Unbefugtes Eindringen  Wie sicher sind ostfriesische Flugplätze?

| | 06.11.2023 19:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mehr als 20.000 Starts und Landungen kommen am Flugplatz Leer-Papenburg jedes Jahr zusammen. Archivfoto: Ortgies
Mehr als 20.000 Starts und Landungen kommen am Flugplatz Leer-Papenburg jedes Jahr zusammen. Archivfoto: Ortgies
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Nach der Geiselnahme am Hamburger Flughafen werden Sicherheitsbedenken an deutschen Flughäfen laut. In Ostfriesland gibt es zwar nur kleine Flugplätze – aber wie sorgen deren Betreiber für die Sicherheit?

Ostfriesland/Hamburg - Nach der unblutig beendeten Geiselnahme eines Mädchens am Hamburger Flughafen war Kritik am Sicherheitskonzept des Airports laut geworden. Der 35 Jahre alte Geiselnehmer hatte am Nordtor des Flughafens mit einem Mietwagen eine aus mehreren Schranken bestehende Absperrung durchbrochen und war auf das Vorfeld des Flughafens gerast. Der Flughafen will jetzt mit „baulichen Maßnahmen“ die Sicherheit erhöhen, heißt es aus der Pressestelle. Grundsätzlich seien die deutschen Flughäfen aber sehr sicher, sagte Steffen Hebestreit, Sprecher der Bundesregierung. In Ostfriesland gibt es zwar keinen großen Flughafen, aber einige kleinere Flugplätze. Wir haben nachgefragt, wie es sich dort mit der Sicherheit verhält.

Dieter Backer ist Geschäftsführer des Flugplatzes Leer-Papenburg in Nüttermoor mit einer 1,2 Kilometer langen Start- und Landebahn. „Wir hatten uns schon nach der Angelegenheit auf Sylt unsere Gedanken dazu gemacht“, sagt er der Redaktion am Telefon. Im Juni hatten Klimaaktivisten auf dem Flugplatz der Insel einen Privatjet mit Farbe besprüht, Ende August liefen Aktivisten in Pinguin-Kostümen auf das Rollfeld. In Nüttermoor gebe es ein rund um die Uhr laufendes Kamera-System. „Das deckt fast jeden Winkel des Geländes ab“, sagt Backer. Nur sei das natürlich erst für die Aufklärung nach Vorfällen sinnvoll. Es halte ja niemanden davon ab, das Flughafengelände unbefugt zu betreten.

„Können niemanden davon abhalten, auf das Gelände zu laufen oder zu fahren“

„Ansonsten haben wir Schranken und auch ein paar Poller“, sagt Backer. Dazu komme eine teilweise Einzäunung des Geländes. „Aber ich Grunde können wir niemanden davon abhalten, auf das Gelände zu laufen oder zu fahren“, so der Flugplatz-Geschäftsführer. Um den Flugplatz herum seien vorwiegend Weiden, „da können wir nichts machen“. An einigen Stellen gebe es eine Alarmanlage, die direkt mit der Zentrale einer Sicherheitsfirma verbunden sei. Sollte dort ein Alarm eingehen oder sollte der tagsüber zuständige Flugleiter am Flugplatz etwas bemerken, würde natürlich eingeschritten. Im Sommer ist der Flugplatz unter der Woche von 8 bis 19 Uhr besetzt, im Winter von 8 Uhr bis zum Sonnenuntergang. „Wir machen da schon lange Tage“, so Backer.

Der Flugplatz auf Juist wird außer von Privatpiloten auch im Linienverkehr von Norddeich aus durch die Inselflieger bedient. „Ein Verkehrslandeplatz ist wie ein Bahnhof – hier kann jeder reinlaufen“, sagt ein Mitarbeiter, der am Telefon seinen Namen nicht nennt. „Nur in die Nähe der Landebahn soll man nicht, da ist es gefährlich.“ Angst vor Autofahrern, die aufs Vorfeld fahren, habe er nicht – schließlich sei Juist eine autofreie Insel. „Hier fahren nur der Rettungsdienst und die Feuerwehr Auto, und die machen so was nicht“, sagt der Mann. Klimaaktivisten könnten für eine Aktion ohne Weiteres auf das Flugplatzgelände gelangen, sagt er. „Aber dafür müssten sie mit einem dieselbetriebenen Schiff oder einem Flugzeug auf die Insel kommen, das machen die ja wohl nicht.“

Was den Vorfall in Hamburg angeht, hielt sich die Polizei zunächst mit weiteren Informationen zurück. Bekannt wurde aber, dass er keine Waffe haben durfte. „Der Beschuldigte befindet sich nicht im Besitz einer waffenrechtlichen Erlaubnis“, sagte Oberstaatsanwaltin Liddy Oechtering der Deutschen Presse-Agentur (DPA). „Die Generalstaatsanwaltschaft wird einen Haftbefehlsantrag insbesondere wegen des Vorwurfs der Geiselnahme, der Entziehung Minderjähriger sowie Delikten nach dem Waffengesetz stellen.“ Nach Angaben der Polizei Hamburg vom Sonntag geriet der Tatverdächtige in Stade aufgrund von Sorgerechtsstreitigkeiten mit seiner Ex-Partnerin in eine psychische Ausnahmesituation. Der Geiselnehmer war bereits im Frühjahr zu einer Geldstrafe von 3600 Euro wegen Entziehung Minderjähriger verurteilt worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade der DPA.

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