Vor- und Nachteile  So werden die Schulvarianten für die Krummhörn bewertet

| | 14.12.2023 16:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Wurde nun erstmals veröffentlicht: der ausformulierte Entwicklungsplan für die Schulen und Kitas in der Krummhörn. Foto: Hock
Wurde nun erstmals veröffentlicht: der ausformulierte Entwicklungsplan für die Schulen und Kitas in der Krummhörn. Foto: Hock
Artikel teilen:

Der nun veröffentlichte Schulentwicklungsplan für die Gemeinde Krummhörn beinhaltet auch eine Bewertung beider diskutierter Varianten. Wir fassen die wichtigsten Punkte zusammen.

Krummhörn - Wie geht es weiter mit den Grundschulen und Kitas in der Gemeinde Krummhörn? Darum wird es unter anderem auf zwei Podiumsdiskussionen gehen, die am Dienstag, 9. Januar 2024, und am Montag, 15. Januar 2024, in Pewsum stattfinden. Weitere Informationen zum Sachverhalt hinter dem anstehenden Bürgerentscheid gibt es aber schon jetzt.

Die Gemeinde Krummhörn hat auf ihrer Internetseite krummhoern.de nun den „Kindertagesstätten- und Schulentwicklungsplan“, erstellt durch die Firma Biregio, für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Wir fassen die Kernergebnisse des mehr als 200 Seiten starken Dokuments zusammen.

Mit welcher Schülerzahl rechnet Biregio in den kommenden Jahren?

Der Schulentwicklungsplan gibt Prognosen für die kommenden Jahre ab. Auch wenn zunächst in einzelnen Gebieten mit einer Abnahme der Kinderzahlen gerechnet wird, ist die Prognose insgesamt positiv.

Biregio rechnet grundlegend damit, dass es durch frei werdenden Wohnraum zu Zuzügen von Familien und jungen Menschen kommen wird. Sollten nicht unvorhergesehene Entwicklungen, wie zum Beispiel die Schließung großer Unternehmen, kommen, „wird davon ausgegangen, dass die mittleren Jahrgangsbreiten der 0-3-Jährigen und 3-6-Jährigen von derzeit 90 kontinuierlich ansteigen und sich langfristig in einem Bereich von etwa 120 Kindern einpendeln werden“. Das entspreche einer Steigerung um rund 25 Prozent und „langfristig wären weitere Steigerungen zu erwarten“.

Für die zunehmende Anzahl an Kindern braucht es zunächst mehr Betreuungsplätze und Angebote für Kinder unter drei Jahren – und dann auch die entsprechenden Plätze in Kindergärten und Grundschulen. „Die Schulen werden sich allerdings unterschiedlich entwickeln. Während die Schulbezirke Pewsum und Loquard mit steigenden Zahlen zu rechnen haben, wird der Standort Jennelt konstant bleiben bzw. leicht schrumpfen. Der Standort Greetsiel wird mit schwankenden Schülerzahlen zu rechnen haben.“

Wie bewertet Biregio die Kitas in der Gemeinde Krummhörn?

Der Zustand der Kitas in der Gemeinde Krummhörn ist laut Biregio sehr unterschiedlich. Viele der kleineren Einrichtungen, also der „eingruppigen“, „arbeiten derzeit schon eingeschränkt beziehungsweise unter Bestandsschutz und entsprechen somit schon heute nicht den Anforderungen, die an eine zeitgemäße Kindertagesstätte gestellt werden“, heißt es im Gutachten. Hier müsste, bei Erhalt dieser Kitas, stark investiert werden.

Biregio befürchtet weitere Probleme durch den Fachkräftemangel, Organisationsprobleme bei vielen kleinen Einrichtungen und Probleme bei der Umsetzung des verpflichtenden Ganztagsangebots. „Aus Sicht der Gutachter ist der Status quo nicht haltbar: Die Sanierungskosten übersteigen den Nutzen der kleinen, nicht ganztagsfähigen Einrichtungen zum Teil deutlich.“ Entsprechend empfiehlt Biregio die Schließung mehrerer Kitas und die Bündelung des Angebots an weniger Standorten.

