Politiker stellen sich quer  Neuer Ärger um geplante Kurbelfähre am Fehntjer Tief

| | 24.02.2024 09:57 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 5 Minuten
An der Holtlander Ehe gibt es bereits seit vielen Jahren eine Kurbelfähre, die gerne von Radwanderer genutzt wird. Dort gibt es allerdings kein Naturschutzgebiet. Foto: Ortgies/Archiv
An der Holtlander Ehe gibt es bereits seit vielen Jahren eine Kurbelfähre, die gerne von Radwanderer genutzt wird. Dort gibt es allerdings kein Naturschutzgebiet. Foto: Ortgies/Archiv
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Die kleine Fähre am Ippenwarfer Weg könnte nach mehr als 25 Jahren endlich gebaut werden. Politiker in Moormerland stören sich nun an einer Bedingung.

Moormerland - Radfahrer und Wanderer sollen künftig mit einer kleinen Kurbelfähre über das Fehntjer Tief von Moormerland nach Ihlow und umgekehrt gelangen können. Damit ging ein alter Wunsch vieler Einwohner in Erfüllung. Doch eine Auflage, die mit dem Projekt verbunden ist, verärgert Politiker in Moormerland. Wenn sie dazu die Zustimmung verweigern, könnte sich das seit mehr als 25 Jahren ersehnte Projekt erneut verzögert werden – oder sogar ganz scheitern.

Um was geht es? Die Kurbelfähre liegt zwar abseits des Landschafts- und Naturschutzgebietes am Fehntjer Tief. Doch daran schließen sich Wege an, die vermutlich von den Radfahrern genutzt werden. Deshalb soll die Gemeinde Moormerland mit einem formalen Akt, einer Teileinziehung der Widmung, dafür sorgen, dass Abschnitte des Leidswegs, des Heikelandswegs und des Strangewegs jeweils in der Zeit von 15. März bis 15. Juli nicht befahren werden dürfen. Das gilt nicht für Anlieger und landwirtschaftliche Fahrzeuge.

Zustimmung wird verweigert

Der Bauausschuss der Gemeinde, der in dieser Woche getagt hat, betrachtet die geplante Umwidmung mit großer Skepsis. Dem Papier wollte man so nicht zustimmen, es wurde als „vorberaten“ in den Verwaltungsausschuss, dem nichtöffentlich tagenden Gremium aus den Spitzen der Ratsfraktionen und dem Bürgermeister, verwiesen. In den Fraktionen soll ebenfalls noch beraten werden. Eigentlich soll der Gemeinderat am 14. März endgültig über die Vorlage abstimmen. Vor allem die CDU in Person von Dieter Baumann und Torsten Bruns für die Moormerländer Wählergemeinschaft wandten sich entschieden gegen den Beschluss.

Alle zwei Jahre wird für die Fahrradrallye Van Dörp to Dörp eine provisorische Pontonbrücke über das Fehntjer Tief ausgelegt, damit die Teilnehmer dort übersetzen können. Foto: Ortgies/Archiv
Alle zwei Jahre wird für die Fahrradrallye Van Dörp to Dörp eine provisorische Pontonbrücke über das Fehntjer Tief ausgelegt, damit die Teilnehmer dort übersetzen können. Foto: Ortgies/Archiv

Er erwarte, dass die Gemeinde und der Landkreis Leer diese Bedingung für die wasserbaurechtliche Genehmigung zurücknehmen, sagte Baumann. Er sei „stinkesauer“, ließ er den Bauausschuss und die Verwaltung wissen. Außerdem gab er einen Rückblick auf die lange Vorgeschichte der Kurbelfähre. Torsten Bruns sagte, er erwarte nicht, dass durch die Einrichtung der Überquerungsmöglichkeit „gleich Massen an Fahrradfahrern da einfallen“.

Sperrung von Wegen soll Ruhe bringen

Woher kommt die Forderung? Bürgermeister Hendrik Schulz hatte auf Nachfrage gesagt, dass der Landkreis Leer diese Bedingung stelle, ohne die Sperrung der fraglichen Wege werde die Kurbelfähre nicht genehmigt. Nach einem Bericht dieser Zeitung zum Thema hatte sich der Leiter des Umweltamtes des Landkreises, Thomas Imsande, an uns gewandt. Er betonte, dass die Sperrung nicht vom Landkreis ins Spiel gebracht worden sei. „Es war ein Gutachter, den die Gemeinde Moormerland bestellt hat“, sagte Imsande.

Um die Kurbelfähre bauen zu können, brauchen die projekttragenden Gemeinden Ihlow und Moormerland eine wasserbaurechtliche Genehmigung. Für den Antrag auf diese Genehmigung war ein Fachbüro eingesetzt worden, das unter anderem die Auswirkungen der Kurbelfähre auf das angrenzende Landschaftsschutzgebiet untersucht hat. Unter anderem befinden sich dort Flora-Fauna-Habitat-Schutzflächen, die dem Schutz seltener Pflanzen und Tiere dienen. „Dieser Gutachter ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Störungen des Vogelschutzes nicht auszuschließen sind“, sagt Imsande.

