Emden spielt Sonntag in Vorsfelde  Nach Hotelnacht tritt Kickers beim 127-Tore-Aufsteiger an

| | 17.11.2023 16:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kickers ist seit sieben Ligaspielen ungeschlagen und hofft diese Serie auch in Vorsfelde ausbauen zu können. Janek Siderkiewicz (rechts) kam aus der Landesliga nach Emden und erkämpfte sich einen Stammplatz. Foto: Doden/Emden
Kickers ist seit sieben Ligaspielen ungeschlagen und hofft diese Serie auch in Vorsfelde ausbauen zu können. Janek Siderkiewicz (rechts) kam aus der Landesliga nach Emden und erkämpfte sich einen Stammplatz. Foto: Doden/Emden
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Im Ortsteil von Wolfsburg werden die Ostriesen gefordert. Der Gegner ist ein beeindruckender Neuling. Ein „Aufsteiger“ im Kickers-Team ist Janek Siderkiewicz, der von seinem neuen Verein begeistert ist.

Emden - Nach dem bundesweit beachteten „Matsch“- und Jahrhundertspiel mit verkleinertem Spielfeld und dramatischem 4:3-Siegtor in letzter Minute gegen den TuS Bersenbrück wartet wieder der Alltag auf die Oberliga-Fußballer des BSV Kickers Emden. Der führt den Tabellenzweiten dieses Wochenende nach Vorsfelde, einen Ortsteil von Wolfsburg. Dort trifft Kickers am Sonntag um 14 Uhr auf einen 127-Tore-Aufsteiger und BSV-Trainer Stefan Emmerling auf einen alten Bekannten. Da der SSV Vorsfelde auch auf einen Kunstrasen ausweichen kann, ist die Partie nicht gefährdet. Die Emder absolvieren ihr Abschlusstraining an diesem Freitag auch im 17 Uhr auf dem Kunstrasen von Rot-Weiß Emden.

Für große Begeisterung sorgte der Last-Minute-Sieg gegen den Tabellenführer TuS Bersenbrück. Foto: Doden/Emden
Für große Begeisterung sorgte der Last-Minute-Sieg gegen den Tabellenführer TuS Bersenbrück. Foto: Doden/Emden

„Mit Vorsfelde-Trainer Alexander Strehmel habe ich Mitte der 90er eine Saison zusammen bei Wattenscheid gespielt“, erzählt Ex-Bundesliga-Spieler Emmerling. Strehmel hatte als Profi seine größten Erfolge beim VfB Stuttgart, wo er von 1986 bis 1994 unter Vertrag stand und 1992 einmal Deutscher Meister wurde. Nach Co-Trainer-Stationen in Deutschland ging Strehmel 2015 in die USA, kehrte 2022 zurück und führte den SSV Vorsfelde mit 97 von 102 möglichen Punkten und 127 Treffern zu einer beeindruckenden Meisterschaft in der Landesliga Braunschweig.

Siderkiewicz ist ein Dauerbrenner

Angesichts dieser Zahlen überrascht der starke siebte Platz mit 24 Punkten und nur zwei Zählern Rückstand auf Kickers nicht. Wenn der SSV vergangenen Spieltag nicht überraschend 0:5 beim Schlusslicht Eilvese verloren und stattdessen gewonnen hätte, wären die Südniedersachsen nun sogar Zweiter. „So ein Spiel kann man in der Saison immer mal haben. Wir werden uns von diesem Ergebnis nicht blenden lassen“, sagt Stefan Emmerling, der den Liga-Neuling zweimal bei Spielen in Augenschein genommen hat. „Das ist eine körperlich starke Mannschaft mit einem guten Zusammenhalt, die nicht umsonst dort oben steht. Wir müssen dort schon in Bestform antreten, um zu punkten – und das wollen wir natürlich.“

Tipp

Vorsfelde - Emden 1:2. Die vergangenen Wochen haben Kickers Selbstvertrauen gegeben. Ruft Emden sein Potenzial ab und geht mit dem richtigen Fokus ins Spiel, ist der erste Auswärtssieg bei einer Mannschaft aus der Spitzengruppe möglich.

