Bürgerentscheid  Das steht in der Infobroschüre für die Krummhörn

| | 28.12.2023 07:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Gemeinde hat Informationen zum Bürgerentscheid hochgeladen. Foto: Weiden
Die Gemeinde hat Informationen zum Bürgerentscheid hochgeladen. Foto: Weiden
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Im Januar sollen alle Wahlberechtigten in der Gemeinde Krummhörn eine Infobroschüre zum Bürgerentscheid bekommen. Der Entwurf liegt dieser Zeitung vor. Das steht drin.

Krummhörn - 16 Seiten umfasst die Broschüre, mit der die Wahlberechtigten in der Gemeinde Krummhörn über den Bürgerentscheid am 28. Januar 2024 informiert werden sollen. Die Broschüre soll jetzt gedruckt werden. Wir fassen die wichtigsten Punkte zusammen.

Über welche Frage wird abgestimmt?

Von 8 bis 18 Uhr können die wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger der Krummhörn am 28. Januar abstimmen. Das Verfahren zum Bürgerentscheid ist vergleichbar mit einer Kommunalwahl. Der Unterschied: Zur Abstimmung stehen keine Parteien und keine Politiker, sondern eine zentrale Frage. Wer abstimmt, muss sein Kreuzchen bei „Ja“ oder „Nein“ setzen.

Die Frage des Bürgerentscheides ist folgende: „Sind Sie dafür, dass der Ratsbeschluss vom 06.07.2023 aufgehoben wird und stattdessen drei Grundschulstandorte in Pewsum, Greetsiel und Loquard sowie alle Kindertagesstätten (Vorschlag der CDU/S.W.K) erhalten bleiben?“

Was bedeutet ein „Ja“ und was ein „Nein“?

In der Broschüre stellt die Gemeindeverwaltung fest, dass die Beantwortung der Frage „einen erheblichen Einfluss auf die zukünftige Ausrichtung der Betreuungs- und Bildungslandschaft in der Gemeinde Krummhörn“ hat.

Wer beim Bürgerentscheid mit „Ja“ stimmt, stimmt gegen den Gemeinderatsbeschluss und spricht sich für die Umsetzung der sogenannten CDU/SWK-Variante aus.

Wer beim Bürgerentscheid entsprechend mit „Nein“ stimmt, spricht sich gegen das Anliegen des Entscheides und für den gefassten Ratsbeschluss aus.

Wie werden die Varianten umrissen?

Die sogenannte Biregio-Variante, die bei einem überwiegenden „Nein“ beim Bürgerentscheid umgesetzt wird, wird wie folgt beschrieben: „Erhalt der Grundschulstandorte Jennelt und Pewsum. Aufgabe der Grundschulstandorte Greetsiel und Loquard und Umnutzung dieser Grundschulen in Orte frühkindlicher Bildung (KiTa`s). Sanierung für eine 3-zügige GS in Pewsum und Sanierung des Standortes Jennelt für 2 Züge. Aufgabe der kleinen, nicht entwicklungsfähigen, KiTa’s. Bei Umsetzung dieser Variante wird mit Kosten in Höhe von 17,2 Millionen Euro gerechnet.

Die sogenannte CDU/SWK-Variante, die bei einem überwiegenden „Ja“ beim Bürgerentscheid umgesetzt wird, wird wie folgt beschrieben: „Erhalt der Grundschulstandorte Pewsum, Loquard und Greetsiel. Aufgabe des Grundschulstandortes Jennelt. Erhalt, ggf. Sanierung, aller KiTa-Standorte (auch derjenigen Einrichtungen ohne Erweiterungsperspektive). Umbau/Umrüstung der Grundschule Jennelt zum KiTa-Standort (Ganztagsbetreuung und Krippengruppe).

Und was ist mit den Kitas?

Ein Kommentar von Claus Hock Die Broschüre der Gemeinde Krummhörn ist in einem Punkt erstaunlich: Wieder spielen die Kindertagesstätten in der Gemeinde nur eine untergeordnete Rolle. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Diskussion. Mehrere Kitas sind, bei der Biregio-Variante definitiv und bei der CDU/SWK-Variante vielleicht, von der Schließung betroffen.

Das scheint aber niemanden so wirklich zu interessieren. Thematisiert werden die Kitas kaum, Elternvertreter melden sich nicht zu Wort und auch auf Anfragen dieser Zeitung wurde in der Vergangenheit nur sporadisch reagiert. In der Broschüre nennt man nun tatsächlich keine einzige von der Schließung betroffene Kita beim Namen. Das ist zumindest erstaunlich, wirft aber auch kein gutes Licht auf die Gemeindeverwaltung. Dafür, dass laut Bedarfsanalyse vor allem der Kitabereich seine Defizite hat, konzentriert sich die Diskussion erstaunlich stark auf die Grundschulen. Es bleibt abzuwarten, ob das der Gemeinde noch auf die Füße fällt.

