Einzelhandel  So füllt sich die 1A-Fußgängerzone in Emden

| | 17.02.2024 10:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit Superlativen wird nicht gegeizt: Am 5. April soll hier Braas' Imbiss eröffnen. Foto: Schuurman
Mit Superlativen wird nicht gegeizt: Am 5. April soll hier Braas' Imbiss eröffnen. Foto: Schuurman
Artikel teilen:

Ein Kaufmann will Emdens beste Einkaufsstraße wiederbeleben. Er hat viele Ideen.

Emden - Sie gilt trotz des Leerstands einiger Läden als beste Lage der Fußgängerzonen in Emden: Die Straße Zwischen beiden Sielen. Bald soll sie ihrem 1A-Ruf auch gerechter werden. Denn so mancher Leerstand wird in den kommenden Wochen beseitigt.

Schon am 5. April 2024 will der Kaufmann Gerardus Braas an der Hausnummer 16 am Sielgang einen besonderen Imbiss mit Eventcharakter eröffnen. Noch sieht es dort ziemlich wüst aus, doch die Handwerker stünden in den Startlöchern, wie er dieser Zeitung sagte. „Den Termin schaffen wir. Ein Plakat für die sensationelle Neueröffnung habe ich jetzt schon aufhängen lassen.“

Er hat viele Ideen für eine lebendige Einkaufsstraße: Gerardus Braas. Foto: Weiden/Archiv
Er hat viele Ideen für eine lebendige Einkaufsstraße: Gerardus Braas. Foto: Weiden/Archiv

Mit lecker Pommes den Bauch füllen

Tatsächlich klebt an dem Schaufenster des einstigen Spielwaren- und Bekleidungsgeschäfts ein entsprechender Schriftzug. Braas geizt nicht mit Superlativen, wenn er von seinen Plänen erzählt. Der Blumenhändler aus Pewsum mit niederländischen Wurzeln betreibt nur zwei Häuser weiter Richtung Neutorstraße eine seiner Filialen von „Blume Ideal“. Jetzt will er sich mit seinen Ideen nicht nur mit Blumen und Pflanzen in der Einkaufsstraße Zwischen beiden Sielen ausbreiten, sondern eben auch mit einem gastronomischen Angebot. „Gute Pommes oder Pfannkuchen für 2,50 Euro“, sagt er. „Da kriegt jedermann den Bauch voll. Und Kinder sollen ihre Eltern mit in die Stadt ziehen, da können sich ganze Familien das Essengehen leisten.“

Lückenschluss zunächst für die Hausnummer 16: die Einkaufsstraße Zwischen beiden Sielen. Foto: Schuurman
Lückenschluss zunächst für die Hausnummer 16: die Einkaufsstraße Zwischen beiden Sielen. Foto: Schuurman

Für sein Streetfood-Angebot mit niederländischen Pommes frites, Frikandeln, Bami-Scheiben und „lecker Eis“ hat er sich einen Partner mit ins Boot geholt. Wer das ist, wollte Braas zunächst nicht verraten. Aber wer den holländischen Pommes-Stand in der Oldenburger Fußgängerzone kenne, wisse, was da nach Emden kommt. „Da stehen samstags 30, 40 Leute Schlange“, sagt Braas. „So wird es bei uns auch kommen.“

Straßenkunst und andere Events

Das Schlangestehen sei dabei nicht das einzige Event-Erlebnis, versichert Braas. Freitags und samstags will er kulturelle Aktionen in die Fußgängerzone holen. Live-Musik, Straßenkunst und Akrobatik sind seine Stichworte. Mit dem Frühling soll es schon losgehen. Bis dahin werde das leerstehende Ladenlokal, das durch einen Gang bis zum rückwärtigen Parkplatz der Neutor-Arkaden verbunden ist, entsprechend mit Gastro-Küche umgebaut. Wie in Oldenburg soll der Pommesverkauf über eine breite Theke direkt auf die Straße laufen. Dazu will Braas viele Stehtische vor die Tür stellen.

Ähnliche Artikel

Schon vor zwei Jahren hat Braas das Haus gekauft, in dem zuletzt auch das Büro von List, dem Neutor-Arkaden-Planer, untergebracht war. Die drei über dem Lokal befindlichen Wohnungen sind weitgehend für die Neuvermietung saniert. Alles habe etwas länger gedauert, als gedacht. Aber für seine Ideen habe Braas „mit allen Ellbogen gekämpft“. Jetzt soll dieser auch finanziell nicht unerhebliche Einsatz sichtbar werden. Und Braas sieht sich auch schon nach weiteren Leerständen in der Straße um. Ideen habe er viele. Verraten will er sie erst, wenn der nächste Kaufvertrag unterschrieben ist. Mit dem ewigen Gemecker über die Innenstadt soll jedenfalls Schluss sein, meint er. „Die Stadt ist so schön, da sollen bald alle wieder kommen und gucken, was hier los ist.“

Betten Barghoorn mit Schaufenster-Filiale

Gleich gegenüber der künftigen, „sensationellen Neueröffnung“ wird gerade das Schaufenster des leerstehenden Ladens, in dem zuletzt die Mode-Kette Orsay Bekleidung verkauft hatte, neu dekoriert. Zwar hat sich bisher kein neuer Betreiber für das Ladenlokal gefunden, aber mit dem Bettenhaus Barghoorn ein Nutzer auf Zeit. Es will dort für sich werben.

Wäsche und Lattenroste: hier wird zumindest dekoriert. Foto: Schuurman
Wäsche und Lattenroste: hier wird zumindest dekoriert. Foto: Schuurman

Innenstadtkoordinatorin Julia Kruse hatte das Ansinnen der beiden neuen Barghoorn-Betreiberinnen, Wilma Feilscher und Cornelia Hoffmann, vermittelt. Für eine „schmale Miete“ können sie mit ihrer Schaufenster-Belegung in der 1A-Fußgängerzone jetzt auf ihr Bettenhaus in der etwas abseits gelegenen Boltentorstraße hinweisen. „So müssen Urlauber auch nicht mehr in leere Fenster gucken“, sagte Feilscher.

Wieder ein Hingucker: Was passiert im Laden neben der Richterpassage? Foto: Schuurman
Wieder ein Hingucker: Was passiert im Laden neben der Richterpassage? Foto: Schuurman

Das Ladenlokal sei somit auch ansehnlicher, das wilde Plakatieren habe dort ein Ende. Und womöglich werde es dann auch wieder attraktiver zum echten Weitervermieten, so Feilscher. „Wenn der Eigentümer einen neuen Interessenten für den gesamten Laden findet, sind wir ruckzuck wieder raus.“ Bis dahin sei es eben eine „Win-Win-Situation“.

Auch Emdens Innenstadt-Koordinatorin Julia Kruse ordnet die Schaufensterbelegung „als Zwischennutzung“ als „gute Lösung“ ein, um die Sichtbarkeit zu erhöhen. In Emden gebe es dafür verschiedene Beispiele wie die Fachfirma Deppe in der Großen Straße oder eben jetzt Barghoorn. „Mittelfristig ist aber natürlich eine frequenzbringende Nutzung das Ziel, besonders im Bereich Zwischen beiden Sielen, um die Innenstadtentwicklung attraktiv zu gestalten“, sagte Kruse.