Redaktionsumfrage Die schönsten und schrägsten Erinnerungen an Martini
Lustig, kurios und einfach schön – über die Jahre haben sich auch in unserer Redaktion einige Martini-Geschichten gesammelt. Hier werden sie erzählt.
Ostfriesland - Auf Martini freuen sich besonders die Kinder. Denn der Brauch gibt jedes Jahr eine Möglichkeit, sich wieder so richtig mit Süßigkeiten einzudecken – und das quasi gratis. Nur Lieder müssen gesungen werden. Und wenn man in Kostümen mit Laterne um die Häuser zieht, dann sind skurrile, lustige und schöne Momente fast schon garantiert. Deswegen haben wir innerhalb der Redaktion nach den Erinnerungen gefragt, die noch nach Jahren oder Jahrzehnten hängengeblieben sind. Das sind die Antworten.
Jutta Martens, Videoredaktion Ostfriesen.tv
„Im Gegensatz zu mir, hat meine Schwester immer gern gesungen. Und zwar jedes Jahr alle Strophen unseres Martiniliedes. Mein Motto war hingegen: Eine Strophe reicht doch, wenn die Menge an Süßigkeiten sich nicht proportional zur Anzahl der Strophen erhöht. Und überhaupt: Wir wohnten abgelegen, sodass wir bei den meisten Häusern der einzige Martinibesuch waren. Da waren ohnehin alle sehr spendabel, egal, wie lange wir sangen. Und so verhandelten wir vor jedem Haus neu. Sie versprach jedes Mal, es kurzzuhalten. Ich glaubte ihr. Aber sobald die Tür aufging, schmetterte meine Schwester ihr ganzes einstudiertes Repertoire – aus voller Brust heraus. Und auf die Frage, ob wir nicht noch ein zweites Lied anstimmen könnten, reagierte die Große mit Begeisterung. Die Kleine mit Seufzen und Augenrollen. Aber was macht man nicht alles aus Liebe zur großen Schwester.... und zur Schokolade.“
Ute Nobel, Redaktion Ostfriesland
Martini war für mich als Kind immer ein Höhepunkt im Kalenderjahr! Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir als Kinder nicht nur mit Rucksack oder Leinenbeutel losgezogen sind, sondern mit unseren Schulranzen. Und der wurde dann, wenn er randvoll mit Süßigkeiten war, zu Hause abgeladen und dann ging es nochmal eine zweite Runde weiter in die Straßen, in denen man noch nicht gesungen hatte. Wir hatten dann am Ende des Abends einen dementsprechend riesengroßen Haufen Süßigkeiten, von dem wir jedes Jahr einen Teil gespendet haben. Der Ablauf war so: Klingeln, mindestens drei, besser noch fünf Strophen singen, dann wurde sich umgedreht, damit die Belohnung fürs Singen in den Rucksack/Schulranzen gesteckt werden konnte. Manchmal, wenn im Dunkeln die Öffnung des Ranzens nicht so schnell gefunden wurde, landete auch mal ein Ü-Ei oder ein Schokoriegel in der Kapuze. In einem Jahr sind wir sogar mal mit Blockflöte losgezogen – das fanden einige ganz toll, andere wollten bei der fünften Strophe von „Martinus Luther war ein Christ“ dann aber auch endlich die Tür wieder schließen.
