Nachruf Ältester Schausteller Ostfrieslands ist gestorben
Tatkräftig bis zum Schluss: Manfred Wilken, Schausteller aus Neukamperfehn, ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Beim Gallimarkt war er noch dabei.
Neukamperfehn - Rührig bis zum Schluss: Beim Gallimarkt half Manfred Wilken noch in den Jahrmarktsbuden seiner Familie mit und wurde von Stammgästen im kleinen Festzelt bei der BBS erkannt und begrüßt. Doch nun, kaum einen Monat später, ist der älteste Schausteller Ostfrieslands trotz seines Alters von 92 Jahren unerwartet gestorben.
Die Schaustellerfamilie aus Neukamperfehn ist riesig und alle sind Schausteller geworden. Wilken hinterlässt acht Kinder, 54 Enkel und vier Urenkelkinder. Der Senior kümmerte sich nicht nur um seine eigenen Geschäfte, sondern auch um die seiner Kinder, die auf Jahrmärkten in ganz Norddeutschland unterwegs sind. Die ersten Wagen und Stände baute Manfred Wilken noch eigenhändig. Später hatte er noch schöne Ideen: So baute er ein altes Pferdekarussell zu einer Getränkebude um.
Damals zogen die Schausteller und so auch Wilken und sein Vater noch mit Pferd und Wagen durch die Lande. Mit den ersten Unimogs als Zugmaschinen seien sie sich vorgekommen wie Könige, erzählte Manfred Wilken 2017. Um durchzukommen, habe er jedoch nach dem Krieg im Winter im Leeraner Hafen arbeiten müssen.
Der Rummel hielt jung
Vielleicht machte ihn das zu dem freundlichen und großzügigen Gastwirt, als der er auf den ostfriesischen Volksfesten bekannt war. Die Familie betrieb Fisch- und Getränkebuden, auch Pizza war im Angebot. Der Rummel hielt Manfred Wilken wohl auch jung: Erstaunt war jedenfalls der damalige Leeraner Bürgermeister Wolfgang Kellner, als er 2011 anlässlich des Gallimarktes zum runden Geburtstag gratulieren sollte – er hatte ihn höchstens für 60 Jahre alt gehalten, tatsächlich wurde er 80.
Er habe auf jeden Fall noch Pläne gehabt, sagt sein jüngster Sohn Tommy. Gerade erst habe der Betrieb eine neue Weihnachtspyramide für den Leeraner Weihnachtsmarkt bestellt. Sie sei vor wenigen Tagen geliefert worden, doch da habe sein Vater bereits im Krankenhaus gelegen. „Ich habe ihm nur Fotos von der Pyramide zeigen können – dabei hätte er sie so gerne noch selbst gesehen.“ Ein Winterurlaub sei ebenfalls noch geplant gewesen.
Seine Prophezeiung, er sei in einem Jahrmarktwagen geboren worden und werde auch in einem sterben, ging indes nicht in Erfüllung. Kurz nach dem Gallimarkt habe er eine Infektion gehabt, später sei eine Lungenentzündung dazu gekommen. An dieser ist er am Freitag im Krankenhaus gestorben.