Urlaub in der Krummhörn Mehr als 43 Prozent von Greetsiel dient Ferienwohnungen
Die Gemeinde Krummhörn möchte ein Baukonzept für Greetsiel erarbeiten. Das zuständige Planungsbüro liefert schon erste Zahlen: So viele Gebäude werden als Ferienwohnungen genutzt.
Greetsiel - Es sind gar nicht alle Gebiete erfasst, aber das Bild ist deutlich: In einigen Straßenzügen in Greetsiel gibt es mehr Ferienwohnungen als Platz für Einheimische. In manchen Bereichen überwiegt „Ferienwohnen“ schon den „sonstigen Nutzungen“.
Diese beiden Kategorien hat das Oldenburger Planungsbüro NWP auf die einzelnen Bereiche des Küstenortes mit seinen rund 1300 Einwohnern angewandt. Ein Bereich entspricht dabei in der Regel einem bestehenden Bebauungsplan. Wobei beispielsweise „Grachten 2“ noch gar nicht aufgeschlüsselt wurde. Die Ergebnisse wurden am Dienstagabend in Greetsiel vorgestellt. Ein erster Überblick.
Öffentlich zugängliche Daten ausgewertet
NWP hat für die Erhebung sowohl Einträge auf Google Maps als auch auf dem Portal „Greetsiel24“ ausgewertet. Außerdem seien eigene Daten „durch Befahrung zentraler Bereiche“ erhoben worden. Ausgewertet wurde nach Wohneinheiten in den Plangebieten, dargestellt wird es nach Gebäudeeinheiten. Sprich: Eine Wohneinheit in einem Gebäude als Ferienwohnung bedeutet nicht, dass im gleichen Gebäude nicht auch andere Nutzungen stattfinden.
Im Schnitt ergibt sich aufgrund der Auswertung der öffentlich zugänglichen Daten dennoch: Rund 43 Prozent der Nutzungsanteile entfallen im Schnitt auf „Ferienwohnen“ (Hotels sind mit erfasst), die verbleibenden 57 Prozent entfallen auf „Dauerwohnen“ und sonstige Nutzungen.
Die meisten Gästebetten der Krummhörn
Wie ausgeprägt die Ferienwohn-Nutzung ist, variiert stark. Im Bereich Dollartstraße kommt NWP beispielsweise auf 60 Prozent Ferienwohnen und 40 Prozent andere Nutzarten, im Bereich des Enjoy-Hotels sind es 61 Prozent. NWP weist darauf hin, dass die erhobenen Daten nicht abschließend sind.
Genaue Angaben über die Zahl der Betten für Übernachtungsgäste in der Krummhörn gibt es nur bedingt. Die Tourismus GmbH sprach gegenüber dieser Zeitung vor mehr als zwei Jahren von 6500 Betten im ganzen Gemeindegebiet. 2021 gab der Feuerwehrbedarfsplan ein paar weitere Eindrücke, wobei der Unterschied zu den Angaben der Touristik offensichtlich ist. Laut Bedarfsplan gab es 2021 in der Krummhörn insgesamt 1684 Betten, die sich auf 85 größere Beherbergungsbetriebe verteilen. Erfasst wurden Beherbergungsbetriebe ab vier Betten.
Schwerpunkt der Betten war, wenig verwunderlich, Greetsiel. Laut Bedarfsplan standen hier fast 900 Betten für Gäste zur Verfügung, Hauen war hier mit eingerechnet. 64 Betten stellte der größte Betrieb an einem Standort zur Verfügung. Interessanterweise waren auf Platz 2 und 3 Visquard und Rysum. Visquard kommt demnach auf 188 Betten, Rysum auf 173 – allein 60 davon an einem Ort konzentriert.
Erster Baustein für „Masterplan Greetsiel“
Die Zahl der Betten und der Ferienwohnungen variiert, allein auch aufgrund der Einbußen durch die Corona-Pandemie. Von einer deutlichen Verkleinerung der Bettenzahl ist allerdings eher nicht auszugehen. Die Politik in der Gemeinde war jüngst vermehrt bestrebt, einem „Wildwuchs“ von Ferienwohnungen den Riegel vorzuschieben. In der Vergangenheit hatte es Fehler bei der Aufstellung von Bebauungsplänen gegeben: Statt das Bauen in zweiter Reihe für Einheimische attraktiver und einfacher zu machen, wurde der Bau von Ferienwohnungen ohne starke Einschränkungen ermöglicht.
Auf Initiative der FBL hin soll ein „Masterplan Greetsiel“ erstellt werden. Das am Dienstag, 28. November 2023, vorgestellte „Entwicklungskonzept Wohnen/Ferienwohnen“ ist dafür ein erster Baustein. Die von NWP und Gemeindeverwaltung formulierte Leitfrage: „Wie kann die touristische Entwicklung mit der Lebensqualität der lokalen Bevölkerung in Einklang gebracht werden?“ Das Entwicklungskonzept, was nun erarbeitet werden soll, soll sich später im besten Fall in einer verbindlichen Bauleitplanung niederschlagen, die auch die Nutzung „Ferienwohnen“ entsprechend reglementiert und rechtlich absichert.