Trauer um Fußball-Weltmeister Als ein Ostfriese 1990 WM-Held Andreas Brehme heimflog
Der Tod vom Siegtorschützen des WM-Finals 1990 erschüttert die Fußballgemeinde. Edgar Ludwigs hatte zwei besondere Begegnungen mit Andreas Brehme. Eine über den Wolken, einen Tag nach der Nacht von Rom.
Westerende - Die Nachricht vom überraschenden Tod von Fußball-Weltmeister Andreas Brehme sorgte am Dienstagmorgen, 20. Februar, auch bei Edgar Ludwigs aus Westerende für große Betroffenheit. „Das ist sehr traurig und stimmt einen nachdenklich, dass er mit erst 63 Jahren verstorben ist“, sagte der 55-Jährige, der sich direkt wieder an seine zwei besonderen Begegnungen mit jenem Mann erinnerte, der Deutschland am 8. Juli 1990 mit einem verwandelten Elfmeter im Endspiel gegen Argentinien zum Weltmeistertitel schoss.
Einen Tag nach dem WM-Finale gehörte der damals 22-jährige Ludwigs zur Crew der Flugbereitschaft der Luftwaffe, die den Fußball-Weltmeister an Bord der Boeing 707 „August Euler“ von Rom nach Frankfurt am Main zurückflog. Und während des Fluges kam es zu einem Moment, in dem ein besonderes Foto entstand: mit Andreas Brehme und Edgar Ludwigs, der den heiligen WM-Pokal dabei festhalten durfte. „Ich hatte ihn einfach mal angesprochen, als er zu uns nach hinten kam. Er sagte, dass das gar kein Problem sei“, erinnert sich der Ostfriese.
Das Wiedersehen 30 Jahre später
Es sollte nicht die einzige Begegnung bleiben. Rund um den 30. Jahrestag des WM-Finalsieges gegen Argentinien (1:0) wurde auch die Geschichte von Edgar Ludwigs hier und da wieder erzählt, durch den aus Westerende stammenden 11-Freunde-Redakteur Tim Jürgens sogar überregional. Und dann hatte der frühere Arbeitgeber von Ludwigs eine Idee: „Die Bundeswehr fragte beim Management von Andreas Brehme nach, ob man das Foto nochmal nachstellen könnte.“ Der Finalheld sagte schnell zu, verband einen großen Interview-Termin mit der „Bild“ mit dem Wiedersehen.
Ende Juni 2020 trafen sich die beiden auf dem Militärflughafen Berlin-Tegel, an dem die Bundeswehr-Flugbereitschaft der BMVg eine Außenstelle besitzt. „Schön Sie wieder zu sehen, gut sehen Sie aus“, sagte ein bestens gelaunter Brehme Richtung des früheren Obergefreiten der Luftwaffe. „Das Treffen war sehr herzlich, er hatte sich richtig Zeit genommen.“ Es folgten Fußball-Fachsimpeleien und natürlich das gemeinsame Foto. „Es stimmt mich traurig, dass Andreas Brehme nun viel zu früh verstorben ist. Bei unseren beiden Begegnungen war er ein total netter und bodenständiger Typ.“
Mit Kohl und Mandela im Flieger
Als am Dienstagmorgen die Nachricht von Brehmes Tod die Öffentlichkeit erreichte, meldeten sich auch manche Freunde von Edgar Ludwigs. Auch sie wissen natürlich, dass der heute 55-Jährige vor seiner Zeit bei der NV-Versicherung (seit 1999) noch ein spannendes Berufsleben bei der Bundeswehr hatte. Über den Wolken servierte Edgar Ludwigs einem Gerhard Schröder Mittagessen, bereitete Helmut Kohl das Bett für die Nacht vor oder brachte Nelson Mandela ein Glas Wasser. Zehn Jahre lang kümmerte sich der Ostfriese als Flugbegleiter der Flugbereitschaft der Luftwaffe an Bord um Staatschefs, Minister, bekannte Politiker, Diplomaten, Militärs und dessen Angehörige. Meist auf der Langstrecke.
Als die Fußball-Weltmeisterschaft Anfang Juni 1990 in Italien begann, befand sich Edgar Ludwigs auf einem Unteroffiziers-Lehrgang in Pinneberg. Dem letzten Teil der Ausbildung. Dann meldete sich ein Vorgesetzter von der Flugbereitschaft bei Ludwigs und einem Kollegen: „Wir brauchen euch beide in einigen Tagen. Für einen geht es nach Kanada, der andere begleitet einen innereuropäischen Flug.“ Ludwigs bekam die Kurzstrecke. „Erst war ich etwas enttäuscht. Bis ich erfahren habe, wo es hingehen soll.“
Brehme und „sein“ WM-Pokal
Nach dem gewonnen Elfmeterschießen im Halbfinale gegen England stand fest, dass die von Bundeskanzler Helmut Kohl angeforderte Regierungs-Maschine die Mannschaft von Teamchef Franz Beckenbauer nach dem Finale heimbringen sollte. „Ich bin von Pinneberg nach Westerende, habe meinen Koffer gepackt und bin weiter nach Köln.“
In Rom am Finaltag gelandet, ging es mit der Besatzung zum deutschen Botschafter in Rom. Dort erhielten die Soldaten die freudige Nachricht, dass auch sie Karten für das Endspiel bekämen. Als Andreas Brehme kurz vor Schluss schließlich den Elfmeter zum 1:0 verwandelte, war Ludwigs ganz nah dran. Das Tor fiel auf seiner Tribünenseite. Tags darauf empfing die Bundeswehr-Crew lauter glückliche und übernächtige Weltmeister am Flughafen in Rom. Von dort aus ging es nach Frankfurt, wo es einen großen Empfang gab.
An den Flug mit all den WM-Helden erinnern Edgar Ludwigs auch heute noch viele Bilder, die er am 9. Juli 1990 mit einer privaten Kamera gemacht hatte. Das schönste ist für ihn natürlich jenes mit WM-Held Andreas Brehme, der dem Ostfriesen den heiligen WM-Pokal für das Foto übergab. „Den Pokal hatte er während des Fluges fast die ganze Zeit im Arm.“