Bei Umsetzung dieser Variante rechnen die Initiatorinnen mit Kosten in Höhe von 14,13 Millionen Euro. Vom Fachplaner wird bei dieser Variante zusätzlich ein KiTa-Neubau für 7,05 Millionen Euro in der südlichen Krummhörn für notwendig erachtet. Damit ergeben sich Gesamtkosten in Höhe von 21,18 Millionen Euro.

Die Notwendigkeit eines KiTa-Neubaus in der südlichen Krummhörn wird von den Initiatorinnen des Bürgerbegehrens/Bürgerentscheides bestritten.

In welcher Situation ist die Gemeinde?

In der Gemeinde Krummhörn gibt es aktuell vier Grundschulen, zwölf „reguläre“ Kindertagesstätten, einen „Sprachheilkindergarten (nur für Kinder mit speziellem Sprachförderbedarf) und eine Tagesbetreuungsstelle (Tabs)“.

Die Grundschulen in Pewsum und Jennelt sind baulich sanierungsbedürftig, dafür aber schon mit Mensen auf das verpflichtende Ganztagsangebot vorbereitet. Die Grundschulen Loquard und Greetsiel sind baulich in einem besseren Zustand, haben dafür bislang aber kein Ganztagsangebot.

Die Situation der Kitas wird nur sehr grundlegend abgehandelt. Dabei werden keine konkreten Aussagen zu einzelnen Standorten getroffen.

Die Kostenschätzungen werden nur in der Gesamtheit betrachtet.

Kommen die Befürworter der Varianten zu Wort?

Sowohl den Initiatorinnen des Bürgerentscheids als auch der Bürgerinitiative Jennelt wird in der Broschüre Platz eingeräumt. Wir geben die im Entwurf abgedruckten Stellungnahmen 1:1 wieder. In der gedruckten Fassung kann es noch zu Abweichungen kommen.

Stellungnahme der „Initiatorinnen des Bürgerbegehrens/Bürgerentscheides“

Die Gemeinde betont: "Bei den nachfolgend veröffentlichten Meinungen handelt es sich um persönliche Meinungen, für deren Inhalte ausschließlich die Verfasser:innen verantwortlich sind." Wir geben die Stellungahmen im Wortlaut des Entwurfes wider.

Weichenstellung für Familienfreundlichkeit

Die Bürger in unserer Gemeinde stehen vor der zukunftsweisenden Entscheidung, wie es in unserer Bildungslandschaft und für die Gesellschaftsentwicklung der einzelnen Dörfer weitergehen soll.

Flächengemeinde - Kurze Beine, kurze Wege

Wir als Krummhörn sind eine Flächengemeinde und haben die Wahl zwischen einer Zentralisierung unserer Grundschulen auf zwei Standorte im Abstand von ca. 5 km (Pewsum, Jennelt) oder einer sinnvollen flächendeckenden Verteilung mit kürzeren Fahrtwegen für alle mit den Schulstandorten Pewsum, Greetsiel und Loquard.

Die ökologisch und wirtschaftlich sinnvollere Variante

Dies ist auch aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht für alle Bürger die bessere Variante. Lange Wege bedeuten vor allem bei Kindergartenkindern hohe finanzielle Belastungen für die Familien, da die Gemeinde hierfür keine gemeinschaftlichen Transportmöglichkeiten bieten muss. Da es bei Kindergärten keine Einzugsgebiete gibt, kann die Verwaltung auch Kindern in weit entfernten Kindergärten Plätze zuweisen. Zwei große Einrichtungen in Greetsiel und Loquard (bis zu 125 Kinder pro Einrichtung) würden zwangsläufig dazu führen, dass Familien gezwungen sind, weite Strecken zurückzulegen und Kinder nicht mehr mit Nachbarskindern und Freunden in eine Einrichtung gehen können.

Kein Sanierungsbedarf bei den zukunftssicheren Schulen Greetsiel und Loquard

Bei dieser Variante bleiben die zukunftssicheren und ganztagsfähigen Grundschulen in Greetsiel und Loquard erhalten. Diese beiden Gebäude sind in einwandfreiem Zustand und benötigen keinerlei Investitionen. Außerdem sind sie mit ihrer Einzügigkeit gerade für Kinder mit größerem Unterstützungsbedarf perfekt. Jedes Kind wird dort schon jetzt individuell betreut und gefördert. Inklusion kann dort optimal umgesetzt werden.

