Entsetzen über ausgesetzte Hündin Ausgesetzte Hündin tot – könnten Tierklappen helfen?
Der Bericht über eine Hündin im Berumerfehner Wald ist Anlass, nach Vorsorgemöglichkeiten zu fragen. Eine Stadt in Deutschland hat ein Modell ins Leben gerufen. Was daraus geworden ist.
Landkreis Aurich - Der Fall einer Hündin, die im vergangenen November im Berumerfehner Wald ausgesetzt worden und dort 17 Tage lang angebunden war, hat bei vielen Lesern Entsetzen und große Betroffenheit ausgelöst. Das Tier konnte zwar gerettet worden, ist aber an den Folgen eines epileptischen Anfalls Tage später gestorben. Die Tierquälerei ist nur öffentlich bekannt geworden, weil es am Mittwoch vor dem Amtsgericht Norden zu einer Verhandlung kam. Die Halterin, eine 23-jährige Frau aus Südbrookmerland, die laut ihrer Anwältin seelisch und finanziell am Ende war, wurde zu einer Freiheitstrafe von drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Redaktion hat sich die Frage gestellt, wie ein solcher Vorfall hätte verhindert werden können.
Gibt es Tierklappen für Halter in Not?
Der Tierschutzverein Peine war deutschlandweit der erste, der 2021 eine Tierklappe eingeführt hatte. Es war ein Projekt, das bundesweit Beachtung fand, einzigartig war und nach Recherchen dieser Zeitung immer noch ist. Der Verein hatte am Tierheim drei Boxen installiert, in die Tiere hineingesetzt werden konnten – anonym. „Wir hatten Kameras in unmittelbarer Nähe installiert, die ein Signal auf die Smartphones der Tierheimmitarbeiter geschickt haben, wenn dort Bewegung registriert wurde“, berichtet Heike Brakemeier im Gespräch mit der Redaktion. Rund um die Uhr sei jemand im Dienst gewesen und habe den Hund aus der Box herausgeholt, sagt die Leiterin des Peiner Tierheims. Die Tierklappe habe man ins Leben gerufen, um Haltern in finanzieller Notlage eine Anlaufstation zu bieten. Das Problem: Der Service sei schamlos ausgenutzt worden. Fast an jedem Tag seien die drei Boxen gefüllt gewesen. Man habe nur 20 Zwinger im Tierheim. Schnell sei die Kapazität erschöpft gewesen.
Wo liegt die Gefahr eines solchen Angebots?
Je bekannter die Tierklappe geworden sei, desto weiter seien Tierbesitzer gefahren, um Hunde oder Katzen abzugeben, so Heike Brakemeier. Schließlich habe man einen Aufnahmestopp verhängt, die Klappe habe kurzzeitig geschlossen werden müssen. Laut der Tierheimleiterin sind vor allen Dingen verhaltensauffällige Hunde abgegeben worden, mit denen die Halter offenbar nicht mehr zurechtgekommen sind. „Von diesen Tieren haben wir immer noch fünf, die nicht vermittelt werden konnten“, so die Peinerin. Schließlich habe man nach einem Jahr die Reißleine ziehen und die Klappe ganz schließen müssen.
Wäre eine Tierklappe für Ostfriesland denkbar?
Iris Holzapfel vom Tierschutzverein Rheiderland sagt, man habe ebenfalls überlegt, ein solches Angebot zu etablieren. „Es war sogar schon so weit, dass wir uns einen Anhänger besorgt hatten, in den man die Tiere anonymisiert hätte reingeben können“, berichtet Iris Holzapfel. Letztendlich habe man das Vorhaben aber nicht umgesetzt, weil die Angst vor den Konsequenzen zu groß gewesen sei, sprich vor dem Missbrauch ähnlich wie in Peine. Im Schnitt könne man davon ausgehen, dass rund 50 Prozent der Hunde, die in einem Tierheim abgegeben werden, nicht mehr vermittelt werden können. Bei Katzen sei die Quote etwas besser. Im Schnitt rufe zweimal in der Woche jemand im Tierheim an, der seinen Hund abgeben möchte. Die Telefonate kämen aus der ganzen Bundesrepublik. „Wir hatten sogar mal einen Anruf aus Bayern“, sagt Iris Holzapfel. Kein Tierheim sei verpflichtet, einen solchen Hund aufzunehmen. Und: „Wir tun uns und den Mitarbeitern ja auch keinen Gefallen damit, etwa wenn man einen Hund aufnimmt, der bissig ist.“
Sollte das System der Hundevermittlung verändert werden?
Iris Holzapfel vertritt die Auffassung, das sich im Denken der Hundehalter etwas ändern müsse. Nach wie vor legten sich viele einen Hund zu, ohne vorher zu prüfen, ob sie der Verantwortung überhaupt gerecht werden können. Das beziehe sich sowohl auf die finanzielle wie die zeitliche Dimension. Im Schnitt muss man nach Angaben von Iris Holzapfel mit monatlichen Kosten zwischen 80 und 150 Euro für einen Hund rechnen. Das weicht je nach Rasse und Größe stark voneinander ab. In dieser Hochrechnung sind neben Futter, Versicherung und anteiligen Tierarztkosten auch Medikamente oder Pflegemittel enthalten. „Ich erlebe es häufig, dass Interessenten für einen Tierheimhund direkt sagen, den oder jenen Hund will ich, ohne überhaupt mit ihm spaziergegangen zu sein oder ihn näher in Augenschein genommen zu haben“, wundert sich Iris Holzapfel. So lange man Haustiere wie Ware aussuche und wie eine Bedürfnisbefriedigungsmaschine behandle, finde das Tierleid in den häuslichen Wänden kein Ende.