Auch Ostfriesen trauern um „Lichtgestalt“  Erinnerungen an Beckenbauer – mit dem „Kaiser“ im Wohnwagen

| | 09.01.2024 17:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Fünfmal standen sich Franz Beckenbauer (links) und der frühere Leeraner Sepp Piontek als Nationaltrainer gegenüber. Viermal siegte der „Kaiser“. Bei der WM 1986 aber Piontek mit Dänemark. Das Foto entstand bei einem Testspiel 1987. Foto: Imago
Fünfmal standen sich Franz Beckenbauer (links) und der frühere Leeraner Sepp Piontek als Nationaltrainer gegenüber. Viermal siegte der „Kaiser“. Bei der WM 1986 aber Piontek mit Dänemark. Das Foto entstand bei einem Testspiel 1987. Foto: Imago
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Franz Beckenbauer war der größte deutsche Fußballer aller Zeiten. Die Ostfriesen Sepp Piontek und Rolf Fuhrmann kannten ihn persönlich. Volker Ohling aus Rhauderfehn begegnete ihm auch auf dem Platz.

Leer - Der letzte deutsche „Kaiser“ ist gestorben – die Fußball-Welt trauert um Franz Beckenbauer. Der größte deutsche Fußballer aller Zeiten ist am Sonntag im Alter von 78 Jahren für immer eingeschlafen. Auch viele Ostfriesen sind von der Nachricht betroffen. Manche kannten die „Lichtgestalt“ sogar persönlich oder begegneten ihr mehrfach auf dem Fußballfeld. Mit unserer Zeitung erinnern der ehemalige Leeraner Sepp Piontek, der gebürtige Auricher Rolf Fuhrmann und der Rhauderfehner Volker Ohling an Franz Beckenbauer.

In der Bundesliga begegneten sich Sepp Piontek und Franz Beckenbauer unzählige Male, so wie hier 1969. Foto: Imago
In der Bundesliga begegneten sich Sepp Piontek und Franz Beckenbauer unzählige Male, so wie hier 1969. Foto: Imago

Der heute 83-jährige Sepp Piontek wuchs in Leer auf, lernte bei Germania das Fußballspielen und wechselte als 20-Jähriger 1960 zu Werder Bremen. Zwölf Jahre spielte der gebürtige Breslauer für Werder in der Bundesliga, trainierte den SVW noch und traf dabei in vielen Duellen auf Franz Beckenbauer, den modernen Libero. „Wir waren öfters auch mal direkte Gegenspieler. Franz war ein großartiger, fantastischer Fußballer“, sagt Piontek. Wenn Defensivmann Piontek auf den filigranen Beckenbauer traf, konnte der Norddeutsche auch mal zulangen. „;Sepp, du alter Klopper´ sagte der Franz dann manchmal“, erzählt Piontek und lacht herzlich. Nach dem Spiel sei alles vergessen gewesen. „Er war ein ganz feiner Kerl. Wir haben uns gut verstanden, auch privat.“

Mitspieler im Nationalteam

Für Dutzende Trainingseinheiten, einige Lehrgänge und wenige Länderspiele waren der Bayer und der Ostfriese sogar Mitspieler in der deutschen Nationalmannschaft. „Auch das waren schöne Zeiten mit Franz. Da durfte ich ihn als Mitspieler bewundern.“ Beckenbauer wurde kurz nach seinem 20. Geburtstag im September 1965 A-Nationalspieler, der gerade 25-jährige Piontek im März 1965. Beim WM-Qualifikationsspiel auf Zypern im November 1965 standen sie ebenso gemeinsam auf dem Feld wie im Testspiel in Nordirland kurz vor der WM 1966 in England.

Während Pionteks Nationalmannschaftslaufbahn nach sechs Partien endete, begann diese von Franz Beckenbauer in diesen Monaten so richtig. Der Kaiser nahm letztlich an drei Weltmeisterschaften teil und wurde 1974 im eigenen Land Weltmeister.

Als Piontek den „Kaiser“ besiegte

1990 folgte in Italien noch der WM-Titel als Trainer – in den Jahren zuvor hatten sich Piontek und Beckenbauer das eine oder andere Mal als Nationaltrainer gegenübergestanden oder bei Veranstaltungen getroffen. „Das waren immer nette Begegnungen mit Franz“, sagt Piontek, der in seiner Wahl-Heimat Dänemark von 1979 bis 1990 die Nationalmannschaft trainierte und bei der WM 1986 in Mexiko in der Vorrunde auch Deutschland und Teamchef Beckenbauer 2:0 besiegte. „Das hat er mir aber nie übel genommen“, sagt Piontek und lacht.

