Vorwürfe in Norden Hat gekündigter WBN-Chef Lebenslauf geschönt – und die Stadt geschlampt?
Der mittlerweile gekündigte Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Norden soll seinen Lebenslauf geschönt haben. Das soll auch Bürgermeister Eiben kurz vor der Einstellung bekannt gewesen sein.
Norden - Hat die Stadt Norden bei der Einstellung des mittlerweile wieder entlassenen neuen Geschäftsführers der Wirtschaftsbetriebe Norden (WBN) zunächst geschlampt und dann wissentlich Ungereimtheiten verschwiegen? Das legen Vorwürfe nahe, die Volker Glumm, Fraktionschef der CDU im Norder Stadtrat, und Nordens stellvertretender Bürgermeister Hayo Wiebersiek nun im Rahmen eines Pressegesprächs zu verschiedenen Themen äußerten.
Demnach soll Said M. R. Khashey, der auf Thorsten Schlamann folgte, seinen Lebenslauf geschönt haben. Dies sei in der Stadtverwaltung, allen voran Bürgermeister Florian Eiben (SPD) und Erster Stadtrat Marcus Aukskel, wohl zunächst nicht aufgefallen. Erst als noch vor der Einstellung von Khashey Gerüchte die Runde machten, seien die Angaben wohl überprüft worden und die geschönten Angaben seien aufgeflogen. Die Stadtverwaltung habe die Einstellung dennoch vorgenommen.
Bürgermeister soll von falschen Angaben gewusst haben
Laut Glumm sollen Aukskel und Eiben spätestens am 29. Januar 2024 gewusst haben, dass Khashey sich nicht wie in seinem Lebenslauf behauptet aus einer festen Anstellung heraus beworben habe. Bei seinem vorherigen Arbeitgeber sei Khashey schon seit März 2023 nicht mehr, er wurde gekündigt, wie Glumm sagt. Die Fraktionsvorsitzenden im Norder Stadtrat seien ebenfalls, allerdings wohl erst deutlich nach der Verwaltung, den Gerüchten nachgegangen.
Trotz der offenbar der Stadtverwaltung vorliegenden Information ist Khashey aber eingestellt worden: als Geschäftsführer eines hundertprozentig kommunalen Unternehmens mit mehreren Standbeinen und einem Jahresumsatz im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Diese Stelle trat Khashey am 1. Februar 2024 an. Am 11. März wurde ihm „ordentlich innerhalb der Probezeit gekündigt“ – und Aukskel hat die Interims-Geschäftsführung übernommen. Dies sei erst geschehen, so Glumm, nachdem wiederum auch die Fraktionsspitzen des geschönten Lebenslaufes gewahr wurden und auf die Diskrepanzen im Lebenslauf hingewiesen hatten. Khashey wurde für die weitere Vertragsdauer freigestellt.
Gestörtes Vertrauensverhältnis
Als Begründung für die Kündigung gibt die Stadt Norden an, dass „das Vertrauensverhältnis zu ihm in einem nicht akzeptablen Maße gestört wurde“. Der ganze Vorgang ist für die CDU „skandalös“, wie es bei einem Gespräch am Freitagvormittag hieß. Nicht nur, weil der Lebenslauf des Bewerbers für diesen verantwortungsvollen Posten nicht überprüft wurde. Sondern auch, weil zu keiner Zeit die Politik in einem ordentlichen Gremium informiert wurde.
Auf offizielle Nachfragen zur Art des gestörten Verhältnisses hieß es kurz nach der Kündigung bisher lediglich, dass sowohl die Bewerbungsunterlagen von Khashey, als auch das Auftreten in den Vorstellungsgesprächen sowie seine fachliche Expertise bei allen Beteiligten einen sehr guten Eindruck hinterlassen hätten. Im operativen Geschäft habe sich dieser Eindruck „aber leider nicht bestätigt“.
Bürgermeister Eiben und Erster Stadtrat Aukskel antworteten am Freitag trotz mehrfacher Kontaktversuche zunächst nicht auf Anfragen dieser Zeitung zu den neuen Vorwürfen. Auch Khashey war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.