Schutz vor K.o.-Tropfen  Wie gut funktionieren Testarmbänder für K.o.-Tropfen?

| | 29.05.2024 17:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sie sollen helfen, K.o.-Tropfen in Getränken zu erkennen. Doch wie viel Sicherheit können die Testarmbänder tatsächlich geben? Foto: Ortgies
Sie sollen helfen, K.o.-Tropfen in Getränken zu erkennen. Doch wie viel Sicherheit können die Testarmbänder tatsächlich geben? Foto: Ortgies
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Wir haben zusammen mit der Hochschule Emden/Leer getestet, wie gut Testarmbänder K.o.-Tropfen erkennen können. Die Ergebnisse sind durchwachsen.

Emden - Jan Zuidema tropft etwas Flüssigkeit auf ein Papierarmband. Warten. Wenn sich das Feld mit der Flüssigkeit gelb verfärbt, sind keine K.o.-Tropfen im Getränk. Verfärbt es sich blau, dann sind K.o.-Tropfen drin. Das Feld verfärbt sich gelblich. Alles sicher.

Wenn sich Jan Zuidema, Student an der Hochschule Emden/Leer, auf dieses Testergebnis verlassen hätte, wäre es ihm ein paar Minuten später nicht gut ergangen. Das Getränk, eine normale Mischung Vodka-Orangensaft, hatte eine hohe Konzentration der Substanz GHB, meist als Liquid Ecstasy bezeichnet, beigemischt. Wie sicher sind also die Testarmbänder, die man zum Teil in Drogerien, Apotheken und im Internet bestellen kann? Diese Zeitung wollte es testen und hat zusammen mit der Hochschule Emden/Leer einen kleinen Test gemacht.

Warum wir an der Hochschule Emden/Leer getestet haben

Wichtig war dabei die kontrollierte Umgebung: Die Substanz GHB ist in Deutschland nicht illegal, fällt aber unter das Betäubungsmittelgesetz. Außerdem wollten wir wissen, ob auch noch weitere Substanzen, die als K.o.-Tropfen eingesetzt werden können, von den Testarmbändern erkannt werden. Diese Substanzen sind ebenfalls nicht illegal. Die Hochschule Emden/Leer bot mit den Laboratorien in Emden den perfekten Rahmen.

Der Student Jan Zuidema (links) und Dr. Julia Reimer von der Hochschule Emden/Leer besprechen die Testergebnisse. Foto: Ortgies
Der Student Jan Zuidema (links) und Dr. Julia Reimer von der Hochschule Emden/Leer besprechen die Testergebnisse. Foto: Ortgies

Jan Zuidema ist selbst Student dort, beaufsichtigt wurde die Versuchsreihe von Dr. Julia Reimer, Verwaltungsprofessorin Molekulare Biowissenschaften. Sämtliche getesteten Substanzen sind im Besitz der Hochschule gewesen und geblieben. Die versetzten Getränke wurden fachgerecht entsorgt und nicht getrunken.

So wurde getestet

Getestet wurden: Mineralwasser, Bier, Cola und Vodka-Orangensaft jeweils ohne Substanzen und dann jeweils mit einer niedrigen, einer mittleren und einer hohen Dosis GHB sowie zwei weiteren Substanzen.

Die Testergebnisse wurden protokolliert. Foto: Ortgies
Die Testergebnisse wurden protokolliert. Foto: Ortgies

Angenommen wurden Dosierungen für einen Menschen mit einem Körpergewicht von 70 Kilogramm, die Getränke hatten ungefähr Raumtemperatur oder waren leicht gekühlt. Ein Vorabtest zeigte, dass die Temperatur keine Auswirkungen auf das Ergebnis hat.

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Getestet wurden die Armbänder des Marktführers, die auch über Drogerien und Apotheken bezogen werden können.

Testarmbänder auf Partys: Auf das Kleingedruckte achten

Die erste Erkenntnis: Wasser sorgt immer für ein positives Ergebnis. Das steht auch auf der Packung der Testarmbänder. „Die Blaufärbung bei reinem Wasser und Regen ist ein Warnhinweis, dass das Testfeld versehentlich mit Spritzwasser in Berührung kam und nicht für einen weiteren Test genutzt werden kann“, so der Hersteller dazu auf seiner Internetseite. Bei anderen Getränken, die Wasser enthalten, soll die Wirksamkeit nicht eingeschränkt sein. Problem: Wer auf der Party Wasser trinkt, hat über die Armbänder halt auch keine Testmöglichkeit.

Allerdings ist die Aussagekraft der Testarmbänder ohnehin eingeschränkt. Was man erst bei genauerem Studium des Kleingedruckten feststellt: Es gibt eine Getränkeliste des Herstellers mit den Getränken, bei denen die Armbänder überhaupt funktionieren.

Diese Liste haben wir uns beim Test vorher bewusst nicht angesehen. Wer liest schon das Kleingedruckte vor einer Party? Tatsächlich war die Idee hinter dem Test, dass man die Armbänder gesehen und spontan gekauft hat, ohne sich allzu sehr mit Listen und ähnlichem aufzuhalten.

GBL-Nachweis in Bier und Cola, aber Vodka-O bleibt unauffällig

Die Versuche im Labor der Hochschule zeigten dann auch schnell: Vodka-O wird immer als „negativ“, also als frei von Substanzen, angezeigt. Auf einem Bild auf der Internetseite des Herstellers wird Vodka-O allerdings als Getränk gezeigt, bei dem die Armbänder anschlagen.

Jan Zuidema füllt eine der Testsubstanzen in den vorbereiteten Vodka-O. Foto: Ortgies
Jan Zuidema füllt eine der Testsubstanzen in den vorbereiteten Vodka-O. Foto: Ortgies

Anders verhielt es sich bei unserem Test bei Bier und Cola. Bei beiden Getränken wurde GBL bereits ab niedrigen Dosierungen festgestellt. In manchen Fällen dauerte es aber, bis sich das Testfeld blau färbte. Manchmal kam es zunächst sogar zu einer gelblichen Verfärbung.

Zum Vergleich: Teststreifen versagen völlig

Eine hohe Sicherheit bieten die Testarmbänder also nicht. Unter bestimmten Umständen können sie zwar einen Versatz mit GBL in Getränken erkennen, aber nicht bei allen Getränken.

Die beiden anderen Substanzen wurden von den Testarmbändern überhaupt nicht erkannt. Darauf weist auch der Hersteller hin, dass die Armbänder nur auf GBL reagieren. Für den Praxiseinsatz bedeutet das aber: Wirkliche Sicherheit bieten die Armbänder nicht.

Das gilt auch für Teststreifen, ähnlich denen für PH-Werte, die man beispielsweise über Amazon bestellen kann. Diese versagten beim Test völlig. Sie erkannten keine einzige Dosierung in keinem Getränk.

Wie eine Erfindung aus Ostfriesland für mehr Sicherheit sorgen könnte, das lesen Sie am 31. Mai 2024 auf oz-online.de.

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