Schulen in Greetsiel und Loquard – familiäre, bessere und gesicherte Betreuung

Die beiden Schulen sind Lernorte, die einen geschützten familiären Rahmen bieten. Wie Erfahrungen aus anderen Gemeinden zeigen, sind diese kleinen Schulen auch gut aufgestellt in Bezug auf Unterrichtsabdeckung und Vermeidung von Unterrichtsausfällen.

Erhalt des Dorflebens durch den Erhalt aller Kindergärten

Für die einzelnen Dörfer würde bei dieser Variante das Dorfleben geschützt und erhalten werden, dadurch dass kein Kindergarten geschlossen wird. Die Kindergärten tragen maßgeblich zum Gemeinschaftsleben in den Dörfern bei und sorgen für Zuzug junger Familien. Nur durch diesen Zuzug bleiben auch die Kinder- und Jugendfeuerwehren, die Sportvereine und kirchlichen Einrichtungen am Leben. Fällt dies alles weg, sind diese Dörfer nur noch für Touristen attraktiv.

Attraktivität der Dörfer für junge Familien

Die bisher gute und dezentralisierte Bildung und Betreuung soll erhalten und ausgebaut werden. So bleiben die kleineren Dörfer für junge Familien und somit auch für wichtige Fachkräften interessant. Bei dieser Variante und mit allen zur Zeit verfügbaren Informationen, ist der Einschnitt in die Betreuungs- und Bildungslandschaft deutlich geringer und für die Gemeinde Krummhörn insgesamt dadurch die bessere. Es geht bei diesem Thema schließlich um die Krummhörn als Ganzes und nicht um einzelne Standorte.

Stimmen Sie am 28.01.2024 mit JA, um alle Kindergärten, 3 von 4 Schulen und somit alle Dörfer am Leben zu erhalten!

Kontaktdaten

Gerne stehen wir Ihnen bei Fragen zur Verfügung. Wenden Sie sich direkt an die Initiatoren des Bürgerbegehrens:

Stefanie Doolmann: st.doolmann@gmx.de

Melanie Remijn: m.remijn83@gmail.com

Stellungnahme der „Bürgerinitiative zum Erhalt der Grundschule Jennelt“

Die Gemeinde betont: "Bei den nachfolgend veröffentlichten Meinungen handelt es sich um persönliche Meinungen, für deren Inhalte ausschließlich die Verfasser:innen verantwortlich sind." Wir geben die Stellungahmen im Wortlaut des Entwurfes wider.

Für eine moderne und zukunftsfähige Betreuungs- und Bildungslandschaft in der Krummhörn

Liebe Krummhörnerinnen und Krummhörner, in unserer Gemeinde steht eine wegweisende und sehr wichtige Entscheidung an: Welche Bildungs- und Betreuungsmöglichkeiten möchten wir unseren Kindern in Zukunft bieten? Wir von der ‚Bürgerinitiative für den Erhalt des Grundschulstandortes in Jennelt‘ befürworten den im Sommer 2023 gefassten Ratsbeschluss. Die dort vorgesehenen Schließungen kleinerer Einrichtungen empfinden auch wir als schmerzhaft. Gleichwohl sind wir der Auffassung, dass nur dadurch die Bildungslandschaft in der Krummhörn zukunftsfähig aufgestellt werden kann.

Warum? Hier sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Ist die aktuelle Bildungslandschaft in der Krummhörn noch zukunftsfähig?

Die Struktur an Grundschulen und Kindertagesstätten in der Krummhörn ist nicht mehr zukunftsfähig. Für eine verlässliche Unterrichtsversorgung und für die ab 2026 verpflichtend vorgeschriebene Ganztagsbetreuung ist eine Bündelung der Einrichtungen unumgehbar. Dies gilt auch mit Blick auf die Anzahl sowie die notwendigen Kompetenzen der zu wenigen Fachkräfte an Lehrenden und Erziehenden. Wir nehmen ernst, dass viele Eltern eine KiTa und/oder eine Grundschule im eigenen oder im benachbarten Ort bevorzugen. Allzu kleine Standorte werden jedoch kaum in der Lage sein, dem Anspruch auf eine tägliche Ganztagsbetreuung mit einem geeigneten Angebot zu entsprechen. Wir befürchten, dass eine Entscheidung zugunsten der vorhandenen Kleinteiligkeit nachteilig für die Bildungsmöglichkeiten unseres Nachwuchses ist.

Wie sind die zukünftigen Bedarfe?

