Oldtimer-Treffen Matjesfest  Vom Open Ship und einer Menge „Seh“-Schiffe

| | 31.05.2024 09:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ob „Anne“, Feuerschiff oder Hafenboot: an diesem Wochenende drängt es sich im Alten Binnenhafen. Foto: Schuurman
Ob „Anne“, Feuerschiff oder Hafenboot: an diesem Wochenende drängt es sich im Alten Binnenhafen. Foto: Schuurman
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An den Matjestagen in Emden drängen sich wieder viele historische Schiffe im Alten Binnenhafen. Welche kommen in die Stadt?

Emden - Was macht das Matjesfest neben dem Fisch zum maritimen Volksfest? Richtig: Es sind die vielen Schiffe, die dem Alten Binnenhafen den passenden Rahmen geben. Und es sind natürlich nicht irgendwelche Schiffe, sondern historische. Es findet somit auch bei diesen Matjestagen ein regelrechtes Oldtimer-Treffen in Emden statt, das federführend Martin Sährig vom Verein historischer Schiffbau organisiert hat. So manches Schätzchen bietet Open Ship und sogar Bewirtung für Gäste. Das sind die Schiffe:

„Gulden Leeuw“

Der niederländische Dreimast-Toppsegelschoner „Gulden Leeuw“, zu Deutsch: Goldener Löwe, wird im Alten Binnenhafen vor dem Hotel am Delft festmachen. Das 70,10 Meter lange, 8,60 Meter breite und 4,20 Meter tiefgehende Schiff mit Heimathafen Kampen hat eine bewegte Geschichte. Es wurde 1937 als motorisiertes Forschungsschiff MS „Dana“ für das dänische Landwirtschaftsministerium gebaut, war erst für meeresbiologische Forschungen in dänischen sowie internationalen Gewässern unterwegs. Zwei Jahre nach dem Stapellauf wurde das Schiff um neun Meter verlängert. Von 1980 an wechselte das Schiff mehrmals den Eigner und seinen Namen. Im Jahr 2007 kauften die Niederländer Robert Postuma und Arjen Töllter (P&T Charters) das Schiff, ließen es auf der Königlichen Werft Balk in Urk zu einem schnellen Dreimast-Toppsegelschoner mit einer insgesamt 1400 Quadratmeter großen Segelfläche umbauen. Seitdem erorbert es als „Gulden Leeuw“ die Weltmeere - auch als Schulschiff.

Mehr als formatfüllend: Am Donnerstagabend kamen die größten Schiffe, auch die "Gulden Leeuw". Foto: Saathoff
Mehr als formatfüllend: Am Donnerstagabend kamen die größten Schiffe, auch die "Gulden Leeuw". Foto: Saathoff

Die bewegte Geschichte ist bis heute an Bord spürbar. Open-Ship-Besucher und Törngäste können noch handgefertigte Originaldetails aus dem Geburtsjahr des Schiffes entdecken und unter Deck die Atmosphäre der 1930er Jahre spüren, heißt es in den Beschreibungen. An diesem Freitag wird das Schiff allerdings zunächst zu einem fünfstündigen Tagestörn mit Gästen nochmals auslaufen.

„Prinz Heinrich“

Mit der Prinz Heinrich kommt ein alt-bekanntes, ehemaliges Dampfschiff aus Leer nach Emden. Von 1909 bis 1954 führ es im Linienverkehr zwischen Emden und Borkum, für Ausflugsfahrten auch ab Leer. 1958 wurden die Dampfmaschinen durch Dieselmotoren ersetzt, das Schiff für mehr Passagiere umgebaut und in Hessen umbenannt. Wie es schließlich 2003 seiner Verschrottung entging, es sogar seinen ursprünglichen Namen wiedererhielt, können Schiffsbegeisterte sicher an diesem Wochenende vor Ort erfragen.

„Angela von Barßel“

Die „Angela von Barßel“ wurde als Schiffstyp „Tjalk“ 1896 auf der niederländischen Bauwerft A. Mulder in Staadskanaal gebaut. Hundert Jahre später wurde die Tjalk von den Mitgliedern des gleichnamigen Vereins liebevoll restauriert. Dieser Schiffstyp der friesisch-emsländisch-oldenburgischen Fluss- und Küstenschifffahrt des 19. Jahrhunderts transportierte einst den Brenntorf zu großen Städten und Ziegeleien an der Ems. Als Rückfracht brachten die Tjalks an den Fehnkanälen alles mit, was die Kolonisten zum Leben brauchten.

„Annemarie“

Auch die „Annemarie“ ist ein Tjalk. Sie wurde 1893 auf der Werft Jan Jans Bos im niederländischen Echten gebaut Es war eines der ersten Eisenschiffe der Werft, ausgestattet mit einem Petroleum-Motor. Die Tjalk fuhr bis 1925 als „Twee Gebroeders“ zwischen Sneek und Meppel.

„Wappen von Ihlow“

Noch eine Tjalk wird mit der „Wappen von Ihlow“ erwartet. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Groningen gebaut und auch eine der ersten mit einem eisernen Rumpf. Diese Bauweise ermöglichte den Schiffbauern, den Schiffen ein schöneres Aussehen zu verleihen, da Eisen leichter zu formen ist als Eichenholz. Auf der Wappen von Ihlow gibt es für Gäste Tee und Kuchen.

„Vrouwe Cornelia“

Die „Vrouwe Cornelia“ ist ein Trawler - also ein altes Fischereifahrzeug, das einst Schleppnetze zog (englisch: trawlen). Gebaut wurde die Cornelia im Jahr 1959, fährt unter niederländischer Flagge und hat den Heimathafen in Scheveningen.

„TF5“, „Gerie Mattijs“, „Geertruida“ und Co.

Neben diesen größeren Gastschiffen werden auch kleinere Boote erwartet. Die „TF5“ beispielsweise, ein altes Minensuchboot aus Leer. Oder die „Gerie Mattijs“, ein sehr alter Kotter namens „Geertruida“ und vielleicht den einen oder anderen Überraschungsgast, wie Organisator Martin Sährig sagte. Letztlich hänge auch vieles am Wetter und an der Einsatzfähigkeit der alten Schiffe ab.

Emder Museumsschiffe

Neben den Gastschiffen sind natürlich auch die drei Emder Museumsschiffe Anziehungsmagnet für Besucher. Auf dem Feuerschiff „Amrumbank / Deutsche Bucht“, dem Seenotrettungskreuzer „Georg Breusing“ sowie dem Heringslogger „AE 7“ und auch auf der Tjalk „Anne“ steht ständig ehrenamtliches Schiffspersonal zur Verfügung, das über die Geschichte der Schiffe aufklärt. Zu essen und zu trinken gibt es da meist auch.

Nicht zu vergessen sind auch drei Kutter aus Greetsiel und Ditzum, die das Matjesfest ansteuern. Dort gibt es frische Krabben direkt von Bord.

Video
Ran an den Fisch | Die 33. Emder Matjestage sind eröffnet
31.05.2024

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