Ruhezeit für Natur  Positive Abstimmung für Projekt Kurbelfähre am Fehntjer Tief

| | 05.03.2024 11:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Alle zwei Jahre gibt es bei der Fahrradrallye „Van Dörp to Dörp“ eine Überquerungsmöglichkeit mit einem Ponton. Daraus soll eine feste Kurbelfähre werden. Foto: Ortgies/Archiv
Alle zwei Jahre gibt es bei der Fahrradrallye „Van Dörp to Dörp“ eine Überquerungsmöglichkeit mit einem Ponton. Daraus soll eine feste Kurbelfähre werden. Foto: Ortgies/Archiv
Artikel teilen:

Zunächst hatten Politiker in Moormerland skeptisch auf eine zeitweise Sperrung von Straßen am Fehntjer Tief reagiert. Nun gibt es offenbar einen Sinneswandel.

Moormerland - Eine Beschlussvorlage, die mit der geplanten Kurbelfähre am Fehntjer Tief in Zusammenhang steht, löste kürzlich großen Ärger in der Kommunalpolitik in Moormerland aus. Darin geht es um die Sperrung von drei Straßen, die von März bis Juli für Radfahrer gesperrt werden sollen. Während diese Regelung zunächst auf große Skepsis stieß, scheint jetzt ein Sinneswandel eingetreten zu sein.

Teile des Heikelandsweges, des Strangeweges und des Leidseweges sollen künftig vom 15. März bis 15. Juli nicht von Radfahrern benutzt werden, sofern die Kurbelfähre im Betrieb ist. Das macht der Landkreis Leer zur Bedingung für die wasserbaurechtliche Genehmigung. Ohne diese kann die Kurbelfähre, mit der man handbetrieben über das Fehntjer Tief zwischen Ihlow und Moormerland übersetzen kann, nicht gebaut werden.

Gutachter sieht Störungen kommen

Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeitet die Gemeinde Moormerland an der Verwirklichung des Projektes, seit mehreren Jahren gemeinsam mit der Gemeinde Ihlow. Für das Genehmigungsverfahren musste ein naturschutzfachliches Gutachten erstellt werden, das die Gemeinde Moormerland in Auftrag gegeben hat. Das damit betraute Fachbüro kam zu dem Ergebnis, dass der Betrieb der Kurbelfähre voraussichtlich dazu führen wird, dass mehr Radfahrer als bisher in der Umgebung der Fähre unterwegs sein werden.

Entlang des Fehntjer Tiefs zieht sich jedoch ein großes Landschafts- und Naturschutzgebiet. Teile davon sind als Flora-Fauna-Habitat-Flächen (FFH) gemeldet. Dort gelten besondere Schutzbestimmungen unter anderem für die Tierwelt. Der Gutachter geht davon aus, dass mehr Radfahrer auch mehr Störungen für die zum Teil sehr seltenen Arten mit sich bringen. Deshalb will der Landkreis sein Einverständnis nur geben, wenn mittels Sperrungen dieses Gebiet geschont wird.

Ortsrat lehnt Sperrung ganz ab

Dagegen hatte sich zunächst Protest geformt: Der Ortsrat Hatshausen/Ayenwolde hatte die Beschlussvorlage geschlossen abgelehnt. Man wolle sich vom Landkreis Leer nicht „erpressen“ lassen. Der Heikelandsweg und der Leidsweg sind direkte Verbindungen zwischen dem Ippenwarfer Weg, wo die Fähre gebaut werden soll, und Ayenwolde und Hatshausen. Die Ortsratsmitglieder sehen ihren Ort somit als abgetrennt von der Kurbelfähre.

Eine Kurbelfähre gibt es seit vielen Jahren an der Holtlander Ehe. Dort können Radfahrer aus eigener Kraft übersetzen. So ähnlich soll die Fähre am Ippenwarfer Weg aussehen. Foto: Ortgies/Archiv
Eine Kurbelfähre gibt es seit vielen Jahren an der Holtlander Ehe. Dort können Radfahrer aus eigener Kraft übersetzen. So ähnlich soll die Fähre am Ippenwarfer Weg aussehen. Foto: Ortgies/Archiv

Ebenso kritisch äußerten sich die Mitglieder von CDU und Moormerländer Wählergemeinschaft (MWG) im Bauausschuss zu der Sperrung. Zustimmen wollten sie der Beschlussvorlage nicht, stattdessen verwiesen sie diese an den Verwaltungsausschuss (VA), dem die Spitzen der Ratsfraktionen angehören und der nichtöffentlich tagt. Dieses Gremium traf sich vorige Woche und kam zu einem ganz anderen Ergebnis.

Keine Schranke, kein Poller

Denn nun fiel der Beschluss einstimmig – und zwar für die Sperrung der drei Straßenabschnitte in besagtem Zeitraum. Bürgermeister Hendrik Schulz (SPD) ließ dazu wissen, dass er „die Position der Gemeinde noch mal dargelegt“ habe. Dazu gehört, dass es weder Schranken noch Poller geben wird, um die Sperrung durchzusetzen. Diese wird lediglich durch Beschilderung bekannt gegeben, versichert Schulz.

Mit motorisierten Fahrzeugen dürfen zwischen dem 15. März und 15. Juli nur noch Anlieger und Landwirte, die ihre Flächen in dem Gebiet haben, durchfahren. Dieses soll nun ausdrücklich schriftlich festgehalten werden. Am 14. März tagt der Gemeinderat (Beginn 19 Uhr im Rathaus). Wenn dieser ebenfalls der Sperrung zustimmt, könnte es nach etwa einem Vierteljahrhundert tatsächlich dazu kommen, dass die Kurbelfähre gebaut wird.

ADFC hält Regelung für „unsinnig“

Kritik an der geforderten Sperrung von dritter Seite zielte vor allem darauf ab, dass Radfahrer von vielen als weniger störend betrachtet werden als Landwirte, die mit ihrem Traktor zur Bewirtschaftung ihrer Felder am Fehntjer Tief unterwegs sind. So sieht es auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC), Ortsgruppe Moormerland-Hesel. „Damit wäre die im regionalen Radverkehrsnetz ausgewiesene Verbindung zwischen Timmel und Oldersum für fast zwei Drittel der Radverkehrssaison gesperrt“, so der Vorsitzende Hans-Hermann Joachim in einer Mitteilung.

Die Strecken seien Bestandteil des Knotenpunktnetzes der Region, einem Orientierungssystem für Radwanderer. Die Regelung, dass Anlieger und Landwirte freie Fahrt haben, der Radverkehr jedoch eingeschränkt werde, bezeichnet der ADFC als „einigermaßen unsinnig“. Aus seiner Sicht störe Radverkehr die Fauna nur wenig, „handelt es sich doch um den leisesten und schonendsten Verkehr überhaupt“. Die Felder würden auch in der Brut- und Setzzeit bewirtschaftet, so Joachim, die Durchfahrt landwirtschaftlicher Fahrzeuge sei sicher störender als der Radverkehr. Der ADFC fordere, dass es nicht zu der Sperrung kommt.

Ähnliche Artikel