Merkwürdiges Schild  „Deutscher Asphaltkrieger“ auf Emder Baustelle

| | 04.11.2023 12:02 Uhr | 6 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eichenlaub, Eisernes Kreuz und dazu die passende Schriftart: Schilder wie diese wecken Assoziationen zur NS-Zeit. Foto: Schuurman
Eichenlaub, Eisernes Kreuz und dazu die passende Schriftart: Schilder wie diese wecken Assoziationen zur NS-Zeit. Foto: Schuurman
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Ein Schild in einem Baufahrzeug in Emden sorgt für Irritationen. Was hat es mit einem „Deutschen Asphaltkrieger“ auf sich?

Emden - Für 35 Euro, so Google, können Lkw-Fahrer oder auch Straßenbauer ausdrücken, dass sie deutsch sind. Und Asphaltkrieger. Patriotismus gepaart mit Kriegsrethorik gab es jetzt auch auf einer Baustelle in Emden zu bestaunen.

Das Schild mit der Aufschrift „Deutscher Asphaltkrieger“ und flankierendem Eisernen Kreuz im Eichenlaub prangte in einem Baufahrzeug in der Baustelle Lindenhof-Kreuzung in Emden. Aufschriften wie diese geraten immer wieder in die Kritik. Nicht nur, weil sie eine gewisse Kriegsrethorik bedienen, sondern auch, weil sie Assoziationen zum Nationalsozialismus wecken.

Was sagt der Experte zu solchen Schildern?

Wir haben Jan Krieger von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus für Demokratie gebeten, Schilder dieser Art für uns einzuordnen.

Welchen Hintergrund haben die einzelnen Elemente des Schildes?

Jan Krieger: Das „Eichenlaub“ ist ein weltweit verbreitetes Symbol. Es findet sich vor allem in militärischen Kontexten wieder. In Deutschland ist die Symbolik eng mit dem Nationalsozialismus verbunden. Mit der Gründung des Deutschen Reichs zog es in die deutsche Symbolsprache ein. Es sollte die Stärke und Einheit des deutschen Volkes symbolisieren. Die Nazis nutzten die Symbolik der „deutschen Eiche“ zur Verbreitung ihrer völkischen Ideologie. Die Redewendung „Stark wie die deutsche Eiche“ fand sich in vielen Propagandaschriften und Reden wieder. Es wurden außerdem vielfach Eichen gepflanzt. Wälder wurden mit der völkischen „Blut und Boden“-Ideologie verbunden, weshalb es jüdischen Menschen ab 1938 untersagt wurde, diese zu betreten. Das „Eichenlaub“-Symbol wurde von den Nazis außerdem ergänzend und in Kombination mit dem Eisernen Kreuz als Orden genutzt, um Wehrmachtssoldaten für ihre Verbrechen auszuzeichnen. Die auf dem Foto erkennbare Schriftart ähnelt der selbigen, die in diesem historischen Zeitraum verwendet wurde.

Wie sind solche Schilder aus Ihrer Sicht grundlegend zu bewerten?

Krieger: Das Schild des „deutschen Asphaltkriegers“ vermittelt eine nationalistische und soldatische Botschaft. Die dazugehörigen Elemente des Schildes knüpfen außerdem stark an die NS-Zeit an. Es ist nicht das erste Mal, dass ein solches Schild oder ähnliche Schilder in einem Fahrzeug zu sehen sind, allerdings sind sie auch nicht verboten. Nichtsdestotrotz sind sie aus meiner Sicht höchst problematisch.

Oft werden solche Schilder als unpolitisch dargestellt. Sind sie das?

Krieger: Definitiv nein. Die Aussage des Schildes und die Symbolik deuten auf eine völkisch-nationalistische Ideologie hin. Schilder wie diese sind entsprechend anschlussfähig an die extreme Rechte und werden von diesen bewusst angebracht um politische Botschaften zu transportieren und um Aufmerksamkeit zu generieren. Teilweise werden sie auch in Shops vertrieben, die auch NS-Militaria verkaufen. Die Aussage des Schildes suggeriert zudem, dass das Fahren eines Baustellenfahrzeugs nur für Menschen bestimmt sei, die als „deutsch“ gelesen werden. Als Unternehmen muss hier Haltung gezeigt werden, ansonsten kann schnell der Eindruck entstehen, dass Schilder wie diese zur Unternehmenskultur gehören und kein Problem darstellen.

Was sagt das Unternehmen zum Schild?

Diese Zeitung hat Strabag, das Unternehmen, das die Baustelle in Emden betreut, um ein Statement gebeten. Die Antwort kam aus der Konzernzentrale in Österreich. „Die Strabag-Gruppe lebt eine Unternehmenskultur basierend auf einem Wertekanon, der intern – unter Einbeziehung aller Mitarbeiter:innen – entwickelt wurde und als Leitlinie für das tägliche Handeln im Konzern fest verankert ist“, betont eine Sprecherin. Respekt nehme hier unter anderem eine zentrale Rolle ein. „Handlungen oder Äußerungen, die die Gefühle anderer verletzen, diskriminierend, rassistisch, sexistisch oder dergleichen sind, werden nicht toleriert und in Mitarbeitergesprächen offen adressiert“, heißt es weiter. Das sei auch in diesem Fall passiert. „Das Schild im Cockpit der Walze wurde entfernt, da es in seiner Gestaltung und im Duktus Assoziationen mit dem Naziregime weckt und für uns nicht tolerierbar ist.“ Der Mitarbeiter bedauere den Vorfall „zutiefst“ und entschuldige sich „für die Irritationen, die seine unbedachte Handlung hervorgerufen hat“.

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