Energiepreise, Strom-Import und Co. Mehr Geld für den EWE-Vorstand – Zahlen aus dem Jahresbilanz 2023
Die EWE hat im Jahr 2023 einen höheren Millionenbetrag für ihren Vorstand ausgegeben als im Vorjahr. Das geht aus dem Finanzbericht des Unternehmens hervor – genauso wie die Aufsichtsrat-Vergütungen.
Oldenburg/Ostfriesland - Der Oldenburger Energieversorger und Telekommunikationsdienstleister EWE hat am 25. April 2024 seine Bilanz für das Geschäftsjahr 2023 vorgestellt. Im Finanzbericht geht das Unternehmen auch auf die Rahmenbedingungen auf dem deutschen und europäischen Markt ein sowie auf die energiepolitischen Entwicklungen auf Landes-, Bundes- und Europa-Ebene. Ein Werk voller Zahlen. Unsere Redaktion veröffentlicht im Folgenden eine schlaglichtartige Auswahl.
Die Einflüsse auf den Energiemarkt im Jahr 2023
„Im Jahr 2023 haben gleich mehrere Faktoren auf die Energiemärkte eingewirkt“, berichtet die EWE. „Zu Beginn war es vor allem der noch andauernde Krieg in der Ukraine und der damit verbundene erste Winter unter neuen energiewirtschaftlichen Voraussetzungen, wie zum Beispiel die weitgehende Loslösung von Russland als bisher wichtigsten Lieferanten für Rohöl, Erdgas und Kraftwerkskohle für Deutschland. Dann ging es um die negativen allgemeinwirtschaftlichen Folgen des Krieges, welche die Brennstoff- und Stromnachfrage in der Industrie spürbar sinken ließ. Hinzu kamen (mit 56,03 Prozent der Gesamtstromerzeugung 2023 in Deutschland laut der Bundesnetzagentur) eine relativ auskömmliche Einspeisung erneuerbarer Energien und ein viertes Quartal mit milden Temperaturen, die zusammen für eine niedrige Nachfrage nach fossilen Brennstoffen für die Stromproduktion sorgten. Seit Anfang Oktober des vergangenen Jahres rückten die Spannung im Mittleren Osten in den Fokus der Märkte.“
Die Strompreis-Entwicklung an der Energiebörse
„Der Strommarkt wurde fast ausschließlich von den Entwicklungen in den Märkten für Gas, Kohle und Emissionszertifikate geprägt“, schreibt die EWE in ihrem Finanzbericht 2023. „Der Frontjahreskontrakt für Strom (Grundlast) in Deutschland (Base Cal 24) als Leitindex schloss am 2. Januar 2023 an der Energiebörse EEX (European Energy Exchange) bei 214,27 Euro pro Megawattstunden“ – also heruntergerechnet mit 21,4 Cent pro Kilowattstunde. „Nachdem er bis Anfang März 2023 auf das Niveau von 130,00 Euro pro Megawattstunde gesunken war, bewegte er sich bis Ende Oktober des Jahres zwischen rund 120,00 und 160,00 Euro pro Megawattstunde seitwärts“, berichtet die EWE. „Danach sank er weiter bis auf seinen Jahrestiefstand bei 86,62 Euro pro Megawattstunden am 19. Dezember 2023“ – also auf 8,66 Cent pro Kilowattstunde. „Der letzte Jahresschlusskurs lag bei 95,75 Euro pro Megawattstunde.“ Zum Vergleich: Seit dem 1. April 2024 zahlen EWE-Kunden in der „Grundversorgung“ 38,95 Cent pro Kilowattstunde Strom.
