Pläne vorgestellt  Jetzt ist klar, was mit dem Seniorenhuus in Greetsiel passiert

| | 14.03.2024 16:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
So könnte das Gebäude am Kalvarienweg Ende 2025 aussehen. Bild: Krause
So könnte das Gebäude am Kalvarienweg Ende 2025 aussehen. Bild: Krause
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Lange schon steht das ehemalige Seniorenhuus in Greetsiel leer. Nun hat Mitinhaber und Betreiber der ehemaligen Pflegeeinrichtung, Gunnar Sander, zusammen mit einem Architekten Pläne vorgestellt.

Greetsiel - Nachdem die Gemeinde Krummhörn lange gemeinsam mit Gunnar Sander nach einer zukunftsfähigen Lösung für das ehemalige Seniorenhuus in Greetsiel gesucht hatte, scheint diese nun gefunden zu sein. Eine Pflegeeinrichtung wird dort nicht mehr entstehen, hieß es von Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) bei einem Pressegespräch am Donnerstag, 14. März 2024.

Im Zentrum des Fischerdorfs seien stattdessen neben Gastronomie und Ferienwohnungen auch Kaufwohnungen geplant. Diese sollen durch ihre Barrierefreiheit auch für ältere Bewohner zugänglich sein.

Eine Chronologie der Pläne für das Seniorenhuus

Es sei schnell allen Beteiligten klar geworden, dass das Pflegeheim in Greetsiel so nicht weiterbestehen konnte, sagt Looden. Auch Sander als Betreiber des ehemaligen Seniorenhuus stimmt dieser Einschätzung zu. „Die Kernidee der Pflege ist dort einfach nicht realisierbar.“ Ein wirtschaftlicher Betrieb sei schon beim Seniorenhuus nicht mehr möglich gewesen, wie Sander bereits in der Vergangenheit sagte. Das Heim sei nur zur Hälfte ausgelastet und laufende Kosten seien zu hoch gewesen. Zudem war aufgrund des Zustands des Seniorenhuus eine Sanierung notwendig geworden, was eine zusätzliche finanzielle Belastung bedeutet hätte.

Zuerst hieß es noch, Sander wolle das Seniorenhuus sanieren. Aber durch gestiegene Baukosten musste er dieses Vorhaben verwerfen. Stattdessen musste eine andere Lösung her. Im vergangenen Herbst wurden Pläne bekannt, nach denen in dem Objekt Ferienwohnungen entstehen sollten. Doch nachdem das betreffende Banner an dem Haus im Greetsieler Ortskern angebracht wurde, regte sich Widerstand im Dorf. Sogar eine Solidaritätskundgebung fand statt. Sander zeigte sich weiterhin offen für Alternativen, der Vorschlag für die Umnutzung als Feriendomizil war noch nicht fix.

Ein Restaurant mit 120 Plätzen

Nun hat sich diese Alternative offenbar gefunden, in der Form einer Mischnutzung als Kompromiss für Eigentümer und Bürger. Im Pressegespräch präsentierte Sander zusammen mit dem Architekten Jörg Krause aus Mettingen seine Pläne für das ehemalige Seniorenhuus. Im Erdgeschoss soll auf 300 Quadratmetern ein großer Gastronomiebereich entstehen, mit zentraler Bar und Theke. Rund 120 Personen hätten dort Platz, so Krause. Diese könnten in dem Restaurant ganztätig zum Essen und Trinken Platz nehmen, so lautet zumindest der Plan. Das heißt, Frühstück, Mittagessen, Abendessen und auch ein Barbetrieb würden auf diesen 300 Quadratmetern im Ortskern angeboten. Zusätzlich planen Sander und Krause, auf den grundstückseigenen Außenflächen Sitzgelegeheiten für die Gastronomie. Das locke bestimmt besonders in der Hochsaison viele Gäste an, so Krause. Benjamin Buserath von der Touristik GmbH Greetsiel-Krummhörn ist von der Idee begeistert. „Das ist bestimmt auch im Winter wunderbar. Dann kann man im Außenbereich einen Glühwein trinken, wenn es mal nicht regnet.“

Miteigentümer Gunnar Sander (links), Architekt Jörg Krause, Bürgermeisterin Hilke Looden und Benjamin Buserath von der Touristik GmbH begutachten die neuen Pläne für das Seniorenhuus. Foto: Groenendaal
Miteigentümer Gunnar Sander (links), Architekt Jörg Krause, Bürgermeisterin Hilke Looden und Benjamin Buserath von der Touristik GmbH begutachten die neuen Pläne für das Seniorenhuus. Foto: Groenendaal

