Diskussion um Emder Innenstadt  Oberbürgermeister relativiert seine Pläne für den Delft

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 04.01.2024 18:23 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auf dem Papier ist die neue Flaniermeile am Delft schon fertig. Diese unverbindliche Ansicht des Planungs- und Architekturbüros Nexxia entstand schon vor einigen Jahren.
Auf dem Papier ist die neue Flaniermeile am Delft schon fertig. Diese unverbindliche Ansicht des Planungs- und Architekturbüros Nexxia entstand schon vor einigen Jahren.
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Tim Kruithoff hatte angekündigt, den Verkehr auf der Straße Am Delft probehalber einspurig führen zu wollen. Jetzt nimmt die Stadt erneut dazu Stellung. Und das klingt ganz anders.

Emden - Bei ihren neuen Plänen für die Verkehrsberuhigung der Innenstadt hat die Stadt Emden die jüngsten Äußerungen von Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) dazu relativiert. Verkehrsexperimente in der Straße Am Delft seien nicht geplant, heißt es in einem am Donnerstag, 4. Januar, veröffentlichten „Kommentar“ der Stadt zu einem Bericht dieser Zeitung, der am Dienstag auf oz-online.de und einen Tag später in der gedruckten Ausgabe der Ostfriesen-Zeitung erschienen ist.

Solche Versuche gebe es nur, „wenn sie von den Bürgerinnen und Bürgernausdrücklich gewünscht werden“, heißt es in der Stellungnahme von Stadtsprecherin Theda Eilers weiter. „Selbstverständlich wird es keine baulichen oder weiteren markanten Veränderungen ohne einen mehrheitlichen Ratsbeschluss geben,“ fügt sie hinzu. Kruithoff selbst ist zurzeit im Urlaub.

Mitschnitt des Gesprächs liegt der Redaktion vor

Diese Zeitung hatte zuvor berichtet, dass die Stadt in diesem Jahr den Autoverkehr auf der Straße Am Delft aus Richtung Rathausplatz kommend versuchsweise einspurig führen will. Das hatte Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) vor wenigen Tagen bei einem Ausblick auf das Jahr 2024 gegenüber unserer Redaktion angekündigt - und zwar eindeutig.

Der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff will den Verkehr in der Innenstadt beruhigen. Foto: Archiv
Der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff will den Verkehr in der Innenstadt beruhigen. Foto: Archiv

Von einem Verkehrsexperiment wollte er dabei zwar ausdrücklich nicht sprechen, fand aber keine andere Bezeichnung für das geplante Vorgehen. Stadtsprecherin Theda Eilers, die an dem Gespräch teilgenommen hatte, verwendete allerdings den Begriff „Test“. Unserer Redaktion liegt ein Mitschnitt des Gesprächs vor. Diese Audio-Datei entstand mit ausdrücklicher Genehmigung des Oberbürgermeisters.

Stadt: Verkehrsberuhigung könnte aber helfen

Offenbar unternahm Kruithoff den öffentlichen Vorstoß, ohne die Fraktionen und Gruppen des Rates vorher unterrichtet zu haben. In den sozialen Medien hagelt es bereits Kritik an dem Plan, den Verkehr auf der Straße Am Delft probeweise einspurig zu führen.

Die Stadt will den Ratsdelft und das Quartier drumherum erlebbarer gestalten. Foto: Archiv/Tobias Bruns
Die Stadt will den Ratsdelft und das Quartier drumherum erlebbarer gestalten. Foto: Archiv/Tobias Bruns

Die Stadt räumt in ihrer am Donnerstag verbreiteten Stellungnahme ein, dass eine Verkehrsberuhigung „natürlich helfen“ könne, die Innenstadt „noch lebens- und liebenswerter“ zu gestalten und deren Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Der Delft sei das „Herz unserer Innenstadt“ und Ziel der Stadt sei es, „ihn als zentralen Ort noch erlebbarer zu machen“, schreibt die Pressestelle weiter. Vorstellbar wären beispielsweise mehr Angebote für Wassersport oder Freizeitaktivitäten am Alten Binnenhafen und am Ratsdelft.

Beteiligung der Bürger und Anlieger sei „oberstes Gebot“

„Oberstes Gebot“ der Stadt sei es, so heißt es weiter, die Emderinnen und Emder sowie die Anlieger des Quartiers - das seien beispielsweise Einzelhändler, Gastronomen, Betreiber der Museumsschiffe oder Kulturschaffende - aktiv bei diesem Prozess einzubeziehen. „Wir wollen ihre Anregungen und Wünsche aufnehmen, ihre Interessen kennenlernen und erfahren, was ihnen wichtig ist“, so Eilers. Die Stadt wolle mit den Beteiligten intensiv diskutieren und sie auffordern, eigene Ideen für die künftige Gestaltung der Innenstadt einzubringen. Nur so könnten konkrete Lösungen entstehen.

Das sei „ein längerer Prozess“. Wichtig sei der Stadt aber, in einen vielseitigen Beteiligungsprozess einzusteigen und die alle Akteure über den gesamten Prozess hinweg aktiv und transparent einzubeziehen. Den Auftakt dafür soll an einem Stand während des Neujahrsempfangs am 13. Januar ab 11 Uhr in der Nordseehalle sein.

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