Kampf gegen Rechtsextremismus SV Borussia Leer gewinnt bundesweiten Vereinspreis
Der Leeraner Sportverein hat den mit 10.000 Euro dotierten Preis „Sport mit Haltung“ des Bundesinnenministeriums und der Deutschen Sportjugend erhalten. Die Bewerbung von Borussia stach heraus.
Berlin - „Es ist kaum zu fassen“, sagt Mario Rauch und versucht dabei, Worte für das gerade Erlebte in Berlin zu finden. Der 2. Vorsitzende des SV Borussia Leer war zusammen mit dem Vereinsvorsitzenden Kai Buttjer und dem stellvertretenden Jugendobmann Tammo Müller in die Hauptstadt gefahren, wo ihnen am Dienstag eine besondere Ehre zuteil wurde: Das Bundesinnenministerium kürte gemeinsam mit der Deutschen Sportjugend den Leeraner Verein zum Sieger des bundesweit ausgeschriebenen Vereinspreises „Sport mit Haltung“. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.
Borussia Leer setze sich „nachhaltig und eindeutig gegen Rechtsextremismus, rechte Tendenzen und Diskriminierung ein – und das weit über den eigenen Verein hinaus“, heißt es in einer Pressemitteilung des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI). Das BMI präsentierte am Dienstag mit der Deutschen Sportjugend und dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft das neu geschaffene „Bundesprogramm gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit im Sport“. Für das Programm hatte der Deutsche Bundestag im Sommer 2023 Mittel in Höhe von 1,5 Millionen Euro bereitgestellt. Der Vereinspreis „Sport mit Haltung“ 2023 ist Teil des Bundesprogramms und wurde dementsprechend das erste Mal ausgelobt. Mit dem Preis sollen Sportvereine ausgezeichnet werden, „die sich in herausragender Weise gegen Rechtsextremismus engagieren“, teilt das BMI mit.
Anerkennung für die zeitintensive ehrenamtliche Arbeit
„Für uns als Verein ist der Preis eine tolle Anerkennung für unsere Arbeit, in die wir jede Woche ehrenamtlich viele Stunden investieren“, sagt Mario Rauch, der nach dem Galaabend am Dienstag unzählige Glückwünsche erhielt. Nachdem Borussia Leer auf seinen Plattformen die Nachricht von der Ehrung geteilt hatte, standen die Mobiltelefone der Vorstandsspitzen nicht mehr still. „Allein ich hatte gut 200 Nachrichten auf meinem Handy“, berichtet Rauch.
Borussia Leer hatte sich in der Vergangenheit schon mehrfach für Preise beworben, war teilweise in die engere Auswahl gekommen. Doch erst jetzt gelang der große Coup. Im Herbst hatte sich Borussia Leer für den Preis „Sport mit Haltung“ beworben. „Es ging dabei nicht um ein einzelnes Projekt, sondern um unser Gesamtkonzept, das wir schon seit Jahren verfolgen“, erklärt Mario Rauch. Borussia Leer wolle mehr sein als ein Sportverein. „Wir stehen für das Ehrenamt sowie gesellschaftliche Verantwortung und Kultur“, heißt es auf der Internetseite des Sportvereins. „Gemeinsam können wir auch über den Sport hinaus viel bewegen. Deshalb bekennen wir uns deutlich gegen Rassismus, Nationalismus, Homophobie, Sexismus, Diskriminierung und rechte Hetze“, schreibt der Verein auf seiner Homepage.
Es wurde auch ein Ehrenpreis vergeben
28 Vereine hatten sich beworben, teilt das BMI auf Nachfrage mit. „Die eher geringe Zahl hängt vor allem damit zusammen, dass sich nur Vereine bewerben konnten, die im Jahr 2023 noch keine Förderung im Bundesprogramm erhalten haben und weil die Anforderungen relativ eng gefasst und anspruchsvoll waren. Wir bewerten die Anzahl der Bewerbungen vor diesem Hintergrund als positiv“, schreibt Pressesprecher Lars Harmsen.
„Es sind tolle Bewerbungen eingegangen“, sagt Elena Lamby, Ressortleiterin Gesellschaftspolitik bei der Deutschen Sportjugend. „Die Bewerbung von Borussia Leer stach aber heraus, weil sich der Verein besonders nachhaltig und seit vielen Jahren gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung engagiert.“ Aus den 28 Einsendungen hatte eine fünfköpfige Jury die besten drei Vereine ausgewählt. Den zweiten Preis erhielt Athletic Sonnenberg aus Chemnitz. Das Aktionsbündnis der Sportvereine DJK Eintracht Coesfeld, SG Coesfeld 06 und DJK Vorwärts Lette wurde mit dem dritten Preis ausgezeichnet. Über den Ehrenpreis des BMI durfte sich der jüdische Turn- und Sportverband Makkabi Deutschland für sein herausragendes Engagement gegen Antisemitismus freuen.
Borussia Leer erhielt am Dienstag nicht nur bundesweite Aufmerksamkeit. Staatssekretärin Juliane Seifert und Benny Folkmann, 2. Vorsitzender der Deutschen Sportjugend, übergaben Mario Rauch und Kai Buttjer auch einen symbolischen Scheck in Höhe von 10.000 Euro. Das Geld ist zweckgebunden, sodass der SV Borussia Leer die Summe in seine weitere Arbeit im Kampf gegen Rechtsextremismus und rechte Tendenzen investieren wird.