Proteste gegen Ampel-Regierung Protest-Camp in Emden – „Das wird ein Protestjahr“
Am Freitag endete das Emder Protest-Camp von „Land schafft Verbindung“. Auch wenn die Teilnehmerzahl hinter den Erwartungen zurückblieb, sind die Landwirte zufrieden.
Emden - Bereits am Freitagabend zeichnete sich ab, dass das Protest-Camp der Landwirte an der Trogstrecke hinter den Erwartungen zurück bleibt. In den Whatsapp-Gruppen gab es mehrere Aufrufe, dass sich noch mehr Menschen zum Versammlungsort begeben sollten. Es seien nicht sonderlich viele da.
Eine Beobachtung, die von Schätzungen der Polizei gedeckt wird. Am Freitagmorgen hieß es seitens der Polizeiinspektion Leer/Emden auf Nachfrage, dass am Freitag in der Spitze „ungefähr 150 Teilnehmer und 100 Fahrzeuge“ dagewesen seien. Angemeldet wurden 150 Fahrzeuge – und bis zu 500 Teilnehmer.
„Ich habe Angst um meine Existenz“
„Aber es war trotzdem eine schöne Stimmung“, sagte am Freitagnachmittag Dirk Busker im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Moormerländer Lohnunternehmer hat eine harte Protestwoche hinter sich. Am Montag und Dienstag gehörte er zu den Organisatoren, die die Blockade der Jann-Berghaus-Brücke in Leer durchführten, am Mittwoch war er dann bei einem Mahnfeuer in Veenhusen – und von Donnerstag bis Freitag in Emden.
Warum tut der Moormerländer sich das an? „Ich habe Angst um meine Existenz“, sagte er. Am Montag will er auch in Berlin bei der angekündigten Großdemonstration dabei sein. „Egal, ob ich da mit Bahn, Bus oder Auto hinfahre“, so Busker. Er erhofft sich einen Wechsel in der Politik, einen Wechsel, der es den Landwirten und auch anderen Branchen endlich ermögliche, „wieder zuverlässig planen zu können“. Die jungen Leute, Busker deutete bei diesen Worten auf seinen Sohn, „schlagen alle einen anderen Weg ein. Einen, der keine Angst vor der Zukunft mit sich bringt“.
„Das wird ein Protestjahr“
Ein Landwirt, der ebenfalls seit Tagen unterwegs ist, ist Peter Habbena aus Grimersum in der Gemeinde Krummhörn. Am Montag sprach er auf der Demo im Stadtgarten, an diesem Freitag sprach er auch vor dem Protestcamp erneut. Den Landwirt treiben viele Sorgen um, auch außerhalb der Frage, ob die Politik bei den geplanten Sparmaßnahmen noch einlenkt. Er fragt sich zum Beispiel, wie es mit dem Mittelstand allgemein weitergeht. „Wenn es eine Einigung in Sachen Landwirtschaft gibt, wie geht es dann weiter, wenn plötzlich im Mittelstand gespart werden soll?“ Einen Vorgeschmack davon gibt es bereits, bei den Überlegungen, Geld, welches der Fischerei versprochen war, anderweitig einzusetzen.
Die bisherige Aktionswoche sieht Habbena erst als Anfang. „Das wird ein Protestjahr“, sagt er. Der Anfang sei jetzt gemacht. Ein Anfang, der auch ein größeres Miteinander von Landwirten und anderen Branchen, die sich solidarisierten, mit sich gebracht habe. „Die Landwirte sind gerade sehr präsent, uns wird viel Zustimmung entgegengebracht.“ Habbena hofft hier auf langzeitige Effekte. „Es wäre schön, wenn wir weiter mehr Verständnis füreinander hätten“, statt dass der Trecker, der jetzt bejubelt wurde, im Sommer wieder lästig ist, weil er vor dem Auto auf der Straße fährt.
„Wir müssen zusehen, dass wir die Bevölkerung und den Mittelstand mitnehmen“
Hoffnungen, dass es schnell eine Einigung mit der Politik gibt, hat Habbena, der auch Landesvorsitzender für Niedersachsen des Bundesverbands der Milchviehhalter ist, unterdessen nicht. „Aber wir hoffen, dass die Aktionswoche der Anfang einer Moderation ist“, einer Moderation zwischen Politik und verschiedenen Berufsgruppen. „Es ist noch nicht vorbei. Wir müssen aber zusehen, dass wir die Bevölkerung und den Mittelstand mitnehmen.“
Mit dem von „Land schafft Verbindung“ organisierten Protest-Camp endeten am Freitag auch die größeren Aktionen der Landwirte. Die Polizeiinspektion Leer/Emden zog gegenüber dieser Zeitung ein positives Fazit. Angesichts der Zahl der Teilnehmer sei es zu sehr wenigen Vorkommnissen gekommen. Ermittelt werde unter anderem wegen einer Galgendarstellung, wegen Fahrens mit Traktoren auf der Autobahn und wegen der Nutzung einer Kurbelsirene.