Groningen bis Bremen Wunderline – wird es viel zu eng auf den Gleisen?
Gerade die Bahnstrecke Leer - Oldenburg ist stark ausgelastet. Für die Wunderline sollte es mehr Platz geben. Wird das was oder ist das das Ende des Groß-Projekts?
Weener/Leer - Wird es mit der Wunderline zu eng auf den Gleisen? Die Deutsche Bahn meldete in der vergangenen Woche, dass die Züge nicht wie geplant Ende 2024 auf der Strecke Groningen – Bremen unterwegs sein werden. Ein halbes Jahr Verspätung wird es wohl geben. Grund: Lieferengpässe, Hochwasser und Dauerregen.
Nun scheint allerdings der Zeitplan nicht das einzige, was ein wenig in Schieflage geraten zu sein scheint. Die zweite Ausbaustufe der Wunderline scheine finanziell auf wackeligen Beinen zu stehen, erklärt Hans-Joachim Zschiesche, Vorsitzender des Regionalverbandes Ems-Jade des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Damit könnte es für den Verkehr zu eng werden auf den Gleisen.
Wo liegt das Problem bei der Bahnstrecke Leer - Oldenburg?
Teile der Wunderline-Strecke sollten im zweiten Ausbauschritt zweigleisig ausgebaut werden. Die Deutsche Bahn beschreibt die Pläne für die Wunderline auf ihrer Internetseite so: „In der Baustufe 2 ist geplant, in den Abschnitten zwischen der deutsch-niederländischen Grenze und Ihrhove sowie zwischen Stickhausen-Velde und Augustfehn einen zweispurigen Streckenausbau zu realisieren.“ An einigen Bahnhöfen soll ein zusätzlicher Bahnsteig gebaut oder ein bestehender Bahnsteig verlängert werden.
„Gerade die Strecke Leer – Oldenburg ist größtenteils im Prinzip eingleisig. Es gibt wenige Punkte, an denen ein Kreuzen möglich ist“, so Zschiesche. Es handele sich um so etwas wie ein Nadelöhr. „Die Strecke ist ausgereizt.“ Die Wunderline-Verbindungen sollen allerdings einmal stündlich hinzukommen. So weit man wisse, lägen dennoch einige der Ausbaupläne wegen Geldmangels auf Eis.
Kann es ohne Ausbau überhaupt was werden?
Nein. „Um zusätzliche Züge zwischen Groningen, Leer und Bremen einzusetzen, braucht es schlicht mehr Platz auf den Gleisen. Die eingleisigen Streckenabschnitte zwischen Oldenburg und Leer müssen zum Beispiel stellenweise zweigleisig ausgebaut werden“, sagt auch Dieter Altwig von der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG). Sie ist zuständig für die Fahrpläne. „Einen Fahrplan zu machen, ist immer eine kniffelige Sache, da geht es manchmal um Sekunden, damit Verbindungen passen. Das ist mindestens so kompliziert, wie mehrere Kinder zwischen Musikschule, Kindergarten und Sportverein hin und her zu bringen.“ An mehr Platz führe so kein Weg vorbei.
Was sagt die Deutsche Bahn zu den Ausbau-Plänen?
Sie hält daran fest, die „Nadelöhrstrecke“ zwischen Leer und Oldenburg ausbauen zu wollen: „Ein wesentlicher Kern der 2. Baustufe ist auf der deutschen Seite der zweigleisige Ausbau zwischen Stickhausen – Velde und Augustfehn“, schreibt der Sprecher. Mehr scheint aber nicht beschlossen: „Der Umsetzungszeitpunkt einer 2. Baustufe steht noch nicht fest. Hierzu laufen regelmäßige Abstimmungen unter anderem zwischen Vertreter:innen der Provinz Groningen, den Ländern Niedersachsen und Bremen sowie der Deutschen Bahn.“
Der Umbau des eingleisigen Haltepunktes Weener zu einem zweigleisigen Bahnhof sei zunächst nicht mehr als „eine denkbare Option“, die Priorität liege aber in dem zweigleisigen Ausbau zwischen zwischen Stickhausen – Velde und Augustfehn.
