Erst Hackbraten, dann Rauswurf  Rehden-Boss äußert sich nach Eklat beim Kickers-Spiel

| | 04.03.2024 16:48 Uhr | 5 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Rehdens Klubchef Friedrich Schilling schmiss einige Emder aus dem VIP-Raum, später auch den OZ-Fotografen, den er sogar schubste. Foto: Doden/Emden
Rehdens Klubchef Friedrich Schilling schmiss einige Emder aus dem VIP-Raum, später auch den OZ-Fotografen, den er sogar schubste. Foto: Doden/Emden
Artikel teilen:

Gerd Krauledat und einige Emder wurden aus dem VIP-Raum geworfen, ein Fotograf von Friedrich Schilling geschubst. Es ist der dritte Ärger rund um ein Spiel der Klubs in kurzer Zeit.

Emden - Gerd Krauledat nahm den Eklat von Rehden am Montag mit Humor. „Den Hackbraten hätte ich gerne aufgegessen. Der schmeckte wunderbar“, sagte der Stadionsprecher des BSV Kickers Emden und Freier Mitarbeiter von „Radio Ostfriesland“. Doch dazu kam es Samstag nach dem Emder 2:0-Sieg im VIP-Raum des BSV Rehden nicht mehr. Krauledat musste den Teller stehen lassen – Rehdens Klubchef Friedrich Schilling hatte die 79-jährige Kickers-Legende und seine Begleiter aus Emden rausgeworfen.

Gerd Krauledat bedient im Ostfrieslandstadion auch die nostalgische Anzeigetafel. Archivfoto: Doden/Emden
Gerd Krauledat bedient im Ostfrieslandstadion auch die nostalgische Anzeigetafel. Archivfoto: Doden/Emden

Kickers-Trainer Stefan Emmerling wollte und musste dann auch gehen, als er von dem Rauswurf der Kickers-Leute erfahren hatte und sich solidarisierte. Er war gerade in dem 1. Stockwerk erschienen, um an der Pressekonferenz teilzunehmen. Doch das tat er dann nicht mehr.

Kein Kontakt zu Kickers

Zum kompletten Eklat kam es einige Minuten später, als OZ-Fotograf Jens Doden im VIP-Raum auch Fotos von Friedrich Schilling machte. Der Unternehmer und Macher des Klubs aus dem Kreis Diepholz wollte Doden das Fotografieren untersagen und schubste diesen letztlich sogar mit beiden Händen. OZ-Sportredakteur Niklas Homes beobachtete die Szene, ging dazwischen – und veröffentlichte die Vorkommnisse von Rehden.

Als Rehden-Klubchef Friedrich Schilling seinen Unmut über Foto-Aufnahmen Luft machte, versuchte Sportredakteur Niklas Homes zu beruhigen. Foto: Doden/Emden
Als Rehden-Klubchef Friedrich Schilling seinen Unmut über Foto-Aufnahmen Luft machte, versuchte Sportredakteur Niklas Homes zu beruhigen. Foto: Doden/Emden

Unsere Zeitung kontaktierte Friedrich Schilling am Montag telefonisch. Ein Gespräch mit Kickers müsse es nicht geben, da die Personen zurecht des VIP-Raums verwiesen worden seien, erklärte er. Auch bei dem Fotografen hat er sich nicht gemeldet. Er sieht keinen Anlass dafür.

Krauledat spricht von „Retourkutsche“

Im Telefongespräch mit dem starken Mann des BSV Rehden wird deutlich, dass der VIP-Raum-Ärger Vorgeschichten hat. Oder wie es Gerd Krauledat sagt: „Das war eine Retourkutsche von ihm, nichts anderes.“

Beim Emder 4:1-Hinspielsieg im September war Schilling von einem Ordner nicht zur Mannschaft in die Kabine gelassen worden. „Das war ein Fehler von unserem Ordner“, bestätigt Krauledat. Mit einer sogenannten Liga-Karte, von der jeder Oberligist laut Krauledat fünf erhalte, können Offizielle eines Vereins den Innenraum – Spielfeldrand, Kabinentrakt, Pressekonferenzraum – betreten.

Schilling-Ärger in Emden

Bei der anschließenden Pressekonferenz war Schillings Ärger noch sehr groß. Als der Klubboss den Emder VIP-Raum betrat, fiel er Kickers-Trainer Stefan Emmerling während seines öffentlichen Statements zum Spiel lautstark ins Wort.

