Spediteure und Bauern im Gespräch Protestieren ostfriesische Lastwagen bald Seit’ an Seit’ mit Traktoren?
Wenn die Bauern mit ihrem Protest gegen die Bundesregierung ein generalstreikartiges Ausmaß erreichen wollen, brauchen sie Unterstützer wie die Spediteure. Deren Verband erwägt eine Beteiligung.
Ostfriesland/Oldenburg/Berlin - Die Spediteure fahren den Landwirten bei deren Protest gegen die Bundesregierung nicht blindlings hinterher. Man müsse vorsichtig sein, mit wem man es bei Aktionen zu tun habe, sagt Hajo Agena, der Geschäftsführer der Bezirksgruppen Oldenburg und Aurich-Ostfriesland im Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN). „Wir befinden uns zurzeit in Abstimmung mit einem anderen Verband um gegebenenfalls gemeinsam zu agieren“, teilte er am Freitagmorgen auf Anfrage unserer Redaktion mit – im Anschluss an die Gespräche meldete er sich telefonisch.
Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) und der Deutsche Bauernverband seien sich „sehr nahe gekommen“, berichtete Agena. Es gehe um eine Beteiligung der Spediteure an der Großdemonstration am 15. Januar in Berlin, die der Bauernverband zum Abschluss und als Höhepunkt einer Aktionswoche mit dem Deutschland-Verein von „Land schafft Verbindung“ plant. Diese Bauern-Bewegung „Land schafft Verbindung“ hat bisher weder auf Ostfriesland- noch auf Bundesebene auf Anfragen unserer Redaktion vom Donnerstag reagiert.
Eine Demo in Berlin ist für ostfriesische Spediteure kostspielig
Mit dem Deutschen Bauernverband haben die Spediteure einen Akteur ausgemacht, der für eine Protest-Kooperation infragekommen könnte, wie aus den Ausführungen von Bezirksgeschäftsführer Agena hervorgeht. Allerdings gibt es auch Spediteure, die von Bauern mit ihren Trecker-Blockaden verärgert wurden – weil sie mit ihren Lastwagen deshalb stundenlang im Stau standen, wie Agena von einem Betroffenen berichtet. Der Deutsche Bauernverband distanziere sich aber „von solchen Maßnahmen“.
Es geht aktuell um ein Beteiligung an der Großdemo in Berlin und nicht etwa an den dezentralen Protestaktionen, die der Bauernverband bundesweit für den 8. Januar angekündigt hat. Das ist für die Spediteure kostenmäßig nachteilig. Alleine die Fahrt einer Zugmaschine von Ostfriesland nach Berlin koste fast 1000 Euro an Sprit, Maut und Verschleiß, rechnet Hajo Agena „über den dicken Daumen“ vor. Dabei sei der Fahrermangel zu berücksichtigen, wenn sich nicht gerade der Chef selbst entschließe, zur Demo zu fahren.
Schlagen die Spediteure nach Weihnachten sprichwörtliche Pflöcke rein?
Hinzu komme, dass die Sattelzüge in der Regel mit Transporten ausgelastet seien. So dass im Falle einer Demo-Beteiligung Einnahmen wegfallen würden. Sofern sich der BGL überhaupt dem Bauernverband anschließe, ist laut Agena also nicht damit zu rechnen, dass in Berlin ähnlich viele Lastwagen wie Traktoren auffahren.
Auf die Schnelle, also vor Weihnachten, wollten sich die Spediteursvertreter nicht auf eine Beteiligung an den Bauernprotesten festlegen lassen. Nach Weihnachten gebe es weitere Gespräche, so Agena – „zwischen den Jahren“ würden dann „Pflöcke eingeschlagen, falls es passt“. Der Bezirksgeschäftsführer fügte seine persönliche Meinung hinzu: „Ich hoffe, dass es passt.“
Spediteure könnten gegen Wettbewerbsverzerrung demonstrieren
Grund, gegen die Politik der Bundesregierung zu demonstrieren, gibt es auch im Transportgewerbe. Hajo Agena nannte „die doppelte Kohlenstoffdioxid-Besteuerung“ als Beispiel. Einerseits müssten Spediteure dafür im Rahmen der Maut zahlen, andererseits an der Tankstelle. Im Vergleich mit anderen Ländern stelle das eine Wettbewerbsverzerrung zum Nachteil deutscher Transportunternehmen dar.
Agena stellt vorsorglich klar: „Zum Generalstreik würden wir nie aufrufen.“ Wenn, dann gehe es um die Teilnahme an einer Demonstration.
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