Die Bahn sieht kein Problem darin, dass mit „Abschluss der 1. Baustufe“ wieder im Stundentakt Nahverkehrszüge zwischen Groningen und Leer fahren. Dass es mit Fertigstellung der Wunderline mehr werden würden, wurde nicht explizit kommentiert.
Schließen die Schranken sich dann länger?
Nein, die Schließzeiten ändern sich grundsätzlich nicht merklich, so der Sprecher – zur Baustufe 1. „Lediglich bei den beiden Bahnübergängen in Bunde (Neuschanzer Straße und Leege Weg) verlängert sich die Schließzeit aufgrund der Haltezeit des Zugs um ca. 60 Sekunden“, schreibt der Sprecher.
Rollen dann auch weitere laute Güterzüge über die Strecke?
Nein – erstmal. „Derzeit ist kein Güterverkehr auf der Strecke geplant, aber eine zukünftige Nutzung für Güterverkehre ist nicht ausgeschlossen.“ Zunächst wird es somit keinen weiteren Lärmschutz geben.
Der Schutz der Anwohner und Anwohnerinnen vor Schienenverkehrslärm nehme in der Planung eine wichtige Rolle ein. „Daher prüft die Deutsche Bahn bei Bedarf den Einsatz passiver Lärmschutzmaßnahmen. Im Rahmen der Baustufe 1 sind, abgesehen von Schallschutzfenstern aufgrund einer Trassierungsanpassung, keine weiteren Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen.“
Wie soll der Fahrplan aussehen: Bekommt man denn Anschluss-Züge?
Viele kennen ihn: Den Frust, wenn man noch in seinem Zug sitzt und der Anschluss schon weggefahren ist. Wie steht es um die Verbindungen der Wunderline: Wird es da mit Anschlüssen klappen? Einfach ist das sicherlich nicht, sagt Zschiesche vom Fahrgast-Verband. Man könne nicht einfach einzelne Verbindungen später oder früher losfahren lassen: Der Hauptbahnhof Bremen beispielsweise sei ein sogenannter Taktknoten von dem viel abhänge.
Pro Bahn fordert eine Anschlusssicherung, beispielsweise am Bahnhof in Leer. Denn die Umsteigezeiten schienen in der Planung mit einigen Minuten recht kurz geplant. Sprecher Dirk Altwig erklärt für Leer: „Die Anschlüsse mit der RB 57 werden in Leer so optimiert, dass Reisende aus Groningen Leer in Richtung Oldenburg und Bremen bequem und schnell umsteigen können.“
Wieso halten manche Züge an den neuen Haltepunkten in Ihrhove und Neermoor nicht?
Im Zuge des Ausbaus der Wunderline werden auch Haltepunkte reaktiviert. Der neue Halt Neermoor werde vom RE 15 (Münster – Rheine – Leer – Emden) stündlich bedient werden, erklärt Altwig von der LNVG. Der Halt Ihrhove werde stündlich durch die Linie RB 57 (Groningen – Leer) angefahren. Allerdings könnten nicht alle durchfahrenden Züge halten. „Aus fahrplantechnischen Gründen - sonst würden Anschlüsse entlang des jeweiligen Streckenverlaufs verloren gehen“, so Altwig.
Die Züge der Linie RE 15 könnten nicht in Ihrhove und der Linien RE 1 sowie IC 56 nicht in Neermoor halten. „Die beiden neuen Bahnhöfe sind ja für die Menschen in der Region ein großer Gewinn. Es sind allerdings zusätzliche Halte, die in den bestehenden Fahrplan eingepasst werden müssen, damit die bewährten Verbindungen erhalten bleiben können.“