Karin Lüppen, Redaktion Leer
Ein aufwändiges Kostüm war zum Martinisingen für mich Pflicht. Mit meiner großen Schwester und meiner Mutter haben wir schon Wochen im Voraus getüftelt. Wobei ich immer eine genaue Vorstellung hatte, als was ich gehen wollte. Auf dem Foto bin ich mit neun Jahren als Holländerin zu sehen. Ob „Frau Antje“ das Vorbild war oder diese Porzellanfiguren, weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall war die Haube mit den nach oben geschlagenen Enden eine Herausforderung. Dafür wurden mehrere Lagen Tortenspitze übereinandergelegt und mit Wasserdampf geformt, wenn ich mich richtig entsinne. Leider hing die Kopfbedeckung im Nieselregen schnell schlapp herunter. Mein Bruder fuhr zu meiner Kinderzeit zur See und brachte aus Südostasien einen Kimono mit. Klar, dass ich damit zu Martini lief. Den passenden Hut bastelten wir aus einem Bananenkarton aus Afrika – ein echt multinationales Kostüm. Asterix war ich auch mal, aber der „Flügelhelm“ hing noch schlapper als die Holländerinnenhaube. Daher bewundere ich die Kostüme der Cosplayer – ich kann mir vorstellen, wie viel Arbeit da drinsteckt, und bin begeistert, was die hinkriegen.
Gesungen habe ich meistens „Martinus Luther war ein Christ“, den ganzen Text, und „Am Martinstage kommen wir Kinder all“. In dem Lied kamen, glaube ich, Zwingli und Calvin vor, was mir mit meinem reformierten Hintergrund wichtig war. Das Foto wurde bei Foto Paulsen in Hage aufgenommen, wo jedes Jahr alle Sängerinnen und Sänger abgelichtet und anschließend im Schaufenster ausgehängt wurden. Das habe ich aber nur einmal gemacht. Sonst bin ich durch meinen Heimatort Lütetsburg gelaufen, anfangs nur bis zum Schloss und zur Gärtnerei, später mit meiner Freundin auch mal das ganze Dorf vom Mittelhaus bis zu uns nach Hause – dafür waren wir stundenlang unterwegs.
Lukas Münch, Volontär
Irgendwann fing meine Martini-Gang an, Wege herauszufinden, um möglichst besonderes oder eben viel Süßes abzugreifen. Extrem Kurioses ist dabei gar nicht vorgekommen außer, dass wir bei einem chinesischen Restaurant, das es allerdings nicht mehr gibt, Karaokesingen mussten. Erst musste man auf der Bühne mit Mikros das Laternelied zum Besten geben und danach durfte man ein Lied seiner Wahl schmettern. Entlohnung war dann mindestens eine Monatsration Glückskekse.
Maike Meyerhoff, Redaktionsassistenz
Es wurden die Klassiker „Martinus Luther war ein Christ“ oder auch „Mien lüttje Lateern“ gesungen. Mit mehreren Nachbarskindern aus der Schwarzmoorstraße zogen wir durch den Ortskern in Collinghorst - gerne durch die Neubausiedlungen. Kurze Wege – viele Häuser. Unbeliebt waren die Türen, wo die Bewohner die Moppen-Plätzchen einfach so ohne Tütchen in den Schulranzen warfen. Eine mega klebrige Angelegenheit. Beim Fleischer im Ort gab es immer eine Bockwurst und zum Ende der Tour ging es zur Imbissbude an die Hauptstraße. Dort gab es eine kleine Pommes. Gut gesättigt ging es dann wieder nach Hause.
Jonas Bothe, Redaktion Leer
Als Kind habe ich mich immer sehr auf Martini gefreut, zumindest so weit ich mich noch daran erinnern kann. Meist trafen sich die Jungen und Mädchen aus Potshausen, wo ich meine Kindheit verbracht habe, ein paar Tage vorher, um die Martinilieder noch einmal zu proben. Ob „Martinus Luther war ein Christ“, „Zu Eisleben ward uns geboren ein Mann“ oder „Am Martinstage kommen wir Kinder all“ – bei uns wurden die klassischen, protestantischen Lieder gesungen. Am 10. November setzte sich dann die Fahrzeugkolonne in Bewegung, um die weit verteilten Häuser aufzusuchen. Nach jeder Station wurden die Rucksäcke im Kofferraum entleert, damit wieder genug Platz für Süßigkeiten war. Als Abschlusslied sagen wir immer die letzte Strophe von „Kinder zieh’n von Haus zu Hause“, wobei wir beim Vortragen ordentlich Tempo aufnahmen, um möglichst schnell weiterzukommen.