Kickers Emden ist nicht alleine  Schiri pfeift nicht an – dritter Oberliga-Vorfall in vier Wochen

| | 04.12.2023 16:06 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Besonders die mit Sand aufgeschütteten Stellen bewertete das Schiedsrichter-Gespann am Freitagabend in Emden als gefährlich, sie waren teils gefroren und hart. Foto: Doden/Emden
Besonders die mit Sand aufgeschütteten Stellen bewertete das Schiedsrichter-Gespann am Freitagabend in Emden als gefährlich, sie waren teils gefroren und hart. Foto: Doden/Emden
Artikel teilen:

Auch in Rehden und Bornreihe reiste der Gegner kürzlich vergebens an. Bei Kickers soll so etwas am Mittwoch gegen Hannover nicht nochmal passieren. Eine bekannte Person entscheidet nun mit.

Emden - Gerd Krauledat ist seit mehr als 45 Jahren Stadionsprecher beim Fußball-Oberligisten BSV Kickers Emden. Erstmals erlebte er am Freitagabend (1. Dezember), dass ein Schiedsrichter den Platz im Ostfrieslandstadion wenige Minuten vor dem geplanten Anpfiff für unbespielbar erklärte. „Wir hatten schon mal die Nebel-Absagen gegen Bayern München II in der 3. Liga. Das war aber ein ganz anderer Fall“, sagte „Mister Kickers“. Der Unparteiische Tim Otto (TSV Weyhe-Lahausen) hatte rund 35 Minuten vor dem geplanten Anpfiff die Partie gegen den SV Ramlingen-Ehlershausen abgesagt: „Einige Stellen waren gefroren und nach meiner Meinung gesundheitsgefährdend“, erklärte Otto am Freitag. In der Tat gab es manche bedenkliche Stellen..

Nach der kurzfristigen Absage ließ Stefan Emmerling sein Team im Ostfrieslandstadion eine Trainingseinheit absolvieren. Damit wollte er auch zeigen: Es hätte aus seiner Sicht gespielt werden können. Foto: Doden/Emden
Nach der kurzfristigen Absage ließ Stefan Emmerling sein Team im Ostfrieslandstadion eine Trainingseinheit absolvieren. Damit wollte er auch zeigen: Es hätte aus seiner Sicht gespielt werden können. Foto: Doden/Emden

Frust im Frost herrschte wegen der kurzfristigen Absage sowohl bei den Emdern, die gerne gespielt hätten, als auch bei den Gästen, die die Platzverhältnisse ähnlich wie der Schiedsrichter bewerteten und die Entscheidung deshalb begrüßten. „Letztlich waren wir fast zehn Stunden unterwegs, ohne Fußball gespielt zu haben. Das ist natürlich auch für uns ärgerlich, einige Spieler mussten sich auch Urlaub nehmen“, so Ramlingens Klubboss Kurt Becker. Nach der Abfahrt um 13 Uhr am Klubheim kehrte der SV-Tross gegen 22.15 Uhr auf das Vereinsgelände im fast 300 Kilometer entfernten Ramlingen zurück. Er betonte, dass er nicht sauer auf Kickers sei – andersherum will er mit seinem Team auch nicht als „Buhmänner“ für die Emder Fans dastehen. „Die Entscheidung muss der Schiedsrichter treffen, nicht der SV Ramlingen-Ehlershausen.“

Es begann in Rehden

In der Oberliga scheint es eine unheimliche Serie von kurzfristigen Absagen zu geben. Es war schon das dritte Mal innerhalb von vier Wochen, dass das Gäste-Team angereist war und Schiedsrichter die Begegnungen wegen der Platzverhältnisse nicht anpfiffen – jedes Mal bewerteten Gastgeber auf der einen und Schiedsrichter und Gäste auf der anderen Seite die Lage unterschiedlich.

Erstmals war dies am 11. November der Fall gewesen – Karnevalsstimmung kam da bei Eintracht Celle natürlich nicht auf. Die Celler fanden nach der Anreise nach Rehden (Landkreis Diepholz) einen Rasenplatz vor, der sogar kleine Pfützen zu bieten hatte. Regen am Mittag hätte dem Platz wohl nochmal kräftig zugesetzt.

Wer bezahlt die neuen Reisekosten?

