Handel in Emden Der Wochenmarkt kommt langsam aus der Winterpause
Ein wichtiger Frequenzbringer für die Emder Innenstadt füllt sich wieder. Dabei gibt es Wochenmarkt-Zugänge, aber auch Abgänge.
Emden - Für Ende Januar ist die Bilanz gar nicht so übel. Elf von insgesamt 28 angemeldeten Marktbeschickern boten ihre Waren an diesem Dienstag, 30. Januar, in Emden zum Verkauf an. Zum Wochenende werden es wohl noch mehr werden. Und spätestens Mitte Februar wird mit Tulpen aus Großefehn die Winterpause beendet sein.
Dass der Emder Wochenmarkt einer zum Durchschießen sei, dass dort seit Wochen riesige Lücken klaffen - solche Kritik bekommt die Sprecherin der Marktbeschicker, Anke Wilts, allerdings auch gelegentlich zu hören. „Die Wochenmärkte sind im Winter überall auf Sparflamme“, entgegnet sie dann und jetzt gegenüber dieser Zeitung. „Ich meine aber, dass hier immer noch viele durchhalten oder neu durchstarten.“
Die Youngsters unter den Marktbeschickern
Denn trotz Überalterung und Nachwuchsproblemen bei vielen Händlern gebe es auch jene wie ihr eigenes Unternehmen, in dem junge Leute das Ruder übernommen haben. Mit ihrem Geflügelhandel „Albert Wilts“ aus Brookmerland sind Anke Wilts (28 Jahre) und ihr Bruder André (31) zwar aktuell die Youngsters unter den Marktbeschickern. Metzger Ulferts aus Münkeboe habe seinen Verkaufsstand aber auch in jüngere Hände weitergegeben. „Und der Nachfolger ist auch erst Ende 20“, sagt Anke Wilts.
Die auf dem Emder Wochenmarkt noch nicht so lang präsente Fischhandlung Luth Eilts aus Hagermarsch hat Enkel Michael Hülsmeyer übernommen, und der sei gerade mal Ende 30. Und mit dem Holzofenbäcker Ripken - der natürlich schon eine ganze Weile auf dem Emder Markt ist - käme außerdem gleich ein insgesamt junges Unternehmen dazu. „Es gibt auch noch junge Leute und solche, die Bock haben, auf dem Markt zu arbeiten“, sagt Anke Wilts.
Bald wieder Tulpen aus Großefehn
Viele Händler sind aber doch kurz vor dem Rententeneintritt oder schon darüber. Dazu drücken Personalprobleme. Mit der Fleischerei Born aus Moormerland hat jetzt altersbedingt ein Händler aufgehört. Die Verkäuferinnen wurden sofort von der Fleischerei Arends aus Pewsum übernommen. Schwierige Arbeitsbedingungen bei Wind und Wetter, sechs Tage in der Woche, frühes Aufstehen - da stehen die Nachrücker nicht gerade Schlange, wie auch Anke Wilts einräumt. Der Personalmangel habe dazu geführt, dass Händler, die sonst lückenlos kamen, in Urlaubszeiten auch mal zwei Wochen aussetzen. Saisonal bedingt machen einige auch eine Winterpause. So gesehen sei es umso höher zu bewerten, dass bei Regen, Eisglätte und Frost doch noch viele Händler den Winter über regelmäßig dabei sind. „Wir freuen uns jetzt alle auf die Blumenhändler“, sagt Anke Wilts.
Hayo de Wall, Blumenhändler aus Großefehn, selbst lange Zeit Sprecher der Marktbeschicker, will als erstes wieder auf den Emder Markt kommen. Den Samstag, 10. Februar, könne man schon einmal „leise ankündigen“. „Es muss aber frostfrei sein und der Frühling muss schon etwas in der Luft liegen“, sagt de Wall. Dann bekommen die Supermarkt-Tulpen mit seinem Wochenmarkt-Angebot wieder kräftig Konkurrenz. Ende Februar oder Anfang März werden auch die beiden anderen Blumen- und Pflanzenhändler erwartet. Mit Volrath Meyer aus Rechtsupweg und der Gärtnerei Ambraß aus Papenburg füllen sich große Flächen auf dem Neuen Markt.
Zwölf Meter Obst und Gemüse
Eine große Markt-Fläche füllt dienstags und samstags auch die Familie Tafa aus Weener, zumeist quer am Kopf- oder Fußende des Neuen Marktes, und das jetzt bereits seit sechs Monaten. Zwölf Meter lang ist ihr Obst- und Gemüsestand, mit dem sie zunächst in Leer auf dem Markt waren. „Emden lohnt sich aber mehr“, sagt Harbin Tafa. „In Leer gibt es zu viele Obst-Stände.“
An diesem Dienstag hatten sie in Emden nur Konkurrenz durch den Bio-Stand von Henriette Freerk aus Großheide (ähnlich groß) und dem Apfelhändler Poppinga aus Dornum (viel kleiner). Allerdings wird die Anzahl der Gemüsehändler in Emden bald schon saisonbedingt zunehmen. Spätestens, wenn der Spargel-Stand von Bahlmann aus Molbergen wieder aufgebaut wird, sollten die meisten Lücken auf dem Emder Wochenmarkt gefüllt sein. Nicht zuletzt wird auch Heidi Heyer dann wieder mit ihrem Kaffee-Mobil erwartet.
Suppenküche wieder verabschiedet
Einen herben Rückschlag gibt es jetzt aber beim Bewirtungsangebot auf dem Wochenmarkt. So hat „Marions Feldküche“ ihren Rückzug über die sozialen Medien angekündigt. Sie führt den Kostendruck seit der Wiedereinführung der vollen Mehrwertsteuer dafür an. „Da an meinen Ständen auf vielen Wochenmärkten auch viele Mitarbeiter von Behörden, Ämtern, Jung und Alt und Touristen meine hausgemachten Suppen gerne vor Ort einnehmen möchten, muss ich für meine Gastfreundschaft für jede Suppe seit dem 1. Januar 19 Prozent an den Staat abführen“, schreibt sie. Das rechne sich nicht mehr. Jetzt fährt Marions Suppenküche erst einmal nur noch mit dem Bully über die Dörfer und verkauft Suppe zum Mitnehmen.
Was zunächst bleibt, ist der Bratwurst-Stand. Der ist auch noch vergleichsweise neu dabei wie auch ein weiterer Kuchenstand. Dazu gibt es an unterschiedlichen Tagen auch mal einen Staubsauger- und Haushaltswarenhändler. Die ebenfalls noch junge Angebot mit Straußeneiern hat sich etabliert. Henry Wegener aus Rechtsupweg kommt mit Straußenei-Produkten dienstags oder freitags nach Emden. Nur Jann Meyerhoff aus Upgant-Schott kommt nicht mehr. Erst Anfang 2023 war er mit seinem Bauernladen vom ostfriesischem Deichkäse über Leuchtturm-Salami und Wattwürmer bis zur Pümmelwurst neu dazu gekommen. Ende des Jahres ist er plötzlich verstorben, wie Anke Wilts sagte.
Strukturelle Veränderungen gebe es laufend, teilte Stadtsprecher Eduard Dinkela auf Nachfrage mit. So sei der Marktmeister immer bemüht, gemeinsam mit den Markthändlern sinnvolle Ergänzungen zu finden, um den Markt weiterzuentwickeln. „Der Emder Wochenmarkt ist ein wichtiger Anziehungspunkt und Frequenzbringer für unsere Innenstadt.“