Wohnen in Hinte Schandfleck geht, Wohnungen für Senioren kommen
Sieben Häuser werden am Hinter Kirchgang abgerissen. Ein letzter Besuch im „Schandfleck“ des Ortes, bevor der Abriss beginnt.
Hinte - Es klappert, die Geräusche von Hammer, Säge und anderen Werkzeugen sind zu hören, Handwerker stapfen durch den Schnee und bringen die Reste von Tapeten, Putz und anderen Dingen in einen großen Container. Seit einigen Tagen passiert etwas am Hinter Kirchgang, der kurzen Straße in Hinte, in der ein paar Gebäude seit Jahren leer stehen. Dem Schandfleck, wie dieser Straßenzug gerne genannt wird, geht es nun an den Kragen.
Und das doch recht plötzlich. Nachdem der ursprüngliche Investor, der einen Investorenwettbewerb gewonnen hatte, sein Projekt doch nicht realisieren konnte, hat die Gemeinde jemand neuen gefunden. Die Firma „GerBro Immobilien und Grund GmbH“, die schon am Alten Heerweg in Hinte neuen Wohnraum geschaffen hat, hat die Grundstücke am Hinter Kirchgang gekauft.
Häuser sind trotz Leerstand nicht leer
Die Projektidee des vorherigen Investors war an archäologischen Funden im Boden gescheitert. Diese werden zwar nicht ausgegraben, verhindern aber, dass beispielsweise Pfähle tief in den Boden gerammt werden können. GerBro, hinter dem Namen stecken der Emder Bauunternehmer Stefan Gerjets und Mauritz Brons, Geschäftsführer des Emder Familienunternehmens Brons Gruppe, baut nun etwas kleiner. Nachdem der vorherige Investor seinen Plan nicht umsetzen konnte, habe man sich spontan entschieden, das Projekt zu übernehmen, so Brons. „Wir fühlen uns in Hinte gut aufgenommen. Das Projekt jetzt ist quasi das Ergebnis der bisherigen Zusammenarbeit.“
Bevor die Häuser abgerissen werden können, werden sie aber zunächst entkernt. Blickt man auf die vollen Container wird klar: Dafür, dass die Häuser zum Teil schon sehr lange leer stehen, waren diese Gebäude alles andere als leer. Eine Garage steht noch fast bis oben hin voll mit Möbeln und anderen Dingen. In einem Haus stehen noch Deo und Duschgel im ansonsten kaputten und mit Graffiti verschmierten Bad.
Neues Leben auf die Warft bringen
Auch scheinen die Gebäude mitunter von Obdachlosen bewohnt gewesen zu sein – oder einer der ehemaligen Bewohner hat seinen Schlafsack mitten im Flur vergessen. Die Tapetenreste an der Wand zeugen derweil von ganzen Geschmacksgenerationen. Doch die Handwerker machen Schritt für Schritt kurzen Prozess mit den letzten Anzeichen dafür, dass der „Schandfleck“ mal bewohnt war. Es wird Platz für Neues geschaffen, die Abrissgenehmigung wird wohl bald erteilt.
Neun bis zwölf Wohnungen sollen am Hinter Kirchgang jetzt entstehen. Das sagt Mauritz Brons gegenüber dieser Zeitung. „Wir wollen die Fläche nicht komplett zustellen“, sagt er. Drei bis vier Neubauten sind geplant. Dafür weichen sieben Bestandsgebäude sowie ein paar kleine Bauten. Das größte Haus, direkt an der Ecke Brückstraße/Hinter Kirchgang, soll stehenbleiben. „Da war wohl früher eine Schlachterei und wohl auch eine Fischräucherei drin“, so Brons. Aktuell mache das große Gebäude nicht viel her. Aber unter dem Putz soll historisches Backsteinwerk schlummern. „Das wollen wir wieder freilegen“, so Brons. Dann füge sich das Gebäude auch gleich wieder ganz anders in die Umgebung ein. „Wir wollen wieder Leben auf die Warft bringen“, sagt Brons. Raum für Gewerbe sei nicht geplant, aber „wenn jemand eine gute Idee zum Beispiel für ein Café hat, sind wir da offen“, sagt der Unternehmer.
Auch die Neubauten sollen nicht zu störend in direkter Umgebung von Burg und Kirche sein. Allzu hoch könne man eh nicht bauen, da der Boden auf Anordnung der Archäologen nicht zu sehr gestört werden darf. Bis mit den Neubauten begonnen wird, wird aber noch Zeit ins Land gehen. Einen genauen Zeitplan möchte Brons noch nicht nennen. „Aber es wird auch wieder senioren- und altengerechte Wohnungen geben“, verrät Brons.