Es soll ein Schild aufgestellt werden

Das Umweltamt des Landkreises habe dieses Ergebnis aus der Untersuchung „nicht hinterfragt und es nachvollziehen können“, sagt Imsande. „Es war aber nicht unsere Idee“, macht er deutlich. Mit der Gemeinde Moormerland sei besprochen worden, wie der Besucherverkehr in dem Schutzgebiet eingeschränkt werden könnte. Nur ein Schild aufzustellen, reiche nicht aus. Um es rechtlich einwandfrei hinzubekommen, müsse eine sogenannte Teileinziehung der Widmung umgesetzt werden.

Auf ungewöhnliche Weise demonstrierten die Ortsräte Tergast, vertreten durch Hermann Helmers (von links) und Focko Böden und Simonswolde, vertreten durch Arno Ulrichs 2021 für die Kurbelfähre. Sie setzten an der geplanten Stelle mit einem Boot über. Foto: Lüppen/Archiv
Auf ungewöhnliche Weise demonstrierten die Ortsräte Tergast, vertreten durch Hermann Helmers (von links) und Focko Böden und Simonswolde, vertreten durch Arno Ulrichs 2021 für die Kurbelfähre. Sie setzten an der geplanten Stelle mit einem Boot über. Foto: Lüppen/Archiv

Trotzdem soll es an den fraglichen Wegeabschnitten lediglich ein Schild geben, das über das Verbot während der Brut- und Setzzeit informiert und mit dem die Nutzung in dieser Zeit untersagt wird. Nur so sei der Betrieb der Kurbelfähre rechtlich einwandfrei möglich, unterstrich Imsande. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte er, dass die Sperrung der Straßen nur notwendig sei, wenn die Fähre in Betrieb ist. Werde diese erst im April zu Wasser gelassen, müsse auch das Verbot erst ab April gelten, nicht ab 15. März.

Ortsrat hat schon abgelehnt

Der Ortsrat in Hatshausen hat die entsprechenden Sitzungsvorlage der Gemeinde Moormerland bereits abgelehnt. Für die vier Monate der Sperrung könnten Radfahrer aus Ihlow kommend nur mit einem riesigen Umweg nach Ayenwolde oder Hatshausen kommen. Deshalb würde die Kurbelfähre für Hatshausen keinen Mehrwert mehr darstellen. Die mit einigem Aufwand hergerichtete Heikelandsbrücke, eine traditionelle Klappbrücke, die von der Autobahn aus gut zu sehen ist, könne dann niemand bestaunen, so der Ortsrat.

Vor 25 Jahren sollte das Projekt in der Nähe der Autobahn umgesetzt werden. Damals setzten sich der damalige Bauamtsleiter Klaas Cassens (von links) und der damalige Bürgermeister Johann Börgmann aus Ihlow sowie Harm Busemann (Bauamt) und der damalige Bürgermeister Anton Lücht aus Moormerland dafür ein. Foto: Koenen/Archiv
Vor 25 Jahren sollte das Projekt in der Nähe der Autobahn umgesetzt werden. Damals setzten sich der damalige Bauamtsleiter Klaas Cassens (von links) und der damalige Bürgermeister Johann Börgmann aus Ihlow sowie Harm Busemann (Bauamt) und der damalige Bürgermeister Anton Lücht aus Moormerland dafür ein. Foto: Koenen/Archiv

Schon der Ortsrat mutmaßte, ebenso wie jetzt Mitglieder des Bauausschusses, dass am Ende doch eine Schranke am Heikelandsweg aufgestellt werden könnte. Dem Landkreis Leer wurde unterstellt, diese zu verlangen, wenn zu viele Radfahrer sich nicht an das Verbot und die Beschilderung halten. Bauamtsleiter Harm Busemann versicherte dagegen, dass eine Schranke nur von der Gemeinde Moormerland aufgestellt werden könnte, nicht vom Landkreis Leer. „Das müssten wir hier beschließen“, so Busemann, die Gemeinde sei Straßenbaulastträger.

Keine Änderung für Anlieger

So recht glauben wollten das nicht alle Politiker und einige Zuhörer schlossen sich der Befürchtung in der Einwohnerfragestunde an. Ein Landwirt aus Ayenwolde befürchtete sogar, nicht mehr zu seinen Ländereien gelassen zu werden. Dem widerspricht Umweltamtsleiter Thomas Imsande deutlich: „Das Verbot gilt nicht für Anlieger und nicht für landwirtschaftliche Fahrzeuge. Das ist mir sehr wichtig.“ Für sie ändere sich durch die Teileinziehung gar nichts.

Ungewöhnlich ist eine solche Änderung der Widmung für Moormerland nicht. Weil sich immer wieder Anlieger gestört fühlten, wurden zum Beispiel der Voßbergweg sowie die Straßen Am Teichweg und Kirchweg in Neermoor für den Durchgangsverkehr gesperrt. Sie sind seither nur noch für Anlieger und den Radverkehr frei. Autofahrer hatten diese Straßen als „Abkürzung“ aus dem Gewerbegebiet ins Zentrum missbraucht. Auf die vom Gemeinderat beschlossene Sperrung machte Bauamtsleiter Busemann in der Sitzung aufmerksam. Die Skepsis konnte er damit nicht vertreiben.

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