Die Gaspreis-Entwicklung an der Energiebörse
“Der Gasmarkt startete an der Energiebörse EEX (European Energy Exchange) mit dem TTF-Frontjahreskontrakt Cal 24 bei 75,50 Euro pro Megawattstunde in das Jahr 2023“, so die EWE. Heruntergerechnet ist das ein Preis von 7,55 Cent pro Kilowattstunde Gas. „Wie im Rohölmarkt, war auch dies der Jahreshöchstpreis. Im weiteren Verlauf sank der Preis und oszillierte dann bis Anfang Dezember 2023 zwischen 42,00 und 62,00 Euro pro Megawattstunde. Im Dezember des Jahres sank er bis auf das Jahrestief bei 34,10 Euro pro Megawattstunde am 19. Dezember 2023. Aus dem Jahr ging der Kontrakt mit 36,40 Euro pro Megawattstunde“ – also 3,64 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Seit dem 1. April 2024 zahlen EWE-Kunden in der „Grundversorgung“ 16,36 Cent pro Kilowattstunde Gas.
Der deutsche Strom-Bezug aus dem Ausland
„Im Berichtszeitraum wurden 9,2 Milliarden Kilowattstunden Strom mehr aus dem Ausland importiert als exportiert“, berichtet die EWE. „Damit wurde Deutschland erstmals seit 2002 wieder Netto-Importeur von Strom. Die Ausfuhren sanken im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr um 24 Prozent, die Importe stiegen dagegen um 38 Prozent an.“
Die Entwicklung erneuerbarer Energien
„Der Beitrag der erneuerbaren Energien erhöhte sich 2023 insgesamt um 2,3 Prozent auf 72,3 Millionen Tonnen SKE“, so die EWE. SKE steht für „Steinkohleeinheiten“. Im Finanzbericht heißt es weiter: „Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien wuchs um etwa 5 Prozent. Wichtigste Ursache dieser Entwicklung war die vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich höhere Stromproduktion der Windenergieanlagen an Land (plus 15 Prozent). Bei der Solarenergie gab es trotz eines starken Zubaus bei den Photovoltaikanlagen nur einen leichten Zuwachs bei der Stromproduktion (plus 1 Prozent). Die Stromerzeugung aus Wasserkraft erhöhte sich um 11 Prozent. Die Biomasse, auf die mehr als Hälfte des gesamten Primärenergieverbrauchs der erneuerbaren Energien entfällt, blieb um 4 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück.“
Der Rückgang der Kohlenstoffdioxid-Emissionen
„Die energiebedingten Kohlenstoffdioxid-Emissionen nahmen nach Schätzung der AGEB“ – der AG Energiebilanzen e. V. – „im Jahr 2023 infolge des gesunkenen Gesamtverbrauchs insbesondere bei den fossilen Energieträgern um gut 10 Prozent ab“, schreibt die EWE. „Dies entspricht einer Reduktion in der Größenordnung von 66 Millionen Tonnen.“ Kohlenstoffdioxid ist ein Gas, das aufgrund der von Menschen verursachten Mengen zur Erderwärmung beiträgt, also zum menschenverursachten Klimawandel.
Die Personalentwicklung der EWE
Im Geschäftsjahr 2023 beschäftigte der Konzern nach eigenen Angaben im Durchschnitt 10.845 Mitarbeitende (Vorjahr: 10.185 Mitarbeitende). Um Rückstände im Kunden-Service aufzuarbeiten, habe die EWE bis zu 500 Leute von Dienstleistern aquiriert, sagte Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler in der Bilanz-Pressekonferenz der EWE am 25. April 2024.
Die Strom- und Gasnetze der EWE
Im Bereich Netze betrieb die EWE zum 31. Dezember 2023 Strom- und Erdgasnetze im Ems Weser Elbe Gebiet sowie Erdgasnetze in Brandenburg, auf Rügen und in Nordvorpommern von insgesamt 143.200 Kilometer Netzlänge (Vorjahr: 142.600 Kilometer).
Der Stromausfall im EWE-Netz
„Während die durchschnittliche Stromausfallzeit laut der Bundesnetzagentur im Jahr 2022 pro Kunde und Jahr in Deutschland bei rund 12,2 Minuten lag, betrug die Ausfallzeit beim EWE-Konzern rund 5,79 Minuten und liegt im Jahr 2023 bei 5,93 Minuten“, schreibt die EWE.