Ärger-Absage Nummer zwei ereignete sich schon eine Woche später. In Bornreihe (Landkreis Osterholz) sollte es zum Aufsteiger-Duell gegen STK Eilvese (Region Hannover) kommen. „Da waren Pfützen auf dem Platz, der Platz nicht bespielbar“, sagt STK-Vorsitzender Dirk Timpe. Die Hannoveraner hatten vergeblich insgesamt 288 Kilometer zurückgelegt. Nachgeholt werden soll die Partie ebenso wie jene von Rehden gegen Celle in der Theorie am 16. Dezember – in der Praxis ist das derzeit zumindest fraglich. Das ausgefallene Kickers-Spiel gegen Ramlingen wird erst im Jahr 2024 neu angesetzt.

Der SV Ramlingen-Ehlershausen um Klubboss Kurt Becker (Mitte) muss nun nochmal nach Emden reisen. Foto: Doden/Emden
Der SV Ramlingen-Ehlershausen um Klubboss Kurt Becker (Mitte) muss nun nochmal nach Emden reisen. Foto: Doden/Emden

Wenn Eintracht Celle, STK Eilvese und SV Ramlingen-Ehlershausen sich ein zweites Mal mit dem Reisebus auf den Weg nach Rehden, Bornreihe und Emden machen, bleiben die Vereine zumindest nicht ganz auf den kompletten Reisekosten sitzen. „Für den Fall, dass beide Mannschaften schon vor Ort sind und der Schiedsrichter die Partie nicht anpfeift, gibt es klare Regeln“, erklärt Oberliga-Staffelleiter Burkhard Walden. Pro gefahrenen Kilometer werden 75 Cent angesetzt. Von der Summe, die in der Theorie die Fahrtkosten darstellen soll, zahlt der Gastgeber dann die Hälfte. Im Fall von Ramlingen wären das rund 450 Euro Gesamtkosten, 225 Euro müsste Emden überweisen. Laut dem SV-Klubboss Kurt Becker koste eine Busfahrt nach Emden aber rund 1000 Euro. Hinzu kommen noch Verpflegungskosten für die Mannschaft. Das muss der Verein jedoch selber tragen.

Peter Bartsch in der Platzkommission

Schon an diesem Mittwoch, 6. Dezember, steht für Kickers das nächste Heimspiel an. Die Partie gegen Arminia Hannover ist zum dritten Mal angesetzt, die vorherigen beiden Absagen erreichten die Hannoveraner nach Regenfällen jeweils rechtzeitig. Kickers hofft, dass es zu keinem dritten Arminia-Ausfall kommen wird. Die Partie ist ein Teil des Herzstücks der Emder Retter-Aktion, um kurzfristige Verbindlichkeiten von 150.000 Euro begleichen zu können. So soll am Mittwoch um 17 Uhr ein großes Weihnachtssingen mit dem Emder Chor „Ligante“ im Ostfrieslandstadion stattfinden. Auch, wenn die Partie gegen Hannover ausfallen sollte.

„Wir haben aber die Hoffnung, dass das Spiel stattfinden kann“, sagt Hardy Kloßek aus dem Team der Kickers-Öffentlichkeitsarbeit. Laut den Wetterprognosen wird Frost den Emdern nicht nochmal in die Quere kommen. Entscheidend wird sein, wie viel Regen und Schneeregen bis Mittwochmittag fällt und wie die Vorhersagen für den Rest des Tages sind.

Peter Bartsch (rechts) leitete im Sommer nochmal ein Benefizspiel in Emden. Das Bild zeigt ihn mit Ex-Profi Ivan Klasnic (von links) und seinen Assistenten Florian Hillebrand und Joris Mülder. Hauptsächlich tritt Bartsch inzwischen als Funktionär auf. Foto: Archiv
Peter Bartsch (rechts) leitete im Sommer nochmal ein Benefizspiel in Emden. Das Bild zeigt ihn mit Ex-Profi Ivan Klasnic (von links) und seinen Assistenten Florian Hillebrand und Joris Mülder. Hauptsächlich tritt Bartsch inzwischen als Funktionär auf. Foto: Archiv

Nach dem Ausfall am Freitag hat Kickers nun den langjährigen hochklassigen Schiedsrichter und vielseitigen Funktionär Peter Bartsch (Vorsitzender Stadtsportbund Emden) als „unabhängigen Vermittler“ mit in die Platzkommission aufgenommen. Sie soll bis Mittwochmittag entscheiden, ob der Ball am Abend rollen und Arminia Hannover mit dem Bus Richtung Emden starten kann.

Ähnliche Artikel