Stadtplanung in Emden  Altstadt-Bewohner warnen vor Folgen eines neuen Verkehrsversuchs am Delft

| | 01.03.2024 07:58 Uhr | 3 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
„Wir sind Innenstadt und keine Umgehungsstraße“: Martin Dirks, Frauke Koppaetzky und Heinz Frerichs von der IG Klein Faldern in der Friedrich-Ebert-Straße. Foto: Schuurman
„Wir sind Innenstadt und keine Umgehungsstraße“: Martin Dirks, Frauke Koppaetzky und Heinz Frerichs von der IG Klein Faldern in der Friedrich-Ebert-Straße. Foto: Schuurman
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Wird die Friedrich-Ebert-Straße in Emden dauerhaft zur Innenstadt-Umgehungsstraße? Die Anwohner wehren sich.

Emden - Noch steckt die Gesamtplanung für die Umgestaltung der Neutorstraße und der Straße Am Delft in den Kinderschuhen. Der Entwurfswettbewerb ist noch nicht einmal eröffnet. Die Absicht aber ist längst bekannt: Die Stadt will den Autoverkehr in der Innenstadt minimieren. Das allerdings könnte auf Kosten der umliegenden Altstadt passieren, kritisieren Anlieger der Interessengemeinschaft (IG) Klein Faldern. Sie sehen sich in der Friedrich-Ebert-Straße in dieser Sache schließlich längst als gebrannte Kinder.

Hintergrund ist der inzwischen abgeschlossene Verkehrsversuch in der Neutorstraße, der nicht nur dauerhaft die Einbahnstraße brachte, sondern auch deutlich mehr Autoverkehr in umliegende Straßen. Die Bürger Klein-Falderns fühlen sich durch die geänderte Verkehrsführung in der Neutorstraße und vielleicht bald auch am Delft benachteiligt. Sie fürchten, dass sich die Friedrich-Ebert-Straße und die Nordertorstraße zwangsläufig als Umgehungsstraßen entwickeln werden. „Die Einbahnregelung in der Neutorstraße ist zementiert“, sagte Martin Dirks von der IG. „Unsere Befürchtung ist, dass das Gleiche auch am Delft per Verkehrsversuch erfolgt und damit auf die gleiche Weise zementiert wird. Dann muss alles durch die Friedrich-Ebert-Straße und es wird hier noch schlimmer.“

Altstadt verträgt das Verkehrsaufkommen nicht

IG-Sprecherin Frauke Koppaetzky ist auch sauer. Die Umgestaltung der Innenstadt werde immer mehr als Fakt betrachtet. Maßnahmen, die anfangs von der Verwaltung als noch Verkehrsversuch deklariert waren, entwickelten sich zu einem Dauerzustand, kritisiert sie. „Die historische Bebauung, die wenigen Gebäude, die im Bombenhagel 1944 verschont geblieben sind, diese schöne Altstadt Emdens verträgt das hohe Verkehrsaufkommen aber einfach nicht.“

Dabei lehnt die Interessengemeinschaft nicht grundsätzlich die Beruhigung und Verschönerung der Innenstadt ab. „Wir fordern nur einen machbaren Plan und ein Gesamtkonzept, bevor Fakten geschaffen werden“, so die Sprecherin. Auch Dirks sagt, es sei „die falsche Reihenfolge“, wie es zurzeit gehandhabt werde. „Wir brauchen erst eine machbare Alternative und können erst dann die Innenstadt dicht machen. So wie jetzt läuft es jedenfalls nicht.“

Außer Smileys keine Verkehrsberuhigung

Zwar hätten Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) und Stadtbaurätin Irina Krantz in Gesprächen mit Vertretern der Initiativen Klein Falderns und Groß Falderns immer wieder betont, die Bürger beteiligen zu wollen, bis auf die Installation von Geschwindigkeitsmessern mit Smileys seien angekündigten Maßnahmen zur Entlastung der Friedrich-Ebert-Straße aber noch nicht umgesetzt worden. So würde eine seinerzeit in Aussicht gestellte Änderung der Verkehrsregelung in der Friedrich-Ebert-Straße von der Vorfahrtsberechtigung in eine Rechts-Vor-Links-Regelung noch nicht einmal versucht. Dagegen sei der Versuch, die Straße in eine „falsche Einbahnstraße“ umzuwidmen, nur „kurz und halbherzig“ durchgeführt worden.

