Analyse Wie zuverlässig sind die Kostenschätzungen in der Krummhörn?
Ende Januar geht es um die Zukunft von Kitas und Grundschulen in der Krummhörn – und ums Geld. Dabei ist gerade der Punkt mehr als ungewiss.
Krummhörn - Es sind nur noch wenige Wochen, bis die Krummhörner Bürgerinnen und Bürger über die Zukunft der Grundschulen und Kitas in der Gemeinde entscheiden müssen. Am Sonntag, 28. Januar 2024, müssen die Krummhörner ähnlich wie bei einer Wahl ein Kreuzchen machen. Nur statt über den Gemeinderat zu entscheiden, wird das Kreuzchen über die künftige Gestaltung der Bildungslandschaft entscheiden.
Dabei wird es auch um die Kosten gehen. 17,2 Millionen Euro für den gefassten Beschluss (Biregio-Variante) oder zwischen 19,35 Millionen Euro und 21,18 Millionen Euro für das Ansinnen des Bürgerentscheids (CDU/SWK-Variante). Die Kosten werden sich aber aller Voraussicht nach noch deutlich ändern. Wie wir zu dieser Einschätzung gelangen, zeigen wir anhand einer Analyse. Bei einer Analyse handelt es sich – ähnlich wie bei einem Kommentar – um einen Meinungsbeitrag.
Schätzungen bleiben Schätzungen
Tatsache ist: So genau kann das niemand beantworten. Das liegt nicht nur daran, dass bei der CDU/SWK-Variante die Frage offen bleibt, ob die Kitas in Pilsum, Greetsiel, Eilsum, Uttum und Visquard nicht doch aufgegeben werden. Das liegt auch daran, dass die Kostenschätzungen eben nur das sind: Schätzungen.
Das zeigt sich deutlich in der Auflistung zur Biregio-Variante. Hier wird die Sanierung der Grundschule Jennelt mit 4,1 Millionen Euro veranschlagt. Zumindest Jenneltern sollte diese Zahl entfernt bekannt vorkommen: Als es nur um Sanierung oder Neubau der Grundschule Jennelt ging, wurde die Sanierung stets mit 4,8 Millionen Euro angegeben. „Bei einer Sanierung würde die Schule zurück in den Rohbau versetzt und anschließend wiederaufgebaut“, hieß es dazu beispielsweise im Mai 2021. Ein Neubau wurde mit rund 8,3 Millionen Euro veranschlagt.
Jennelt plötzlich günstiger?
Das Problem: 2021 waren die Kostenschätzungen für Jennelt bereits zwei Jahre alt. Sie stammen allesamt aus dem Jahr 2019, als die Diskussion um die Zukunft der Grundschule Jennelt das erste Mal Fahrt aufnahm. Jetzt, wieder ein paar Jahre später, ist eine Sanierung von Jennelt plötzlich knapp 700.000 Euro günstiger – trotz überall steigender Preise.
Nun lässt sich argumentieren, dass die neue Sanierung andere Schwerpunkte setzt als die, die seit 2019 in der Diskussion war. Aber dennoch tut man wahrscheinlich gut daran, die Jennelter Schätzung mit einem Fragezeichen zu versehen. Das wird durch eine weitere Äußerung aus 2021 noch deutlicher: Auf 20 Jahre gerechnet wird die Variante Neubau aufgrund von Zinsen, Unterhaltungskosten und so weiter insgesamt rund 12,5 Millionen Euro kosten, die Sanierung rund 9,2 Millionen. Das ergab damals eine Wirtschaftlichkeitsprüfung. 2021 sprach sich die Politik, zumindest im Ausschuss, übrigens noch für einen Neubau der Grundschule Jennelt aus. Dies wurde aber nie offiziell beschlossen.
Gewissheit frühestens in zehn Jahren
Das gilt allerdings genauso für alle anderen Kostenschätzungen. Denn wie Biregio vor mehreren Monaten in einem Gespräch erklärte: Bei beiden Varianten umfassen die Kostenschätzungen nur die Umbau- beziehungsweise Neubaukosten für die Gebäude. Weitere Kosten, neben möglichen Baukosten für Parkplätze oder Veränderungen von Straßenführungen auch Planungskosten oder eventuell nötiger Grunderwerb für die neue Kita-Süd, sind weder bei der Biregio-Variante noch bei der CDU/SWK-Variante eingeplant.
Auch die beispielhaft bei Jennelt benannten weiteren Kosten sind in keiner der beiden Varianten veranschlagt. Wie viel Geld die Gemeinde im Endeffekt tatsächlich in den kommenden zehn Jahren investieren muss, kann für keine Variante mit absoluter Bestimmtheit gesagt werden. Das gilt aber auch für den Fall von Kostensenkungen. Ein Beispiel: Offen ist, was bei eventuellen Schließungen von Kitas mit Gebäuden und Grundstücken geschieht. Sollten diese beispielsweise verkauft werden, könnten hier wieder zusätzliche Gelder generiert werden.
Wie teuer welche Variante im Endeffekt geworden ist, das wird man wahrscheinlich erst in zehn bis 20 Jahren mit Bestimmtheit sagen können.