Fehlende Kindergartenplätze Kinderbetreuung in Weener – Angebot geht an Bedarf der Eltern vorbei
Im neuen Kindergartenjahr werden in Weener 20 Kinder keinen Betreuungsplatz bekommen. Dabei sind im Ortsteil Holthusen genauso viele Plätze in einer Nachmittagsgruppe frei. Wie kann das sein?
Weener - Die Situation in Weener ist vielleicht noch nicht dramatisch, unbefriedigend ist sie für einige Elternteile aber auf jeden Fall. Einige Berufstätige, die ihre Kinder während der Arbeitszeit gut betreut wissen wollen, müssen notgedrungen Omas und Opas Dienste in Anspruch nehmen oder sich eine Tagesmutter suchen. Denn in Weener gibt es nicht für alle Mädchen und Jungen einen Krippen- oder Kindergartenplatz.
Gerade einmal zwei „Notfallplätze“ für ganz dringende Fälle stehen hier im Kindergarten „Bunte Welt“ zur Verfügung. 20 Mädchen und Jungen werden nach den bisherigen Zahlen für das Kindergartenjahr 2024/2025 keinen Kindergartenplatz bekommen – zumindest nicht am Vormittag. Dabei gibt es in Holthusen eine Nachmittagsgruppe mit bis zu 20 Plätzen. Doch dieses Nachmittagsangebot geht offenbar am Bedarf vieler Eltern vorbei, weil sie vormittags berufstätig sind – oder im Fall von Müttern und Vätern mit Migrationshintergrund – einen Sprachkursus besuchen. Im Ausschuss für Jugend- und Soziales der Stadt Weener wurde daher über die Auflösung dieses Angebots diskutiert.
Nachmittagsplatz ist nicht gefragt
„Die Eltern nehmen lieber gar keinen Kindergartenplatz als einen am Nachmittag“, brachte Bürgermeister Heiko Abbas die Erfahrungen der Verwaltung auf den Punkt. Die Stadt müsse stärker auf die Wünsche und Bedürfnisse der Eltern reagieren und künftig dafür sorgen, jedem Kind einen Vormittagsplatz anbieten zu können.
Eine Entspannung der Situation erhofft sich die Stadt 2025. Dann soll am Sanddornweg in Tichelwarf die neue Lebenshilfe-Kindertagesstätte „Tichelwark“ mit Krippen- und Kindergartenangebot in Betrieb genommen werden. Kinder, die für diese Kindertagesstätte angemeldet wurden, können bis zur Inbetriebnahme in den vorhandenen Einrichtungen in Möhlenwarf und Holthusen betreut werden.
Situation in den Krippen
Die komplette Auflösung der Nachmittagsgruppe in Holthusen stieß bei der SPD auf Kritik. „Eine Schließung der Gruppe ist keine Lösung – auch wenn es derzeit keine Anmeldungen gibt“, machte SPD-Ratsfrau Ina Schullerer deutlich, „wir brauchen diese Gruppe, um bei Bedarf Plätze anbieten zu können. Was einmal weg ist, ist weg“. Im Ausschuss einige man sich auf einen Kompromiss zur kompletten Auflösung der Nachmittagsgruppe. Die Gruppe in Holthusen soll gewissermaßen im Stand-by-Betrieb laufen. Uwe Harms (CDU) begrüßte diese Idee. „So kann dieses Nachmittagsangebot bei Bedarf weitergeführt werden.“
Im Krippenbereich stellt sich die Situation in der Stadt Weener etwas entspannter dar. Aber auch hier wird das Angebot den Bedarf der Eltern im Kindergartenjahr 2024/2025 nicht vollständig decken. Für Mädchen und Jungen, die eigentlich einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz hätten, stehen noch fünf auf der Warteliste für einen Betreuungsplatz. Weitere Kinder, die erst im Laufe des Kindergartenjahres einen Rechtsanspruch erlangen, können nach jetzigem Stand ebenfalls nicht zum gewünschten Termin aufgenommen werden. Lediglich ein Platz ist noch frei. Der ist allerdings für ein Integrationskind mit speziellem Förderbedarf reserviert.
Laut Verwaltung wurde in einigen Einzelfällen entschieden, dass Kinder, die das dritte Lebensjahr erst ab Oktober 2024 vollenden, zunächst noch weiter in den Krippen betreut werden. Auf diese Weise können Plätze für Kinder mit einem Rechtsanspruch vor oder ab August vorgehalten werden. So wurde erreicht, dass mehrere Kinder, die sonst unversorgt wären, eine Betreuung erhielten. „Wir hoffen, dass sich die Situation im Laufe des Jahres weiter entspannt“, so Fachbereichsleiterin Traute Abbas. Dazu könnte auch die Entscheidung von Eltern sogenannter „Flexi-Kinder“ betragen. So werden Kinder bezeichnet, die in der Zeit vom 2. Juli bis zum 1. Oktober sechs Jahre alt werden. Wenn die Eltern sich für einen Einschulungstermin in diesem Jahr entscheiden, können Kindergartenkinder von der Warteliste auf die freiwerdenden Plätze nachrücken.