Da tröste es wenig, dass auch die Verwaltungsspitze gegenüber der Interessengemeinschaft in Gesprächen immer wieder auf die unglücklichen Begleitumstände verwiesen habe, wonach der innerstädtische Verkehrsversuch ausgerechnet in die Zeit der Sanierung der Trogstecke als wichtige Verkehrsumgehung gefallen ist.

Lkw drängen sich trotz Verbotsschilder durch

Dass der Verkehr in dem beschaulichen Viertel Klein Faldern stark zugenommen hat, konnten die Anwohner hautnah feststellen. Mancher Trecker, mancher Reisebus und großer Lkw nutze die Friedrich-Ebert-Straße, obwohl es nicht erlaubt ist. Eingangs sind inzwischen Schilder mit einer 7,5-Tonnen-Begrenzung aufgestellt. Sie würden ignoriert. „Wenn die Durchfahrt durch die Stadt nicht möglich ist, was sollen die Fahrer denn machen?“ so Koppaetzky. „Wir haben mit dem Handy gefilmt, wie sich beispielsweise minutenlang ein 40-Tonner mit Anhänger von der Mühlenstraße kommend, über die Friedrich-Ebert-Straße an die Neue Kirche vorbei gezirkelt hat. Da wackelt bei uns im Schrank das Geschirr.“

Die IG zweifelt zudem die Realisierung von Parkhäusern, die zwingend in ein Gesamtkonzept „autofreie Innenstadt“ gehörten, an. „Immer mehr Parkmöglichkeiten, wie nun durch die Umgestaltung der Bushaltestelle am Agterum verschwinden“, sagte Kappaetzky. „Autofrei ist ja schön, aber soll ein Rentner mit 80 Jahren mit seiner Gehhilfe wirklich im Parkhaus am Wasserturm seinen Wagen abstellen und dann zur Apotheke am Markt laufen?“

Fehlende Parkhäuser und Extra-Einladung

Tatsächlich ist es in der letzten Zeit still geworden um ein Parkkonzept in Emden. Allerdings hatte Stadträtin Irina Krantz bei einer Informationsveranstaltung am 17. Februar 2024 vor Ort auch erklärt, dass inzwischen ein Umdenken zum Thema Verkehr in der Innenstadt erfolgt sei und sogar Händler fordern würden, „Parkhäuser zu bauen und den Verkehr rauszuschmeißen“. Mit Parkhäusern entfalle zumindest der Parksuchverkehr, so Krantz.

Diese Info-Veranstaltung in Form eines Spaziergangs war Auftakt der seitens der Stadt versprochenen Bürgerbeteiligung bei großen stadtplanerischen Veränderungen in Emden. Los ging es an den umstrittenen Stellen der Neutorstraße und dem Delft. Dort erfolgten Rundgänge mit diversen Gruppen wie Eigentümern anliegender Gebäude, mit Vertretern von Einzelhandel und Gastronomie, dem Seniorenbeirat und Beirat für Menschen mit Teilhabeeinschränkungen. Außerdem folgten Mitglieder des Jugendparlaments und der Hochschule der Einladung, schließlich gab es einen offenen Spaziergang für interessierte Bürger und nochmals einen für Ratsmitglieder. Eine explizite Einladung für umliegende und verkehrsgeschädigte Anlieger gab es nicht.

Koppaetzky und ihre Mitstreiter fühlen sich inzwischen nicht mehr ernst genommen. „Wir werden sehr genau beobachten, was die Stadt als nächstes mit der Brechstange durchgeführt und uns, wenn nötig, dagegen wehren.“

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