Elfjährige) geben. Ob es aber tatsächlich so kommt, ist noch offen. Darüber wird in Niedersachsen erst in einigen Monaten entschieden.

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