Die Entscheidung darüber, beim Bürgerentscheid mit ‚JA‘ oder ‚NEIN‘ zu stimmen, darf keinesfalls aus dem Bauch oder dem Herz heraus getroffen werden. Die Anzahl der Eltern, die auf eine frühzeitige, verlässliche sowie ganztägige Betreuung ihres Kindes /ihrer Kinder angewiesen sind, ist bereits jetzt hoch und wird aller Voraussicht nach weiter steigen. Dieser Umstand sollte nach unserer Auffassung das wichtigste Kriterium für den bevorstehenden Bürgerentscheid sein.

Warum sind kleine Schulen nicht mehr zukunftsfähig?

Kleine Schulen wie in Greetsiel und Loquard werden zunehmend Probleme bei der Personalgewinnung sowie eine hohe Anfälligkeit bei Ausfällen des zur Verfügung stehenden Personals bekommen. Zudem müssten die Räumlichkeiten für die Ganztagsbetreuung an diesen Standorten mit großem Kostenaufwand erst noch geschaffen werden; in Jennelt und Pewsum hingegen sind sie zum großen Teil vorhanden. Die Entscheidung von (auch werdenden) Eltern über ihren Wohnsitz wird künftig nicht allein vom Vorhandensein eines Kindergartens und gar einer Grundschule im Ort oder in unmittelbarer Nachbarschaft ihres Ortes bestimmt sein. Vorrangig ist eine optimale, zeitgemäße und pädagogisch wertvolle Betreuung.

Warum darf die Grundschule Jennelt nicht geschlossen werden?

Stimmen Sie bei dem Bürgerentscheid mit ‚JA‘, dann stimmen Sie gegen den Erhalt der Grundschule Jennelt. Die zweitgrößte Grundschule in der Krummhörn war und ist pädagogisch stets wegweisend - ob in der inklusiven Beschulung oder in der Ganztagsbetreuung. Eine Umwandlung der Schule in eine XXL-KiTa ist durch Grundriss und Raumaufteilung des Gebäudes nicht geeignet. Darum ist eine Schließung dieser Schule unbedingt zu verhindern!

Was ist uns wichtig für die zukünftige Bildungslandschaft in der Krummhörn?

Einige der derzeit noch vorhandenen Kindergärten in den Orten der Krummhörn sind aufgrund ihrer räumlichen Gegebenheiten dem künftigen Bedarf nach verlängerten Öffnungszeiten und Ganztagsbetreuung nicht gewachsen. Es tut weh, sie aufzugeben und in eine größere Einrichtung zu überführen. Es kann aber nicht der richtige Weg sein, in diese Einrichtungen noch zu investieren. Eine spätere „Nachrüstung“ wäre weder pädagogisch noch finanziell zu verantworten. Die Standorte und Raumaufteilung der Schulgebäude in Loquard und Greetsiel sind für eine Umwandlung wesentlich besser geeignet, als das Schulgebäude in Jennelt. Die beiden Grundschulen in Pewsum und Jennelt sollen entsprechend der Bedarfe umfassend saniert werden, um den derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen gerecht zu werden.

Wir appellieren deshalb: Stimmen Sie beim Bürgerentscheid mit ‚NEIN‘! Damit setzen Sie sich für eine moderne und zukunftsfähige Betreuungs- und Bildungslandschaft unserer Kinder in der Krummhörn ein.

Kontaktdaten

Sie haben weitere Fragen? Wir stehen jederzeit für Gespräche zur Verfügung. Melden Sie sich gerne per Mail an juttalerche@web.de oder an johannes.booken@me.com und wir treten zeitnah mit Ihnen in Verbindung.

Wie viele Stimmen braucht es?

Die Gemeinde formuliert es so: „Der Bürgerentscheid ist verbindlich, wenn die Mehrheit der abgegebenen und gültigen Stimmen auf ‚Ja’ lautet und diese Mehrheit mindestens 20 Prozent der bei der letzten Kommunalwahl wahlberechtigten Einwohner:innen beträgt.“ Dies entspreche 2.056 Ja-Stimmen.

Bei Stimmengleichheit oder wenn zuvor genannte Bedingungen nicht eintreffen, gilt der Bürgerentscheid als abgelehnt. Ein verbindlicher Bürgerentscheid könne grundsätzlich zwei Jahre lang nicht abgeändert werden, es sei denn auf Antrag des Gemeinderates wird ein neuer Bürgerentscheid initiiert, erklärt die Verwaltung.

Wenn die Mehrheit der gültigen Stimmen auf „Nein“ lautet oder die notwendige Anzahl an „Ja-Stimmen“ nicht vorliegt, ist der Gemeinderatsbeschluss vom 6. Juli 2023 unverzüglich umzusetzen.

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