„Und ich musste mir in Emden auf der Tribüne auch mehrfach einen neuen Sitzplatz suchen, weil ich keinen festen Platz bekam“, sagte Schilling am Montag. Dazu erklärte Gerd Krauledat: „Die Liga-Karte ist nicht mit einem festen Sitzplatz verbunden, das hat nichts mit Herrn Schilling zu tun.“

Fischbrötchen in Emden

All das, so vermutet Gerd Krauledat, habe dann dazu geführt, dass er „zu unrecht“ aus dem Raum verwiesen wurde. „Ich hatte sogar zwei Berechtigungen, um mich in dem Raum aufzuhalten“, berichtet der 79-Jährige, der seit 1977 Emdens Stadionsprecher ist und auch schon Hunderte Auswärtsspiele als Offizieller des Vereins begleitete. Zum einen habe er die besagte Liga-Karte vorzeigen können. „Zudem bin ich aber auch akkreditiert gewesen, als Mitarbeiter von Radio Ostfriesland. Die Mitschnitte der Trainer-Statements werden immer für die Kickers-Sendung ,Flutlicht‘ verwendet.“

Längst nicht alle Oberligisten besitzen einen VIP-Raum, in dem Pressekonferenzen stattfinden und Sponsoren und VIP-Karten-Inhaber auch noch verköstigt werden. In Emden werden immer Kuchen, mal eine Suppe oder Nudeln gereicht. „Zuletzt gab es Fischbrötchen“, sagt Gerd Krauledat.

„Alle Emder raus hier“

Eines ist von Emden bis Hildesheim immer gleich: Wer eine Zutritts-Karte für den Bereich hat, kann sich dann auch am Buffet bedienen. „Bei uns ist das nicht so“, meinte Schilling trotzig. Doch schriftliche Hinweise, weitere Kontrollen, verschiedene Armbändchen oder ein „Zwei-Klassen-Buffet“ gibt es in Rehden nicht. Also verkürzte sich Gerd Krauledat die Wartezeit bis zum Eintreffen der Trainer mit dem Gang zum warmen Buffet. „Das sah alles sehr schmackhaft aus.“

Das Foto zeigt den VIP-Raum und auch jenen Bereich (hinten links), in dem das Buffet frei zugänglich aufgebaut worden war. Dass Emdens Gerd Krauledat sich dort bediente, schmeckte Friedrich Schilling nicht. Das Foto zeigt ihn beim Ärger um Foto-Aufnahmen. Foto: Doden/Emden
Das Foto zeigt den VIP-Raum und auch jenen Bereich (hinten links), in dem das Buffet frei zugänglich aufgebaut worden war. Dass Emdens Gerd Krauledat sich dort bediente, schmeckte Friedrich Schilling nicht. Das Foto zeigt ihn beim Ärger um Foto-Aufnahmen. Foto: Doden/Emden

Doch vom Hackbraten konnte der Rentner, der seit 70 Jahren Kickers-Mitglied ist, nur ein paar Bissen genießen. Dann „identifizierte“ Friedrich Schilling den Stehtisch von Gerd Krauledat und Co. als „Emder Stehtisch“. In dem kurzen „Gespräch“ habe Schilling, so Krauledat, die Emder auch gefragt, ob sie für das Essen bezahlt hätten. „Dann sagte er: Die Emder haben hier nix zu suchen, alle Emder raus hier.“

Stühle flogen im Rehden-Klubheim

Den Frust-Pegel ansteigen ließen bei Friedrich Schilling offensichtlich auch Gesänge aus dem mit rund 70 Personen gefüllten Gästeblock. „Rehden-Schweine“ war dort ebenso zu hören wie „Rehden-Schweine: Und wir nehmen eure Kneipe wieder ein“.

Der Emder Gäste-Block in Rehden war gut gefüllt. Foto: Doden/Emden
Der Emder Gäste-Block in Rehden war gut gefüllt. Foto: Doden/Emden

Damit spielten die Emder Fans auf einen unschönen Vorfall aus dem November 2022 in Rehden an. Nach dem Regionalliga-Spiel gegen Kickers wurden laut damaligen Polizeibericht Emder Fans, die am Vereinsheim entlang laufen mussten, nach dem Spiel aus dem oberen Bereich – wo sich der VIP-Raum befindet – von Feiernden „verhöhnt und bepöbelt“. Daraufhin pöbelten manche Emder zurück, beschädigten Sitzplätze und versuchten, das Vereinsheim „zu stürmen“, wie es in dem damaligen Polizeibericht hieß. Es gab körperliche Auseinandersetzungen, Stühle flogen und die deeskalierende Pressesprecherin Silvia Lange wurde ebenfalls attackiert. Sie stellte daraufhin Strafanzeige. Die Polizei rückte an, als sich der Tumult schon aufgelöst hatte.

Diesmal blieb alles friedlich, wenngleich es im Gästeblock zu Schäden am Zaun gekommen sein soll, wie Friedrich Schilling sagt. „Wir schauen gerade, wie hoch die Schadenssumme ist“, sagt Schilling, dessen Kickers-Wut nach dem Spiel groß war. Gerd Krauledat bekam das mit seinen Begleitern ebenso zu spüren wie OZ-Fotograf Jens Doden. Die Stadionsprecher-Legende hat nach Kickers-Spielen schon Hunderte VIP-Räume besucht, sich an Buffets bedient – von München über Hannover bis Flensburg. „Rausgeschmissen wurde ich noch nie. Schade, der Hackbraten war wirklich sehr, sehr lecker.“

Ähnliche Artikel