Arbeitsmarkt Emden  Ems-Achse plant Fachkräfte-Offensive um ausländische Mitarbeiter

| | 06.12.2023 13:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Geschäftsführer der Ems-Achse, Dr. Dirk Lüerßen, sucht auch für Emden Arbeitskräfte im Ausland. Foto: Schuurman
Der Geschäftsführer der Ems-Achse, Dr. Dirk Lüerßen, sucht auch für Emden Arbeitskräfte im Ausland. Foto: Schuurman
Artikel teilen:

Die Ems-Achse will Personal in Südafrika, Mexiko, Vietnam und Rumänien werben. Dafür steigen die Mitgliedsbeiträge bei der Ems-Achse auch für Emden.

Emden - „Alles, was wir tun, reicht vor dem demografischen Wandel nicht aus.“ Eigentlich wäre mit dieser Aussage des Geschäftsführers der Ems-Achse, Dr. Dirk Lüerßen, alles zum Fachkräftemangel gesagt. Doch, da sich der Verbund neben der Lobbyarbeit und Vernetzung der regionalen Wirtschaft und Verbände längst dieses Themas angenommen hat, lässt er nicht locker und legt jetzt noch eine Schippe drauf. Die Ems-Achse startet eine massive Fachkräfte-Offensive im Ausland. Nicht zuletzt auch zugunsten des Arbeitsmarktes in Emden.

Das ist aber nicht umsonst. „Wir wollen vor allem zur Generierung ausländischer Arbeitskräfte die Beiträge erhöhen“, sagte Dirk Lüerßen. Der Geschäftsführer der „Wachstumsregion Ems-Achse“ warb am Dienstagabend vehement für diese Offensive im Emder Ratsausschuss für Wirtschaft, Hafen, Tourismus und Digitales. Einstimmig wurde im Anschluss der Jahresbeitragserhöhung der Stadt Emden zur Ems-Achse um 6500 Euro auf 46.500 Euro zugestimmt. Im Schnitt zahlen alle Städte und Gemeinden von Spelle bis Emden 39 Prozent mehr im Jahr an die Ems-Achse, erstmals nach Einwohnerzahl gestaffelt. Es sei im Übrigen die erste Beitragsanpassung seit 2011. Und sie diene auch der Unabhängigkeit von Fördermitteln und der Verlässlichkeit für die Mitarbeiter.

Vier favorisierte Länder für die Akquise

Vorrang habe aber die Fachkräfte-Kampagne, so Lüerßen. „Wir wollen ein paar Dinge als Pilotprojekt ab 2024 ausprobieren“, kündigte er an. Konkret ist er mit seinem Team längst in der Planung dafür. Am Dienstagabend kam Lüerßen frisch aus Südafrika zurück. Eines von vier favorisierten Ländern, in denen die Ems-Achse Fachkräfte für die hiesige Region werben will. Außerdem stehen noch Mexiko, Vietnam und Rumänien auf der Liste favorisierter Länder. Dort sehe man vergleichbare Standards in der Ausbildung mit Deutschland, wenngleich das hiesiger duale System einzigartig sei.

In Südafrika beispielsweise werde jeder Beruf auf privaten Universitäten studiert. Auch Berufe aus dem Gastro-Gewerbe. Inbegriffen seien Praxis-Semester, die genauso gut in Deutschland absolviert werden könnten. „350 Studenten aus einem Jahrgang - so viele Bewerber hatten wir lange nicht mehr“, deutete Lüerßen das Potenzial an.

Marketing und Community wichtig

Um dieses abschöpfen zu können, gelte es aber auch, die Konkurrenz anderer Regionen auszustechen. „Wir brauchen mehr Marketing“, sagte Lüerßen. „Denn wenn wir von Norddeutschland sprechen, meinen die Bewerber Hamburg und Bremen, sie meinen nicht Lingen, Emden, Wittmund.“ Und so werbe man von vornherein in ländlichen Regionen dieser vier favorisierten Länder, um angehende Fachkräfte langfristig zu binden und damit die Erfolgsquote zu erhöhen.

Erfolgversprechender sei es auch, gleich 150 oder mehr Mitarbeiter aus einer Region zu werben, um Zusammenhalt für die Mitarbeiter zu schaffen. „Community ist wichtig“, sagte Lüerßen. Andernfalls würden diese Mitarbeiter schnell in die Metropolen abwandern, wo sie auf mehr Menschen ihres Herkunftslandes treffen.

Willkommenskultur schaffen

Und Lüerßen nimmt auch Arbeitgeber in die Pflicht. „Sie müssen zu dem Integrationsprojekt bereit sein“, sagte er. Heißt: Sie müssen Wohnungen stellen, vielleicht ein Boardinghouse, eine Willkommenskultur schaffen. Was wann wie nötig ist, auch darüber berät die Ems-Achse Untenehmen, unterstützt neben der Vermittlung bei behördlichen Dingen etwa den Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen.

Neben Fachkräften aus den vier besagten Ländern seien aber auch andere willkommen, so Lüerßen. „Das eine tun heißt nicht, das andere auszuschließen.“ Andererseits warnte er vor Hoffnungen, alle Geflüchteten hier in qualifizierte Arbeit bringen zu können. „Der eritreische Analphabet ist nicht zu vergleichen mit denen, die in ihrem Heimatland für einen Deutschkurs bezahlt haben.“

Ostfriesland punktet mit Sicherheit

Dass die Fachkräfte-Offensive der Ems-Achse in den vier ausgewählten Ländern erfolgreich sein werde, davon ist Lüerßen überzeugt. Von Vorteil sei, dass die Ems-Achse nicht gewinnorientiert arbeiten müsse wie Recruiting-Unternehmen. Außerdem punkte man mit der Sicherheit im ländlichen Raum Ostfrieslands und dem Emsland. „Sicherheit ist in Mexiko oder Südafrika ein großes Thema.“

Und je weiter entfernt das Ausland, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die angeworbenen Arbeitskräfte dauerhaft hier eine neue Heimat finden. Auch vor dem Hintergrund, dass auch mittelfristig in diesen Herkunftsländern mit keiner Verbesserung der Ausgangssituation zu rechnen sei. Anders vielleicht in Rumänien. Doch dieses Land punkte bei der Fachkräfte-Nachfrage, weil es aufgrund des EU-Status keine sonderlichen bürokratischen Hürden gibt, so Lüerßen.

FDP-Ratsherr Erich Bolinius fragte noch nach dem Arbeitskräfte-Potenzial ukrainischer Flüchtlinge. Immerhin würden in den Niederlanden 80 Prozent der Ukrainer arbeiten, während es in Deutschland nur 20 Prozent seien. Lüerßen verwies auf den hohen internationalen Standard im Nachbarland, in dem beinahe alle englisch sprechen und es somit leichter falle, Flüchtlinge zu integrieren. „Die Niederländer sind da schon weiter“, so Lüerßen. Mittelfristig werde man hier aber auch bis zu 70 Prozent in Arbeit bringen können. „Es tut sich da gerade eine Menge.“

Ähnliche Artikel