Wechsel bei Betten Barghoorn Zwei Frauen führen Emder Traditionsgeschäft in die Zukunft
Die Planungen für die Nachfolge im traditionsreichen Emder Bettenfachgeschäft Barghoorn begann vor fünf Jahren. Jetzt sind die beiden Inhaber am Ziel.
Emden - Im Bettenhaus Barghoorn in Emden hat die Zukunft begonnen: Die Inhaber Dirk und Peter Barghoorn haben zum Jahresbeginn die Geschäftsführung des traditionsreichen Fachgeschäfts in der Innenstadt in die Hände ihrer langjährigen Mitarbeiterinnen Cornelia Hoffmann und Wilma Feilscher gelegt. Die Übergabe an die neuen Chefinnen steht am Ende eines Prozesses, den die beiden Inhaber vor etwa fünf Jahren eingeleitet hatten.
Damals hatten die beiden 67 und 65 Jahre alten Cousins begonnen, über die Nachfolge für das seit 1835 bestehende Unternehmen nachzudenken. „Oberste Priorität hatte für uns, den Fortbestand zu sichern“, sagt Dirk Barghoorn. Der eigene Nachwuchs stand nicht bereit, die Familientradition in sechster Generation zu übernehmen. Deshalb habe man nach Lösungen gesucht, um nicht irgendwann einfach „den Schlüssel umdrehen“ und das Fachgeschäft schließen zu müssen. Das habe man auch den Mitarbeitern frühzeitig signalisiert.
Corona machte Suche nicht einfacher
Die Inhaber schauten sich zunächst in der Branche um, schalteten Berater und Vermittler ein. „Wir haben vieles versucht“, sagt Dirk Barghoorn. Dann kam die Corona-Pandemie: „Da brauchte man niemanden mehr anzusprechen“, so der 65-Jährige. Schließlich sei der Gedanke gereift, eine Lösung für die Nachfolge im eigenen Haus zu suchen.
Mit der 47-jährigen Cornelia Hoffmann und der zwölf Jahre älteren Wilma Feilscher fand sich schließlich ein geeignetes Duo. Seit Ende des Jahres 2023 sind die Verträge unter Dach und Fach. Vorausgegangen waren viele Gespräche. Rückblickend sind Dirk und Peter Barghoorn froh über die Entwicklung: „Es ist gut, dass wir vor fünf Jahren angefangen haben. Sonst wären wir noch nicht so weit.“
Beide sind schon lange im Unternehmen
Die neuen Chefinnen sind mit einigen Unterbrechungen seit mehr als 20 Jahren im Unternehmen. Cornelia Hoffmann ist gelernte Einzelhandelskauffrau und fing 1993 bei Barghoorn an. Wilma Feilscher startete 1980 als 15-Jährige ihre Ausbildung zur Verkäuferin in dem Fachgeschäft. Die beiden gebürtigen Emderinnen ergänzen sich gut. Wilma Feilscher hatte ihren Schwerpunkt bislang im Verkauf, während sich ihre Geschäftsführerkollegin um den Einkauf, die Buchhaltung und die Warenwirtschaft kümmerte.
Auch die Chemie zwischen beiden stimmt. „Wir ticken ähnlich und gehen immer in eine Richtung“, sagt Cornelia Hoffmann. Dennoch müssen sich beide an ihre neue Rolle noch gewöhnen. „Es ist schon ein komisches Gefühl, jetzt selbstständig entscheiden zu müssen“.
Entscheidung bereitete schlaflose Nächte
Beiden hat die Entscheidung, eigenverantwortlich eines der ältesten Bettenfachgeschäfte Deutschlands in die Zukunft zu führen, einige schlaflose Nächte bereitet. Sowohl für Wilma Feilscher als auch für Cornelia Hoffmann stand aber von vornherein fest, es nicht allein tun zu wollen. Auch die komplette Übernahme des Geschäfts sei für sie keine Option gewesen. „Das Risiko wäre zu groß gewesen“, sagen sie.
Leichter gemacht hat es beiden nach eigenen Angaben auch die Gewissheit, dass die Inhaber ihnen weiter hin zur Seite stehen. „Und ohne den Rückhalt und das Wissen unserer Kolleginnen wird es auch nicht gehen“, fügt Wilma Feilscher hinzu. Zum Team gehören sieben Mitarbeiterinnen, die alle schon mindestens 15 Jahre lang bei Barghoorn sind und sich dem Unternehmen verbunden fühlen.
Die neuen Chefinnen können durchstarten
Dirk und Peter Barghoorn haben den beiden neuen Chefinnen den Start in die Zukunft des Fachgeschäftes erleichtert und ihnen sozusagen das Feld bestellt. Die Inhaber investierten im vergangenen Jahr gut eine Viertelmillion Euro in den Umbau und die Modernisierung des Fachgeschäftes. Zugleich richteten sie das Sortiment neu aus. Es konzentriert sich jetzt auf Bereiche, die Beratung und Service bedürfen.
Schwerpunkt ist der Bettenbereich, der vom Lattenrost über die Matratze bis hin zu kompletten Schlafsystem reicht. Nach wie vor füllt das Unternehmen in der eigenen Manufaktur seine Feder- und Daunenartikel selbst, reinigt Betten und arbeitet sie auf. Auf der rund 500 Quadratmeter großen und ebenerdigen Verkaufsfläche gibt es zudem Abteilungen für Miederwaren und Frottierwäsche.
Konzept findet viel Beachtung
Der Weg, den die Barghoorns beschritten, gilt schon jetzt als beispielhaft und zukunftsweisend. Denn das Problem, Nachfolger für Unternehmen zu finden, trifft den Einzelhandel schon seit langem. Das Konzept von Barghoorn wird auch deshalb deutschlandweit beachtet. Eine große Fachzeitschrift der Branche hat das Emder Geschäft als Betten-Fachhändler des Jahres 2024 in der Kategorie „Gelungene Firmenübernahme“ ausgezeichnet. „Darauf sind wir auch ein bisschen stolz“, sagt Dirk Barghoorn. Mit den Kundinnen und Kunden soll darauf und auf die Geschäftsübergabe am kommenden Sonnabend mit einem Glas Sekt angestoßen werden.
Die Firma wurde vor 189 Jahren als Blaufärberei und Wollwarenhandlung gegründet. Ihrem Standort an der Boltentorstraße ist sie immer treu geblieben. Dirk und Peter Barghoorn waren 1987 in das Geschäft ihrer Väter eingestiegen und übernahmen es drei Jahre später in fünfter Familiengeneration.