In ostfriesischen Landkreisen Bürgergeld für 59 Prozent aller Ukrainer im erwerbsfähigen Alter
In den ostfriesischen Landkreisen bekommt mehr als die Hälfte der Ukrainer im erwerbsfähigen Alter Bürgergeld. Das sind den Behörden zufolge die Gründe für die ausbleibende Beschäftigung.
Ostfriesland - Den drei Landkreisen und der Stadt Emden zufolge leben in Ostfriesland 5531 aus der Ukraine geflüchtete Menschen. Davon sind 4094 im erwerbsfähigen Alter, dem Statistischen Bundesamt zufolge demnach mindestens 15 Jahre alt und noch nicht im Rentenalter. Wer in diesem Alter und in der Lage ist, mindestens drei Stunden täglich zu arbeiten, sowie seinen Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten kann, hat Anspruch auf Bürgergeld. Das gilt auch für Geflüchtete aus der Ukraine, da sie wegen der EU-Massenzustromrichtlinie kein Asylverfahren durchlaufen müssen und nicht ins Asylbewerberleistungsgesetz, sondern ins zweite Buch des Sozialgesetzbuches eingeordnet werden.
In den drei ostfriesischen Landkreisen gibt es den Pressestellen zufolge 2004 ukrainische Bürgergeldbezieher im erwerbsfähigen Alter. Die Stadt Emden hat auf Anfrage keine Zahlen übermittelt. Es sei „nicht bekannt, wer seinen Lebensunterhalt selber sicher stellen kann oder wer Bürgergeld beziehungsweise andere Leistungen erhält“, so Pressesprecherin Theda Eilers. Rechnet man die Emder Zahlen aus den gesamtostfriesischen heraus, kommt man allein in den Kreisen auf 3397 Ukrainer im erwerbsfähigen Alter, von denen 2004 Personen Bürgergeld beziehen – macht eine Quote von rund 59 Prozent. Warum ist es für die Geflüchteten so schwer, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten?
„Ein Großteil sind Kinder mit Frauen“
„Ein Großteil der geflüchteten Menschen aus der Ukraine sind Frauen mit Kindern. Die Betreuung der Kinder erschwert die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung“, so Lennart Adam, Pressesprecher des Landkreises Aurich. Tatsächlich sind den Statistiken zufolge rund 60 Prozent der nach Ostfriesland Geflüchteten weiblich und etwa 26 Prozent 14 Jahre alt oder jünger. Dazu kommt, dass in Deutschland zu den Erwerbsfähigen auch Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren zählen, die vielfach noch zur Schule gehen. Und: „Bei älteren Geflüchteten ist die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ebenfalls erschwert, weil sprachliche Defizite, Alter und fehlende Qualifikation als Vermittlungshemmnisse vorliegen“, so Adam.
„Die nichterwerbstätigen Ukrainer im erwerbsfähigen Alter nehmen in der Regel an Integrationskursen, anderen Sprachkursen oder Integrationsprogrammen teil oder warten auf den Beginn eines Integrationskurses“, schreibt Philipp Koenen, Pressesprecher des Landkreises Leer. Die Wartezeiten auf einen Integrations- und Sprachkurs seien aufgrund der hohen Anzahl der Geflüchteten mitunter länger, dadurch sei eine schnelle Arbeitsaufnahme erschwert. „Ist ein Sprachkurs absolviert, reichen die Sprachkenntnisse oftmals noch nicht für die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit aus“, so Koenen. Ebenso führten beispielsweise die notwendigen Verfahren zur Anerkennung bestehender Berufs- und Bildungsabschlüsse zu einer Verzögerung der Integrationsarbeit.
Job-Börsen und -Messen für Migranten
Von den in den vergangenen Monaten angekommenen Geflüchteten hätten einige in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen vermittelt werden können, schreibt Ralf Klöker, Pressesprecher des Landkreises Wittmund. Dies sei allerdings nur gelungen, wenn der Betrieb und die Tätigkeit als solche keine Deutschkenntnisse vorausgesetzt und bereits andere Mitarbeitende zur Verfügung gestanden hätten, die bei der Verständigung hätten aushelfen können. Als weitere Schwierigkeit zu den bereits angeführten nennt Klöker die „fehlende Mobilität für die Erreichbarkeit eines Arbeitsplatzes“.
Als Maßnahmen, um mehr Ukrainer in Jobs zu bringen, nennen alle Landkreise unter anderem Sprach- und Integrationskurse. Der Kreis Leer führt zudem wöchentlich Job-Börsen für Migranten durch, der Kreis Aurich will Ende Februar und Mitte März Job-Messen für Geflüchtete anbieten. Dazu kommen immer die Fördermöglichkeiten, die auch deutsche Leistungsbezieher haben – etwa Praktika, Qualifizierungen und Unterstützung beim Thema Mobilität.