Trafen sich Dutzende Male auf und neben dem Fußballfeld: Franz Beckenbauer und Sepp Piontek. Foto: Imago
Trafen sich Dutzende Male auf und neben dem Fußballfeld: Franz Beckenbauer und Sepp Piontek. Foto: Imago

Zuletzt hatten sich die beiden vor vielen Jahren bei einem Werbetermin getroffen. Die Todesnachricht aus den Medien machte auch ihn sehr traurig. „Er war ein ganz großer Sportler und toller Mensch.“

„Ein ganz normaler Mensch“

Der gebürtige Auricher Rolf „Rollo“ Fuhrmann war mehr als zwei Jahrzehnte eines der Gesichter von Premiere und Sky. Der Fieldreporter, der auch in Ostfriesland aufwuchs und Abitur machte, lernte so auch Franz Beckenbauer kennen. Der „Kaiser“ arbeitete nämlich lange Zeit für den Bezahlsender als Experte.

Rolf Fuhrmann ist geboren und aufgewachsen in Ostfriesland, wurde später als Fußballreporter bekannt. Archivfoto: Doden/Emden
Rolf Fuhrmann ist geboren und aufgewachsen in Ostfriesland, wurde später als Fußballreporter bekannt. Archivfoto: Doden/Emden

Der in Hamburg lebende Fuhrmann erinnert sich vor allem gerne an die Anfangszeiten in den 90er Jahren zurück. „Da saßen wir in einem alten Wohnwagen an einem runden Tisch, in dem damals die Produktionsbesprechungen stattfanden und aßen belegte Brötchen“, sagt der 74-Jährige mit einem Lächeln. „Er begegnete uns wie ein ganz normaler Mensch, wie Hans Müller oder Kurt Meier – und nicht wie der größte deutsche Fußballer aller Zeiten.“

Dank an Beckenbauer

Zum „Kaiser“ pflegte „Rollo“ eine gute Beziehung. „Vielleicht habe ich ihm sogar ein bisschen meine berufliche Laufbahn zu verdanken“, berichtet der bekannte TV-Mann. Als Fuhrmann live im Außeneinsatz war und Beckenbauer mit einem Produktionsleiter im Studio, soll Beckenbauer zu diesem gesagt haben: „Der Fuhrmann stellt manchmal komplizierte Fragen – aber da kommt immer etwas dabei heraus.“ Beim 50. Geburtstag von Beckenbauer 1995 seien Fuhrmann und das kleine Premiere-Team sogar zur Feier eingeladen worden.

Franz Beckenbauer werde er als grandiosen Fußballer, Trainer, Experten, Menschen und Macher des Sommermärchens in Erinnerung behalten. „All das ist unfassbar“, so Fuhrmann. Dass die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland stattfinden konnte, sei sein Verdienst gewesen. Er habe die WM mit seinem Namen nach Deutschland geholt. Im Grunde war es Beckenbauers dritter WM-Titel. „Diese WM hat Deutschland zusammengeführt. Für das Sommermärchen bin ich ihm persönlich auch sehr, sehr dankbar.“

Ohling spielte gegen Beckenbauer

Volker Ohling aus Rhauderfehn durfte in seiner Profi-Karriere mehrfach gegen Franz Beckenbauer auflaufen. Der heute 68-jährige Offensivspieler von Werder Bremen spielte von 1973-77 für die Hanseaten und kann sich noch gut an Duelle mit dem Kaiser erinnern. „Ihn wollte ja früher kaum einer angreifen, alle hatten so einen großen Respekt vor ihm“, erklärte Ohling. Im Olympiastadion habe er mit Werder nie etwas gegen die Bayern holen können, „das waren damals ähnliche Verhältnisse wie heute. Die Münchner spielten um den Titel und wir gegen den Abstieg.“

Volker Ohling (rechts) spielte für Werder Bremen in der Bundesliga. Foto: Privat
Volker Ohling (rechts) spielte für Werder Bremen in der Bundesliga. Foto: Privat

Beckenbauer habe ihm schon häufiger den Ball abnehmen können. Auch nach Ohlings Spielerkarriere kreuzten sich noch einmal die Wege. 1984 traf die Prominenten-Elf von Uwe Seeler mit Franz Beckenbauer auf eine Nord-Auswahlmannschaft mit Volker Ohling im Marschweg-Stadion in Oldenburg. „Franz Beckenbauer bleibt mir als ganz sympathischer Mensch und Gegenspieler in Erinnerung“, so Ohling.

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