Frühjahrsputz So wird die Manningaburg sauber gehalten
Am letzten Wochenende vor der Eröffnung wurde die Manningaburg vom Heimatverein Krummhörn einem großen Frühjahrsputz unterzogen. Auch Ziegen spielten bei dieser Aktion eine kleine Rolle.
Pewsum - Zehn freiwillige Helfer trafen sich am Samstagmorgen, dem 27. April 2024, schon gegen 9 Uhr vor der Manningaburg in Pewsum. Ausgerüstet mit Staubsaugern, Wischtüchern und ganz speziellen Pinseln haben die Unterstützer, allesamt Mitglieder des Heimatverein Krummhörn und deren Angehörige, an diesem Wochenende die ehemalige Häuptlingsburg von oben bis unten geputzt. Wir waren dabei und haben uns bei dieser Gelegenheit vom Heimatverein erklären lassen, worauf man bei der Reinigung der historischen Inneneinrichtung der Burg besonders achten muss.
Wo vor über 500 Jahren noch Häuptlinge aus dem Geschlecht der Manninga lebten, sind heute ein Burgmuseum und ein Standesamt untergebracht. Und die sollen dem Ort Pewsum auch noch möglichst lang erhalten bleiben, findet der Heimatverein Krummhörn. Unter dem neu gewählten ersten Vorsitzenden Menno Müller, vorher Archivar des Vereins, haben die Vereinsmitglieder sorgsam die Innenräume der Burg gereinigt. Dazu zählen unter anderem das Trauzimmer, der Burgsaal und das Verlies.
Spezielle Ziegenhaarpinsel für die Gemäldereinigung
Der Frühjahrsputz der Manningaburg findet immer am letzten Wochenende vor der Eröffnung des Burgmuseums am 1. Mai statt. Und im Gegensatz zur gewöhnlichen Putzaktion im häuslichen Umfeld muss man bei der Säuberung der alten Gemälde und porösen Böden einiges beachten, erklärt Menno Müller. „Es ist ganz wichtig, dass wir nicht mit zu viel Feuchtigkeit in den Innenräumen arbeiten, das vertragen die Gemälde nicht.“ Stattdessen arbeiten die Helfer hauptsächlich mit Staubsaugern, um die Böden und Treppen der Burg zu reinigen. Auch nutzen sie Staubtücher, um so zum Beispiel ganz behutsam Abbildungen der Gemeindewappen an der Wand vom Staub zu befreien.
Ganz besonders müssen die Vereinsmitglieder bei der Reinigung der Gemälde aufpassen. „Dafür nutzen wir feine, weiche Pinsel aus Ziegenhaar“, so Müller. Diese würden auch von Restauratoren verwendet werden, um die Oberfläche von Gemälden möglichst schonend von Staub zu reinigen. Im Obergeschoss der Manningaburg hat man sich sogar etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um ein altes Ausstellungsstück von schädlichen äußeren Einflüssen zu schützen. Denn dort befindet sich, luftdicht in einer Glasvitrine eingeschlossen, eine Sarkophagdecke aus dem Jahr 1636. Diese sei aufgrund ihres Alters so porös, dass selbst Luft und UV-Licht sie zum Bröseln bringen könnten, erklärt Müller. Aus diesem Grund befinden sich im betreffenden Ausstellungsraum Fenster, die das UV-Licht herausfiltern.
Nach zwei Stunden erstrahlt die Burg wieder
Während des Vormittags in der Burg polieren die Helfer Glasvitrinen, sie befreien Möbelstücke von Staub, fegen die Treppen und sorgen dafür, dass das Zimmer von Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen, Deutschlands erster Frauenärztin und 1872 in Pewsum geboren, wieder erstrahlt. Nach rund zwei Stunden Arbeit sind die Vereinsmitglieder zufrieden mit ihrer Leistung. Die Burg ist sauber und bereit dazu, ab dem 1. Mai wieder die Türen für interessierte Besucher zu öffnen. „Viele Hände, schnelles Ende“, fasst Vorsitzender Müller den erfolgreichen Frühjahrsputz beim anschließenden gemeinsamen Frühstück im Burgsaal zusammen.
Für die Reinigung des Außengeländes ist die Gemeinde Krummhörn zuständig, seit 1980 Eigentümerin der Burg. Zu deren Aufgaben zählen dann zum Beispiel das Befreien der Regenrinnen von Laub und die Instandhaltung der Grünflächen, sagt Müller. Er erinnert sich an eine besonders unschöne Reinigung der Fassade, als dort vor etwa zwei Jahren Hakenkreuze an den unvollendeten Grabstein links vom Eingang eingeritzt wurden. Der Stein musste damals von einem Steinmetz abgeschliffen werden, um die verfassungswidrigen Zeichen wieder verschwinden zu lassen.
Viele Veranstaltungen geplant
Die aktuelle Putzaktion verlief vergleichsweise schnell und unkompliziert. Selbst die Helfer sind überrascht, wie zügig sie waren. Da bleibt sogar noch etwas Zeit für eine Führung mit Vereinsvorsitzendem Müller durch die Besonderheiten der Manningaburg. Im Verlies, den grausamen Folterungen sogenannter Hexen in der Burg gewidmet, weist Müller auf eine leere Glasvitrine. „Dort befindet sich normalerweise ein menschlicher Schädel, der kommt auch pünktlich zur Eröffnung wieder.“ Der Schädel wurde beim Kloster Sielmönken gefunden, erklärt Müller. Die genaue Herkunft sei nicht bekannt, doch der Schädel verweile außerhalb der Öffnungszeiten des Burgmuseums bei seinem Eigentümer, einem Verwandten eines ehemaligen Vorstandsmitgliedes des Heimatvereins. „Vom 1. Mai bis zum 13. Oktober ist der Schädel hier unten im Verlies, den Rest des Jahres dann wieder im Wohnzimmerschrank seines Besitzers“, schmunzelt Müller.
Nach der gelungenen Reinigung der Burg freut sich der Heimatverein nun wieder darauf, die Burg für alle zu öffnen. In diesem Jahr sind einige Veranstaltungen geplant, darunter ein Rahmenprogramm zum Museumstag am 19. Mai sowie ein Gottesdienst in Plattdeutsch am 28. Juli. Das Burgmuseum ist vom 1. Mai bis zum 13. Oktober an fünf Tagen die Woche zwischen 11 und 15 Uhr geöffnet. Schließtage sind montags und freitags.