Ob der Gastronomiebereich einmal verkauft oder verpachtet werden soll, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Aber es gibt auf jeden Fall schon interessierte Gastronomen, gibt Sander preis. „Einen bestimmten Kandidaten kann ich noch nicht vorstellen, aber die Gespräche mit Interessenten sind bereits in vollem Gange“, berichtet er. Diese sollen auch möglichst lang in dem Objekt verbleiben. Ein fliegender Wechsel nach einem Jahr sei nicht gewünscht, bestätigt auch der Architekt Krause. „Das Ziel ist es, langfristige Betreiber ins Haus zu holen“, so Krause. Der Sparkassenautomat neben dem geplanten Gastronomiebereich soll übrigens weiter erhalten bleiben, bestätigen Sander und Krause.

22 Wohnungen und 12 Apartments auf drei Stockwerken

Neben diesem Schwerpunkt auf Gastronomie, konzentrieren sich Sanders Pläne für das Seniorenhuus vor allem auf den Ausbau der Wohnungen und Apartments. Insgesamt 22 Wohnungen sollen in dem dreistöckigen Gebäude entstehen. Und diese Wohnungen, so Sander, sollen auch als Dauerwohnungen, zum Beispiel für Senioren, geeignet sein. „Ein Großteil der Wohnungen wird mit dem Aufzug erreichbar sein“, sagt er. Es sei allgemein der Plan, die Wohnungen barrierefrei zu gestalten.

Im Dachgeschoss des Objektes sollen sechs Wohnungen entstehen. Foto: Groenendaal
Im Dachgeschoss des Objektes sollen sechs Wohnungen entstehen. Foto: Groenendaal

Im Erdgeschoss soll es neben dem großen Gastrobereich auch Platz für sieben Apartments und fünf Wohnungen geben. Die Apartments, auf der Seite der Straße „Zur Hauener Hooge“ gelegen, könnten zum Beispiel an Bedienstete im Ort vermietet werden. Aber auch eine Kurzzeitvermietung an Fahrradtouristen kann sich Sander vorstellen. Die Wohnungen an der Vorderseite des Objektes, mit einer Größe zwischen 50 und 80 Quadratmetern, sollen zum Kauf angeboten werden. Genaue Kosten kann Sander noch nicht nennen. Auch im Obergeschoss sind neben elf Wohnungen fünf Apartments vorgesehen, welche zum Beispiel als sogenannte „Boardingapartments“ auch für längere Zeiträume vermietet werden könnten. Zwei der Wohnungen, mit Blick Richtung Sandpadd, haben laut Sander eine geplante Größe von etwa 100 Quadratmetern. Ganz oben im Dachgeschoss sollen nochmal sechs Wohnungen entstehen, mit einer Größe zwischen 40 und 90 Quadratmetern.

Ein Kompromiss nach langem Leerstand

Im großen Ganzen liegt der Fokus bei diesen Plänen also auf der Mischnutzung von Gastronomie und Wohnen. Wie genau sich die Nutzung der Wohnungen und Apartments zusammensetzen wird, auch im Hinblick auf die Anzahl zu vermietender Ferienwohnungen, werde sich in Zukunft ergeben. Sander nennt als Wunschziel für die Fertigstellung des Bauprojektes Ende 2025. „Ein sportliches Ziel“, wie Krause ergänzt. Denn im Inneren des Hauses werde alles händisch saniert, das Haus sei eben kein Neubau. Geplant sei etwa die Optimierung der Wärmedämmung. Auch sollen alle Fenster ausgetauscht werden, um das Gebäude energetisch sparsamer zu machen. Die nächsten Schritte in der Planung bestehen in der Zusammenstellung der Baukosten, so Sander. „In den nächsten Wochen können wir dann hoffentlich die Zahlen veröffentlichen“, sagt er.

Bürgermeisterin Looden hofft, dass mit der Vorstellung dieser Pläne ein Kompromiss zustande gekommen ist, dem viele Bürger zustimmen können. „Wichtig ist, dass jetzt zügig was passiert“, sagt Looden. Auch Sander hofft, dass diese Lösung gut von der Bevölkerung angenommen wird. „Es gab keine Alternative, den Pflegebetrieb aufrechtzuerhalten, das haben wir lange probiert. Diese Lösung wird nicht alle glücklich machen, aber hoffentlich einen breiten Teil der Bevölkerung.“ Und dieser Fortschritt sei besser als die andere Alternative, der lange Leerstand, sagt Looden.

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