Der Verdienst des EWE-Vorstands
„Die Gesamtbezüge der Mitglieder des Vorstands“ – gemäß Paragraf 314 Absatz 1 Nummer 6 Handelsgesetzbuch – „für das Geschäftsjahr 2023 betragen insgesamt 5,4 Millionen Euro“, heißt es im EWE-Finanzbericht. Im Jahr 2022 seien es 4,5 Millionen Euro gewesen. Euro (Vorjahr: 4,5 Mio. Euro). Dem Vorstand der EWE AG gehören fünf Personen an: Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler, Marktvorstand Dr. Christian Friege (seit 1. März 2023), Technikvorstand Dr. Urban Keussen, Finanzvorstand Wolfgang Mücher sowie Personal- und Rechtvorstand Vera Weidemann (seit 1. Juni 2023).
Des weiteren steht im EWE-Finanzbericht: „Für aktive Mitglieder des Vorstands der EWE AG bestehen Pensionsverpflichtungen aus Bruttoentgeltumwandlung in Höhe von 7,7 Millionen Euro (Vorjahr: 6,8 Millionen Euro), die über den EWE-Treuhandverein e. V. finanziert werden. Die Rückstellung für Pensionsverpflichtungen gegenüber früheren Mitgliedern des Vorstands und ihren Hinterbliebenen beträgt 37,7 Millionen Euro (Vorjahr: 35,3 Millionen Euro); die Gesamtbezüge belaufen sich auf 1,8 Millionen Euro (Vorjahr: 1,8 Millionen Euro).“
Darüber hinaus sind Angaben nach dem „International Accounting Standard 24“ (IAS 24) enthalten: „Die Gesamtbezüge der Mitglieder des Vorstands gemäß IAS 24 betragen 5,9 Millionen Euro (Vorjahr: 5,3 Millionen Euro). Darin enthalten sind feste und variable Vergütungsbestandteile sowie Nebenleistungen ganz überwiegend kurzfristiger Art. Neben der Grundvergütung in Höhe von 2,5 Millionen Euro (Vorjahr: 2,1 Millionen Euro) betreffen diese Tantiemen in Höhe von 1,6 Millionen Euro (Vorjahr: 1,1 Millionen Euro) sowie geldwerte Vorteile mit einem Betrag von 0,0 Millionen Euro (Vorjahr: 0,1 Millionen Euro). Zudem sind in den Bezügen eine Abfindungszahlung in Höhe von 0,3 Millionen Euro (Vorjahr: 0,2 Millionen Euro) und laufender Dienstzeitaufwand in Höhe von 1,5 Millionen Euro (Vorjahr: 1,8 Millionen Euro) enthalten.
Weiter hießt es: „Im Berichtsjahr betragen die für kurzfristig fällige Leistungen erfassten Aufwendungen an Vorstand und Aufsichtsrat insgesamt 6,8 Millionen Euro (Vorjahr: 6,2 Millionen Euro). Es bestehen Rückstellungen für variable Vergütungsanteile in Höhe von 1,3 Millionen Euro (Vorjahr: 1,2 Millionen Euro).“
Die Vergütung des Aufsichtsrats
„Dem Aufsichtsrat werden Vergütungen in Höhe von 0,9 Millionen Euro (Vorjahr: 0,9 Millionen Euro) gewährt“, wie aus dem EWE-Finanzbericht hervorgeht. „Darüber hinaus erhalten die Vertreter des Aufsichtsrats für ihre Tätigkeit als Arbeitnehmer eine Vergütung in Höhe von 0,7 Millionen Euro (Vorjahr: 0,7 Millionen Euro).“
Aufsichtsratsvorsitzender ist seit dem 30. Juni 2023 Heinz Feldmann, der ehemalige Leeraner Sparkassendirektor. Er folgte dem ehemaligen Leeraner Landrat Bernhard Bramlage (SPD) nach.
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