Wie bewertet Biregio die Schulen?

Biregio schlägt, ähnlich wie bei den Kitas, auch die Neuordnung der Grundschullandschaft vor. Hintergrund sei hier vor allem, dass allein „schulrechtlich“ die Notwendigkeit aufgrund der zwar steigenden, aber für vier Grundschulstandorte dennoch zu niedrigen Schülerzahlen bestehe. „Das Land verlangt zur Errichtung bzw. zum Erhalt eines Grundschulstandorts eine planerische Mindestzahl von 24 Kindern pro Jahrgang, in der Summe entspricht dies 96 Kindern an einer einzügigen Grundschule. In Greetsiel und Loquard werden diese Zahlen nicht erreicht“, so die Gutachter.

Hinzu komme, dass die Kriterien für eine flächendeckende Ganztagsbetreuung „nach Ansicht der Gutachter an einzügigen Standorten nicht machbar sein“ wird. Es wird entsprechend die Schließung beziehungsweise Umnutzung der Grundschulen Greetsiel und Loquard empfohlen.

Was sagen die Gutachter zur CDU/SWK-Variante?

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Gutachter ihre eigene Variante bevorzugen. Laut Schulentwicklungsplan sei der „Erhalt aller Schulstandorte“ laut Landesschulbehörde „voraussichtlich nicht genehmigungsfähig“. Dem trägt auch das Bürgerbegehren, über das Ende Januar entschieden wird, Rechnung. Der von CDU und SWK eingebrachten Lösung folgend wird hier die Schließung beziehungsweise Umnutzung der Grundschule Jennelt empfohlen.

Folge man dieser Empfehlung, würden die Schülerzahlen in Greetsiel und Loquard durch neue Schulbezirke wachsen. Beide Schulen bieten bislang Platz für eine Klasse pro Jahrgang. Bei steigenden Schülerzahlen müssten laut Gutachten mehr Klassen gebildet werden. Dies sei räumlich an beiden Schulen „nicht oder nur auf Kosten von Ganztags- beziehungsweise Fachräumen“ möglich. Absehbar müsste die Grundschule in Pewsum die Mehrbedarfe abdecken.

Dies könne Biregio ebenso wenig empfehlen, wie die Beibehaltung aller Kitas. Zudem sieht Biregio die Konzentration der Betreuungsplätze für unter Dreijährige in Jennelt kritisch. Dies wäre eine Folge der Umnutzung der bisherigen Grundschule. Zwei Drittel der vorhergesagten Bedarfe würden dann über diesen Standort gedeckt. Allerdings: „Bei drei U3- und zwei Ü3-Gruppen würden aber voraussichtlich nicht alle Kinder, die in Jennelt U3 betreut werden, auch einen Ü3-Platz in Jennelt erhalten können, da weniger Kinder den Kindergarten verlassen als aus der Krippe in den Kindergarten wechseln.“

Was empfiehlt Biregio?

Die Gutachter sehen ihre Variante als zukunftsfähiger an. Aber so oder so, das wird abschließend betont, müsse eine Entscheidung her. Eine „Neuorientierung der Bildungslandschaft“ sei unumgänglich. „Bei beiden Varianten ist von einer Umsetzungsdauer von rund zehn Jahren auszugehen, das heißt kein heutiges Schulkind wäre von den Maßnahmen betroffen“, so Biregio. „Es geht bei dieser Entscheidung darum, wie die Bildungslandschaft in zehn Jahren aussehen soll, damit sie den Bedarfen der zukünftigen und zum Großteil noch nicht in der Krummhörn ansässigen Familien gerecht wird.“

Die Gutachter empfehlen, beide Varianten „sorgfältig“ gegeneinander abzuwägen. Der Entwicklungsplan könne hier als Grundlage dienen.

Ähnliche Artikel