Tierschutzhof in Wiesmoor  Minischweine vermehren sich wie die Karnickel

| | 13.05.2024 19:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zwischen ihnen liegen nur ein paar Hundert Kilo: Auf Jenny Conrads Tierschutzhof in Wiesmoor leben Hausschweine und Minischweine einträchtig zusammen. Foto: Ortgies
Zwischen ihnen liegen nur ein paar Hundert Kilo: Auf Jenny Conrads Tierschutzhof in Wiesmoor leben Hausschweine und Minischweine einträchtig zusammen. Foto: Ortgies
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31 Minischweine hatte Tierschützerin Jenny Conrad aus Wilhelmsfehn vor eineinhalb Jahren zur Vermittlung übernommen. Was dann kam – damit hatte sie nicht gerechnet.

Wiesmoor - Eines kann man über Jenny Conrad nicht sagen: dass sich keine Sau für sie interessiert. Wenn sie über die Weideflächen ihres Tierschutzhofs am Ende der Straße Luisenwieke in Wilhelmsfehn spaziert, interessieren sich mehr als 70 Schweine für sie. Und noch viel interessierter sind die Tiere, wenn die Tierschützerin Futter dabei hat. Dann wuseln ihr die Schweinchen nur so um die Füße.

Zuhause gesucht: Minischweine sind gesellige Tiere. Abgegeben werden sie deshalb nur zu mehreren, mindestens paarweise. Foto: Ortgies
Zuhause gesucht: Minischweine sind gesellige Tiere. Abgegeben werden sie deshalb nur zu mehreren, mindestens paarweise. Foto: Ortgies

Tatsächlich fressen ihr die Minischweinchen die Haare vom Kopf: 25 Kilogramm Kraftfutter verspeisen die Tiere pro Tag, dazu frisches Obst und Gemüse. Gras rupfen sie eifrig von der Wiese und schmatzen dabei genüsslich. Dort, wo so ein Schweinchen am Werk war, wächst kein Gras mehr – zumindest erst einmal.

Schwein gehabt

„Diese Masse an Minischweinen war nicht geplant“, sagt Jenny Conrad. Vier oder fünf Schweinchen hatte sie ursprünglich und wollte keine weiteren aufnehmen, „weil wir ohnehin wenig Platz haben“. Doch dann musste sie bei einem Notfall helfen: Vor eineinhalb Jahren übernahm sie die Versorgung von 31 Minischweinen – bunt gemischt aus verschiedenen Rassen – aus einer ausgeuferten Haltung. „Übergangsweise war das geplant“, erzählt die Tierschützerin. Weil kein einziges der Tiere kastriert war und alle auf kleinem Raum zusammenlebten, wurden erst einmal weibliche und männliche Schweine getrennt. Die 13 Eber wurden kastriert.

Gut 75 schwarze und rosa Minischweine verschiedener Rassen und Größen tummeln sich auf den Weiden des Tierschutzhofs „Kleine Streuner" in Wiesmoor. Sie alle suchen ein Zuhause. Foto: Hanz
Gut 75 schwarze und rosa Minischweine verschiedener Rassen und Größen tummeln sich auf den Weiden des Tierschutzhofs „Kleine Streuner" in Wiesmoor. Sie alle suchen ein Zuhause. Foto: Hanz

Reicher Ferkelsegen nach 114 Tagen

„Wir haben dann versucht, die Tiere zu vermitteln“, erzählt Conrad. Das ging langsamer als gedacht und so holte sie alle Minischweine auf ihren Hof. Und dann setzte der Ferkelsegen ein. „Dass die Mädels alle tragend waren, zeigte sich nach drei Monaten, drei Wochen und drei Tagen.“ 114 Tage beträgt im Schnitt die Trächtigkeit eines Schweins. Und seitdem tummeln sich etwa 75 schwarze und rosa Minischweine verschiedener Größe auf ihrer Weide.

Die Tiere werden schnell handzahm, wenn man sich regelmäßig mit ihnen beschäftigt, weiß Jenny Conrad. Foto: Hanz
Die Tiere werden schnell handzahm, wenn man sich regelmäßig mit ihnen beschäftigt, weiß Jenny Conrad. Foto: Hanz

Acht Tiere hat Jenny Conrad inzwischen vermittelt. Doch weiterhin gilt: „Schweinchen suchen ein Zuhause“. Abgegeben werden sie mit Schutzvertrag und gegen Spende. „Wer Minischweine anschaffen möchte, muss sich das gut überlegen“, betont die Tierschützerin: Bis zu 25 Jahre alt können die Tiere werden – das ist deutlich älter als jeder Hund und die meisten Katzen. „Man muss sich im Klaren sein, dass man lebenslang für seine Tiere da sein muss“, so Conrad.

Kniehoch und bis zu 120 Kilogramm

Und anders, als die Bezeichnungen Minischwein, Minipig oder Teacup-Schwein nahelegen, bleiben die Tiere nicht winzig: Wenn sie mit fünf Jahren ausgewachsen sind, können sie kniehoch oder sogar größer sein und bis zu 120 Kilo auf die Waage bringen.

Das brauchen die Minischweine

Schweine sind gesellige Tiere, deshalb gibt Jenny Conrad sie nur zu mehreren ab, mindestens zwei, ideal ist eine Rotte aus 3-5 Tieren. Sie brauchen mindestens 500 Quadratmeter Auslauf und einen Stall, vorgeschrieben ist aus Gründen des Seuchenschutzes eine doppelte Einzäunung. Minischweine müssen beim Veterinäramt und bei der Tierseuchenkasse gemeldet werden. Jenny Conrad gibt die Tiere mit Schutzvertrag gegen Spende ab. „Beim Züchter kosten Minischweine 300 bis 400 Euro“, sagt sie. Und: „Es gibt genug arme Schweinchen auf Lebenshöfen und in Tierheimen, die ein Zuhause suchen.“ Wer Minischweine aufnehmen möchte, kann sich bei Jenny Conrad unter Tel. 01577/6450627 melden.

Die Minischweine des Tierschutzhofs „Kleine Streuner“ sind entspannt, aber eher zurückhaltend. „Ich habe keine Zeit, den ganzen Tag Schweinchen zu streicheln, deshalb sind sie nicht sehr zahm“, sagt Jenny Conrad. Doch wenn man sich intensiv um die Tiere kümmere und sie an sich gewöhne, „werden sie zu absoluten Schmusetieren“. Sie sind dann genauso verschmust und kontaktfreudig wie ihre großen Verwandten, die ebenfalls bei Conrad leben und nichts lieber haben, als dass ihnen der Bauch gekrault wird.

Wie jedes Schwein mögen es auch die Minischweine, sich im Schlamm zu suhlen. Foto: Ortgies
Wie jedes Schwein mögen es auch die Minischweine, sich im Schlamm zu suhlen. Foto: Ortgies

Auf gar keinen Fall gibt die Tierschützerin Minischweine als Schlachttiere ab. Auch solche Anfragen habe sie schon gehabt. „Nie im Leben lasse ich das zu“, sagt sie. Da haben die Tiere aber Schwein gehabt.

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