Ob Kickers auch in derzeitiger Bestbesetzung antreten kann, wird sich noch zeigen. Manch Spieler kränkelte, war angeschlagen. Nicht so Janek Siderkiewicz, der sich nach drei Joker-Einsätzen zu Beginn der Saison ins Team gekämpft hat. Seit dem 4. Spieltag bildet der 27-Jährige zusammen mit Kai Kaissis die Doppel-Sechs und hat seither keine Spielminute verpasst. Während viele Neuzugänge in der Startelf von „oben“ kamen, spielte der im ostfriesischen Idafehn aufgewachsene Mittelfeldspieler in seiner Herrenzeit bislang ausschließlich für Landesligist Hansa Friesoythe.

Lob von Emmerling

„Janek ist deshalb schon eine positive Überraschung in unserem Kader“, sagt Trainer Stefan Emmerling und lobt die Fähigkeiten des Ostfriesen, der in Strücklingen (Landkreis Cloppenburg) lebt. „Er verkörpert das, was Emder Spieler immer ausgezeichnet hat. Hohe Einsatzbereitschaft und fußballerische Klasse. Und er stellt sich immer in den Dienst der Mannschaft.“

Im Mittelfeld des BSV Kickers Emden ist Janek Siderkiewicz seit dem vierten Spieltag gesetzt. Seither verpasste er keine Spielminute. Foto: Doden/Emden
Im Mittelfeld des BSV Kickers Emden ist Janek Siderkiewicz seit dem vierten Spieltag gesetzt. Seither verpasste er keine Spielminute. Foto: Doden/Emden

Während der Stratege bei Hansa eine offensivere Rolle einnahm, agiert er nun bei Kickers etwas defensiver im Mittelfeld. „Diese Rolle macht mir auch Spaß, wie sowieso alles. Es ist noch besser bei Kickers als ich es vor der Saison erwartet hätte. Ich war sehr gespannt, wie es wird. Denn es war ja auch mein erster Wechsel im Herrenbereich.“

Hotelnacht in Wolfsburg

Das Vertrauen in ihn zahlte die umsichtige Nummer 17 bisher voll zurück. Das Drumherum in Emden mit stets um die 1500 Zuschauern, singenden Fans und einem semiprofessionellen Umfeld begeistern den „Jungen aus Idafehn“. „Das ist schon eine andere Welt und großes Kino. Jedes Heimspiel ist besonders.“ Das erleben auch Familie und Freunde, die sich schon einige Siderkiewicz-Trikots aus dem Fanshop gekauft haben und bei den Heimspielen auf der Tribüne sitzen. Seine Mutter bisher sogar bei jeder Partie im Ostfrieslandstadion.

Die Klasse auf dem Feld und die Professionalität daneben beeindrucken den 27-Jährigen. „Einen Wäscheservice für die Spieler, so etwas kannte ich noch nicht.“ Ebenso Hotelübernachtungen vor weiten Auswärtsspielen. Diesen Joker zieht der BSV dieses Wochenende zum zweiten Mal in dieser Spielzeit. Die 340 Kilometer werden schon Samstag zurückgelegt. Das Team schläft dann im selben Hotel wie schon vor der Partie bei Lupo Martini Wolfsburg.

Das 0:2 in Wolfsburg war die letzte Emder Liga-Niederlage. Seither gab es fünf Siege und zwei Remis. Janek Siderkiewicz überrascht das nicht. „Wir haben richtig gute Zocker im Team. Wir brauchen den richtigen Mix zwischen Verteidigen und Angreifen, dann werden wir noch einige Erfolge feiern“, sagt Siderkiewicz und ergänzt demütig: „Wichtig ist dabei, dass wir nicht selbstzufrieden werden und die Gier nach Siegen in jedem Spiel zeigen. Dann ist man ein richtiges Spitzenteam.“

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